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Patienten fühlen sich Ihrem Arzt oft hilflos ausgeliefert. Doch es gibt Kriterien, wie ein guter Arzt beraten muss.
Mit Ärzten hat Rolf Flory schlechte Erfahrungen gemacht. Mehrere Jahre nach zwei Operationen an der Leiste und der Hüfte meldeten sich wieder Schmerzen in der Leistengegend. Der 67-Jährige ging zu einem Facharzt. Dieser diagnostizierte einen erneuten Leistenbruch, den man operieren müsse. «Er sagte, damals sei ich mit einer Methode operiert worden, die man heute nicht mehr anwende.» Rolf Flory stimmte dem neuen Eingriff zu.
Doch die Operation brachte die Schmerzen nicht zum Verschwinden. Stutzig wurde Flory, als er vernahm, wie der Arzt operiert hatte: nach derselben Methode, die er zuvor als veraltet beschrieben hatte.
Vor der Operation habe der Arzt keine Vor- und Nachteile der verschiedenen Methoden erwähnt: «Er tat, als ob alles klar sei. Im Nachhinein stellte sich aber heraus, dass die Operation unnötig war.»
Ein Drittel der Patienten ist unzufrieden mit dem Arzt
Einige Zeit später plagte Flory ständiger Durchfall. Er ging zu einem Magen-Darm-Spezialisten. «Doch der glaubte schon zu wissen, was ich hatte, noch bevor ich mein Leiden erklärt hatte.» Es folgte eine ambulante Hämorrhoiden-Operation, die aber nichts nützte. «Nach einigen Wochen bestimmte der Arzt selber, dass die Behandlung erfolgreich beendet sei.»
Ähnlich wie Rolf Flory geht es vielen Patienten. Eine Umfrage der Universitäten Lausanne und Zürich hat kürzlich ergeben: Nur 63 Prozent der Patienten werden in medizinische Entscheide so mit einbezogen, wie sie es sich wünschen.
Doch Patienten können selber testen, ob sie der Arzt gut berät. Pulstipp-Arzt Thomas Walser hat für die Leserinnen und Leser eine Checkliste ausgearbeitet. Sie listet auf und bewertet, wie gut sich ein Arzt seinen Patienten gegenüber verhält.
Auch Erika Ziltener von der Patientenstelle Zürich begrüsst die Checkliste. Für sie muss ein guter Arzt
- gut zuhören,
- sich Zeit nehmen für Patienten,
- auf die Ängste von Patienten eingehen
- und eine verständliche Sprache sprechen.
Wer mit seinem Arzt unzufrieden ist, dem rät Ziltener: «Zuerst sollte man ihm sagen, wo der Schuh drückt.» Falls ein persönliches Gespräch nicht möglich sei, könne man dem Arzt auch schreiben.
Falls der Arzt auf Fragen nicht befriedigend oder zu kompliziert antworte, sollte man nachfragen. Ziltener: «Es gibt keine dummen Fragen.» Und: «Wer seine Fragen vor der Sprechstunde aufschreibt, vergisst vor dem Arzt auch nicht, sie zu stellen.»
Schwieriger wird es für Patienten, wenn sie einen neuen Arzt suchen: Anhaltspunkte dafür, welche Ärzte gut sind und welche nicht, gibt es kaum. Nur jeder zweite Schweizer ist der Ansicht, er verfüge über genügend Informationen, um einen Hausarzt auszuwählen.
Tipp: Fragen vor dem Arzttermin aufschreiben
«Wer einen neuen Arzt sucht, sollte sich zuerst darüber klar werden, was er will», sagt Erika Ziltener. Ob Frau oder Mann, alt oder jung, spiele für viele Patienten eine Rolle. Zudem empfiehlt Ziltener, schon vor dem ersten Arzttermin Fragen zu stellen. «Wem zum Beispiel Alternativmedizin wichtig ist, der sollte den Arzt fragen, ob er die entsprechenden Zusatzausbildungen hat.»
Es liegt also an den Patienten, die Informationen mühsam zusammenzutragen. Das sei unbefriedigend, sagt Erika Ziltener: «Es bräuchte eine unabhängige Instanz, die bekannt gibt, welche Ärzte gut arbeiten und welches die schwarzen Schafe sind.»
Haben Sie gute oder schlechte Erfahrungen mit Ärztinnen und Ärzten gemacht?
Schreiben Sie uns: Redaktion Pulstipp, «Ärzte-Test», Postfach 277, 8024 Zürich oder redaktion@pulstipp.ch
So können Sie Ihren Arzt oder Ihre Ärztin beurteilen
Kreuzen Sie an, was auf Ihren Arzt oder Ihre Ärztin zutrifft. Zählen Sie am Schluss die Punkte zusammen.
A. Sprechstunde und Behandlung
Wenn Sie am Telefon wegen einer wichtigen Sache mit Ihrem Arzt sprechen möchten, werden Sie direkt verbunden oder er ruft Sie innert nützlicher Frist zurück. 3 Punkte
In dringenden Fällen empfängt Sie die Ärztin noch am gleichen oder spätestens am folgenden Tag.
3 Punkte
Der Empfang in der Praxis ist freundlich und familiär.
1 Punkt
Sofern Sie einen Termin haben, müssen Sie nur selten über eine halbe Stunde warten.
2 Punkte
Sie haben nicht den Eindruck, dass der Arzt häufig zu viele Leute in die Praxis kommen lässt.
2 Punkte
Bei langen Wartezeiten bietet die Praxis-Assistentin einen Ausweichtermin an oder bestellt Sie auf einen späteren Zeitpunkt.
1 Punkt
Das Wartezimmer ist so angenehm wie möglich (Lesestoff, bequeme Stühle, angenehme Temperatur).
1 Punkt
Diskretion: Am Empfang fragt man Sie nicht nach Ihren Beschwerden, wenn andere Patienten oder Patientinnen dort stehen oder die Tür zum Wartezimmer offen ist. Beim Warten bekommen Sie nie die Anliegen von fremden Patienten mit.
2 Punkte
Die Ärztin scheint Ihnen gesund, sympathisch und umgänglich.
5 Punkte
Der Arzt nimmt sich genügend Zeit, um sich nach Ihrem Befinden und Ihren Beschwerden zu erkundigen. Falls er Ihre Krankengeschichte nicht kennt, fragt er danach.
10 Punkte
Die Ärztin kann Ihnen zuhören, ist dabei vorurteilslos und auch kritikfähig.
6 Punkte
Der Arzt geht auf Ihre Beschwerden und Probleme ein. Er fragt nach Ihren Bedenken, Unsicherheiten und Ängsten und nimmt diese ernst. Sie fühlen sich verstanden.
8 Punkte
Die Ärztin erklärt stets, was sie gerade tut und weshalb.
6 Punkte
Sie müssen nie nackt auf den Arzt warten.
2 Punkte
Bei der Gynäkologin müssen Sie sich nie ganz frei machen, sondern nur entweder oben oder unten.
Keine Bewertung*
Sie können sich wieder vollständig anziehen, bevor der Arzt mit Ihnen die Befunde bespricht.
2 Punkte
Die Ärztin erklärt Ihnen die Befunde und mögliche Behandlungen (auch solche der Komplementärmedizin) so, dass Sie sie verstehen. Sie gibt auch andere geeignete Therapeuten an.
6 Punkte
Der Arzt erläutert Ihnen die Vor- und Nachteile von verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten.
8 Punkte
Die Ärztin klärt Sie über mögliche Nebenwirkungen und Risiken von Medikamenten auf.
6 Punkte
Der Arzt behandelt Sie respektvoll. Er missbraucht seine Macht nicht.
8 Punkte
Die Ärztin erkundigt sich nach Ihrer Lebensweise. Sie bespricht mit Ihnen, wie Sie Ihr Leiden mit einer veränderten Lebensweise lindern oder beheben können.
8 Punkte
Der Arzt ermuntert Sie, Fragen zu stellen.
6 Punkte
Die Ärztin unterbricht die Konsultation höchstens einmal, um einen Telefonanruf zu beantworten. Sie lässt sich nur ganz selten von Drittpersonen stören.
2 Punkte
Die Rechnung des Arztes ist so übersichtlich, dass Sie die Angaben kontrollieren können.
2 Punkte
Total der möglichen Punkte A (ohne bevorstehende Operation): 100
Total der Punkte für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin:
Auswertung:
91 bis 100 sehr gut
81 bis 90 gut
71 bis 80 mittelmässig
bis 70 schlecht
* Keine Bewertung, weil nicht alle Ärzte gynäkologische Untersuchungen durchführen
B. Falls Operation nötig
Die Ärztin klärt Sie auf, wie oft die vorgeschlagene Operation erfolgreich ist.
10 Punkte
Der Arzt klärt Sie über mögliche Nebenwirkungen und Risiken der Operation auf. Er sagt Ihnen, wie oft solche Komplikationen auftreten.
10 Punkte
Die Ärztin gibt Ihnen zusätzlich ein Merkblatt mit den wichtigsten Informationen ab. Dort sind auch die Risiken und Erfolgsaussichten der Operation beschrieben.
6 Punkte
Der Arzt erklärt Ihnen, warum die Operation seiner Ansicht nach absolut nötig ist. Oder er erläutert Behandlungsmöglichkeiten ohne Operation und bespricht die Vor- und Nachteile.
6 Punkte
Die Ärztin sagt Ihnen vor der Operation, wie lange Sie voraussichtlich im Spital bleiben müssen und wie lange Sie arbeitsunfähig sein werden.
4 Punkte
Total der möglichen Punkte A + B (mit bevorstehender Operation): 136
Total der Punkte für Ihren Arzt oder Ihre Ärztin:
Auswertung:
121 bis 136 sehr gut
111 bis 120 gut
101 bis 110 mittelmässig
bis 100 schlecht
10. November 2004 | Christian Egg - cegg@pulstipp.ch
