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Artikel | K-Geld 5/2004

Total-Return-Fonds - der Traum von nie endenden Gewinnen

Die Finanzbranche reagiert mit neuen Produkten auf die Verunsicherung vieler Anleger: Total- und Absolute-Return-Fonds sollen immer Gewinne abwerfen. Auch bei einem Börsencrash. Der Beweis steht allerdings aus.

Total-Return-Fonds - der Traum von nie endenden Gewinnen

Was nützt ein Fonds, der zwar 2 Prozent besser als sein Vergleichsindex abschneidet, aber wegen eines Börsencrashs 30 Prozent an Wert verliert?», fragt Beat Wittmann, der bei der Clariden-Bank für das Geschäft mit Finanzprodukten zuständig ist. Anlegern könne es schliesslich egal sein, an welcher Messlatte sich ein Fondsmanager orientiert. «Sie erwarten von ihrem Vermögensverwalter nur eines: dass ihr Vermögen Gewinn abwirft. Und zwar unabhängig vom Marktumfeld», sagt der Banker.

Beat Wittmann ist nicht der einzige Banker, welcher der Strategie herkömmlicher Fonds - einen bestimmten Index zu schlagen - nicht viel abgewinnen kann. Auch Eric Syz, Chef der noblen Genfer Banque Syz, kritisiert diese Fokussierung auf einen bestimmten Index: «Letztlich entzieht man den Fondsmanagern Verantwortung und verlagert sie hin zum Anleger.» Getreu dem Motto, wer den falschen Index wählt, ist selber schuld.

Syz und andere forderten denn auch: Fonds sollten sich nicht an einem Index messen, das Fondsmanagement sollte freie Hand bei Anlageentscheiden haben und die Fonds sollten sich unabhängig von der jeweiligen Börsenstimmung ruhig entwickeln und möglichst keine Verluste einfahren.

Das entsprechende Produkt tauften die Marketingstrategen dann in bestem Neudeutsch Total Return und Absolute Return. Das klingt nach hoher Sicherheit, verspricht satte Renditen und hört sich bedeutend besser an als absolute, positive Rendite, Kapitalerhalt oder flexible Anlagestrategie.

Und es hat den Nerv der durch die Aktienkrise völlig verunsicherten Anleger getroffen. Innert weniger Monate haben diese neuen Finanzprodukte Milliarden von Anlagevermögen angezogen.

Fragt man allerdings bei zehn Fondsgesellschaften nach, was sie unter Absolute und Total Return verstehen, erhält man bestimmt zehn verschiedene Antworten. Wenigstens lässt sich - ohne Anspruch auf letzte Gültigkeit - folgendes Muster erkennen:
- Total Return: Bei dieser offensiven Variante entscheidet das Fondsmanagement aufgrund der Markteinschätzung laufend, wie es Aktien, Obligationen und Derivate gewichtet. Das bedingt eine äusserst aktive Anlagepolitik.
- Absolute Return: Die defensivere Variante zielt in erster Linie auf den Erhalt des Kapitals. Das ist aber nur eine Absichtserklärung. Im Gegensatz zu Garantie- oder Floor-Fonds gibt es aber keine Kapitalgarantie. Weil der Schutzgedanke im Vordergrund steht, investieren diese Fonds schwergewichtig in festverzinsliche Obligationen.

Total-Return-Fonds eröffnen den Fondsmanagern also fast grenzenlose Freiheiten. Dirk Schmelzer, Fondsspezialist beim VZ Vermögenszentrum in Zürich, sieht darin keinen Nachteil, im Gegenteil. «Genau das macht sie für Kleinanleger so interessant. Man kauft via Fonds ein Vermögensverwaltungsmandat ein.»

Und dabei müssten sich Anleger nicht einmal für eine bestimmte Anlagestrategie entscheiden. Wie man möglichst viel Rendite bei möglichst grosser Sicherheit und maximaler Liquidität erzielt, entscheidet die Fondsleitung jeweils neu aufgrund ihrer aktuellen Markteinschätzung. «Das macht Return-Fonds zu einer perfekten Fondslösung - zumindest in der Theorie», sagt Fondsexperte Schmelzer.


Viele Vorteile - aber auch hohe Spesen

Trotz dieser Vorzüge deckt die Absolute-Return-Strategie aber keineswegs alle Anlagebedürfnisse. Vier kritische Bereiche können ausgemacht werden:
- Risiko: Wie viele und welche Risiken ein bestimmter Total-Return-Fonds eingeht, ändert sich je nach Markteinschätzung.
- Transparenz: In welche Anlagen ein Fonds aktuell investiert ist, lässt sich nämlich erst im Nachhinein feststellen.
- Aktivität: Wie aktiv der Fonds seine Gelder verwaltet und die Gewichtung ändert, lässt sich aus den gesammelten Daten nur abschätzen.
- Kapitalerhalt: Ob dies mehr als eine Absichtserklärung ist und Total-Return-Fonds keine Verluste einfahren, lässt sich erst in ein paar Jahren sagen.
Fondsexperte Dirk Schmelzers Fazit: «Der Beweis ist noch nicht erbracht, dass Total-Return-Fonds halten, was sie versprechen.»

Derweil wird die Total-Return-Geschichte an der Kundenfront in den höchsten Tönen gepriesen. Hinweise auf die hohen Spesen, renditeabhängige Gebühren und die fehlende Kapitalgarantie hingegen werden nur zu gern verschwiegen.

Hinzu kommt, dass die Unterschiede zwischen den Fonds zum Teil enorm sind: Trotz ähnlicher Ausrichtung entwickelt sich kein Fonds gleich wie der andere. Der Kunde kann sich also kaum ein Bild machen von dem, was er gekauft hat.



Einzelne Fonds setzen ausschliesslich auf Obligationen

Total-Return-Fonds lassen sich nur schwer miteinander vergleichen. Das ist selbst dann der Fall, wenn sie ähnlich ausgerichtet sind. Hinzu kommt, dass die meisten Fonds noch sehr jung sind. Das hat zur Folge, dass beim K-Geld-Test zwei der sonst üblichen Testkriterien fallen gelassen werden mussten: die minimale Existenz von drei Jahren und die Mindestgrösse der Fonds von 50 Millionen Franken. Sonst wäre das Testfeld von 30 auf eine Hand voll Fonds zusammengeschrumpft.

Bei den gemischten Total-Return-Fonds schnitt der World Invest - Absolute Return A am besten ab. Wegen seiner Aktienlastigkeit reagiert er allerdings empfindlich auf Börsentrends. Der CS- und der Clariden-Fonds, die ihre Anlagen breiter auf die verschiedenen Anlageklassen verteilen und mit einer ordentlichen Rendite aufwarten können, entwickelten sich ruhiger.

Die einzigen Resultate bei der zahlenmässig kleinen Gruppe der obligationenlastigen Total-Return-Fonds, bei denen der Kapitalerhalt im Vordergrund steht, lieferte der Activest Lux Total Return D, der frei wählt zwischen Anleihen, Wandelobligationen, Geldmarktpapieren und einem kleinen Aktienanteil. Allerdings fragt sich, ob es nicht dem Geist des Total-Return-Gedankens widerspricht, wenn diese Fonds sich zum Vornherein dermassen einseitig auf festverzinsliche Papiere festlegen.

Das gilt erst recht für die dritte Kategorie, deren Qualität man wohl besser mit traditionellen Obligationenfonds misst. Der Klassenbeste hier: Skandia Total Return USD Bond Fund A, der schwerpunktmässig in Hypothekaranleihen investiert.

27. Oktober 2004 | Martin Metterli


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