|
(0) |
Keine Spur von Kundenfreundlichkeit: Jelmoli Versand und Sport Scheck rücken zu viel bezahltes Geld erst auf spezielle Nachfrage heraus.
Wer regelmässig über den Versandhandel einkauft, hat möglicherweise ein Guthaben auf seinem Kundenkonto. Grund: Er hat Waren retourniert und trotzdem die ganze Rechnung bezahlt. So auch saldo-Leser Reto Bühlmann (Name geändert): Als der Kunde sich bei Jelmoli Versand und bei Sport Scheck nach den jüngsten Bestellungen erkundigte, erfuhr er zu seinem Erstaunen, dass sein Konto bei beiden Firmen im Plus war. Dieses Guthaben wird laut den Versandhändlern beim nächsten Einkauf angerechnet.
Doch was passiert, wenn der Kunde keine weiteren Einkäufe tätigt? «Dann bleibt das Guthaben bestehen», sagt Ronald Haug von Jelmoli Versand, schränkt aber ein: «Überzählige Beträge erscheinen nur einmal auf dem Monatsauszug. Wenn keine weiteren Bestellungen erfolgen, gibt es auch keine neuen Anzeigen.» Im Klartext: Verlangt der Kunde sein Guthaben nicht zurück, bleibt das Geld auf immer und ewig beim Versandhändler. Und der Kunde erfährt davon nichts.
Kundenguthaben werden auf zentrales Konto transferiert
Guthaben von «inaktiven Kunden» werden bei Jelmoli Versand auf ein separates zentrales Konto transferiert. Haug: «Die Zuordnung dieser Gelder ist über Jahre gewährleistet. Wenn der Kunde wieder aktiv wird, kommt das Guthaben zurück auf das Kundenkonto und wird verrechnet.»
Auch der Versandhändler Sport Scheck pflegt diesen seltsamen Umgang mit Kundengeldern. Laut Josef Schalk, verantwortlich für die Kundenbeziehungen, werden zu viel bezahlte Beträge bei einer ruhenden Geschäftsbeziehung nur auf ausdrückliches Verlangen der Kunden zurückbezahlt.
Jelmoli Versand und Sport Scheck sind Tochtergesellschaften des Heine-Versands im deutschen Karlsruhe. Der für den Auslandvertrieb zuständige Hans Joachim Simon hat keine Lust, die stossende Praxis zu ändern, denn «Kundenguthaben sind eher die Ausnahme». Jelmoli-Versand-Sprecher Haug hat da eine leicht andere Ansicht: Er findet dieses System «persönlich auch nicht gut».
kk
10. November 2004
