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Teures Skifahren: Eine Tageskarte kostet in der kommenden Saison durchschnittlich mehr als 50 Franken. saldo zeigt, wo sichs auch günstig skifahren lässt.
Für maximal 8 Stunden Pistengenuss 74 Franken: Wer sich einen Schneesporttag unter der Matterhornkulisse gönnen will, muss tief in die Tasche greifen. Zermatts Preise für Skitickets bleiben einsame Spitze - die Kosten für Anreise, Verpflegung und Skiausrüstung noch gar nicht mitgerechnet.
Zermatt scheint die Konkurrenz nicht zu fürchten. Die Walliser Skistation erhöht auch in der kommenden Wintersaison ihre Preise. 2 Franken kostet die Tageskarte für Zermatt/Cervinia mehr als im Vorjahr. Das ist über dem Durchschnitt von 1,4 Prozent, wie der Vergleich von saldo bei 44 Schweizer Skistationen zeigt (siehe Tabelle). Die 7-Tages-Karte verteuert sich um 6 Franken und beläuft sich dieses Jahr auf stolze 416 Franken.
Auch die beiden Walliser Grossskigebiete Verbier und Morgins/Portes du Soleil erhöhen ihre Preise für Tageskarten um je 2 Franken, die Wochenkarten um 9 beziehungsweise 8 Franken. Die drei Mammut-Skigebiete können aber neben dem Oberengadin ein ansprechendes Preis-Leistungs-Verhältnis bei den Transportanlagen und Pisten vorweisen. Obenauf schwingt dabei Morgins/Portes du Soleil. Das grenzüberschreitende Skigebiet umfasst 211 Anlagen und bietet 650 Kilometer präparierte Pisten. Und das zu einem Tageskartenpreis von 54 Franken oder 289 Franken pro Woche.
Vals: Spitzenreiter bei den diesjährigen Aufschlägen
Dass die Preiserhöhungen nicht nur die Teuerung ausgleichen, zeigt die Stichprobe über fünf Jahre. Im Oberengadin mussten 1999 58 Franken für die Tageskarte berappt werden. Dieses Jahr kostet ein Tag bereits 69 Franken - 19 Prozent mehr. Das entspricht einer jährlichen Steigerung von 3,8 Prozent, liegt also weit über der durchschnittlichen Jahresteuerung von 0,9 Prozent.
Noch mehr verlangt Zermatt. Vor zwei Jahren wurden alle Teilskigebiete fusioniert; seither gibt es nur noch Einheitstickets. Wählen kann der Gast lediglich, ob er auch die italienische Seite (Cervinia) mitkaufen will. Entsprechend kletterten auch die Preise innert fünf Jahren von 60 auf 74 Franken für die internationale Tageskarte in die Höhe - ein Plus von 23 Prozent.
Auch die Glarner Skistation Braunwald erhöhte die Tageskartenpreise innert fünf Jahren um 5 Franken - das sind jährlich plus 2,9 Prozent. Einzig Flims/Laax kann in der saldo-Stichprobe punkten. Plus 2 Franken über fünf Jahre, was 0,7 Prozent im Jahr entspricht. Die Zurückhaltung macht allerdings Sinn - lag der Preis für eine Tageskarte doch bereits 1999 bei 59 Franken.
Den grössten Aufschlag von 3 Franken oder 7,7 Prozent auf Tages- und 15 Franken auf Wochenkarten müssen dieses Jahr Schneesportler in Vals hinnehmen. Das kleine Bündner Skigebiet ersetzte diesen Sommer den alten Zubringersessellift mit einer leistungsfähigen Achter-Gondelbahn. «Das hat sich in den Abopreisen niedergeschlagen», sagt Walter Berni von den Sportbahnen Vals.
Sörenberg: Spart im Voraus Geld für neue Sesselbahn
Auch Melchsee-Frutt verlangt dieses Jahr mehr Geld von seinen Gästen. Die Obwaldner steckten 8,5 Millionen Franken in den Neubau einer koppelbaren Vierer-Sesselbahn. Auch Adelboden/Lenk schlägt auf. Als Grund dafür führt Myrjam Steiner von Lenk Bergbahnen die neue Sechser-Sesselbahn auf Metsch und eine neue Beschneiungsanlage ins Feld. Im Vergleich zu anderen Skigebieten ähnlicher Grösse seien ihre Preise überaus angemessen.
Ähnlich begründet wird der Aufschlag von 2 Franken auf Tages- und 10 Franken auf Wochenkarten im Toggenburg. Modeste Jossen, Geschäftsleiter der Bergbahnen Unterwasser-Iltios-Chäserrugg: «Die Skipasspreise im Obertoggenburg sind eher tief angesetzt. Im Vergleich zu anderen Schweizer Gebieten und dem angrenzenden Ausland bewegen wir uns am unteren Pegel der Preisskala.»
Zum Voraus sparen will die Innerschweizer Destination Sörenberg und hebt daher die Preise um 2 Franken oder gut 5 Prozent an. Jolanda Derikesen von den Bergbahnen Sörenberg: «Im nächsten Sommer steht der Bau einer neuen Sesselbahn an. Daher haben wir uns entschlossen, den Preis bereits dieses Jahr zu erhöhen.»
Viele Bahnen haben Ersatzinvestitionen hinausgeschoben
Vals, Melchsee-Frutt, Sörenberg oder das Obertoggenburg machen es stellvertretend für viele Anlagenbetreiber: In den Schweizer Alpen muss in den nächsten Jahren viel Geld für Ersatzinvestitionen in die Hand genommen werden. Denn ein Grossteil der Liftanlagen wurden in den späten Siebziger- und frühen Achtzigerjahren gebaut; die Lebensdauer einer Bergbahn beträgt je nach Typ rund 25 Jahre. Vielen kleineren Gebieten drohen dadurch finanzielle Engpässe, denn die Ertragslage ist nicht überall rosig. Verschärft wird die Situation, da viele Unternehmen in den vergangenen Jahren Ersatzinvestitionen immer wieder hinausgeschoben haben, einen gestaffelten Ersatz der Anlagen also verpasst haben.
Dennoch wollen dieses Jahr nicht alle mehr Geld fürs Skifahren. Über die Hälfte der Skiorte rühren ihre Preise nicht an. So bieten etwa das Aletschgebiet (Fiesch/Bettmeralp/Riederalp), Saas Fee, Lenzerheide, alle Davoser Gebiete, Engelberg, Flumserberg oder Scuol ihre Tageskarten zum gleichen Vorjahrestarif an.
Und auch für die 7-Tages-Karte verlangen 21 Bergbahnbetreiber nicht mehr. Ein «exotisches» Beispiel liefert die Lenzerheide - die Bündner verbilligen ihren Wochentarif gar um 5 Franken. «Eine neue Gebietseinteilung hat die Senkung bewirkt», sagt Bettina Olczyk von den Lenzerheide Bergbahnen Danis Stätz.
Familienrabatte, Gästekarten, Vor-, Mittel-, Haupt- und Nachsaison, Studententarife: In den Schweizer Skigebieten wuchert ein üppiger Rabattdschungel (siehe Kasten «Rabatte»). Insbesondere für Familien fallen die verschiedenen Altersgrenzen des skifahrenden Nachwuchses stark ins Gewicht. Das ergibt gewichtige Auswirkungen auf die Gesamtsumme und lässt auch vermeintlich teure Destinationen eher konkurrenzfähig werden.
Familien: Massive Preisunterschiede für eine Skiwoche
saldo hat in Arosa, Braunwald, Davos, Flims/Laax, Lenzerheide und Zermatt für eine fünfköpfige Musterfamilie (Vater, Mutter, Tochter, 16 Jahre, zwei Söhne, 12 und 8 Jahre) die Tarife unter die Lupe genommen. Unter Berücksichtigung sämtlicher Rabatte kosten sieben Tage Familienskifahren in Zermatt 1248, in Arosa 1063, in Flims-Laax 1043, in Davos 1040, in Braunwald 876 und auf der Lenzerheide 803 Franken.
Zermatts hohe Preise für Einzelpersonen relativieren sich etwas durch die grosszügigen Alterslimiten bei Kindern und Jugendlichen. Die Lenzerheide profiliert sich durch Familienspecials ab sieben Tagen (sechs Tage zahlen, sieben Tage fahren). Ohne diesen Spezialrabatt würde die Musterfamilie dort 980 Franken für eine Woche Skifahren hinblättern. Braunwald belohnt die Frühbucher und gewährt 15 beziehungsweise 10 Prozent Familienrabatt bei Bestellungen und Bezahlung im Oktober respektive ab November. So kämen die Skitickets für eine Woche noch auf 788 beziehungsweise 745 Franken.
Vergleichen lohnt sich
Bei den Skibillettpreisen lässt sich oft beträchtlich sparen. Folgende Punkte sind zu beachten:
- Aktuelle Preise: Wer nicht in der Hauptsaison Ferien macht, fährt unter Umständen günstiger. Daher direkt am Schalter die aktuellen Preise erfragen. Das gilt auch bei den oft umständlich formulierten, unübersichtlichen Preislisten.
- Familien: Viele Skistationen gewähren grosszügige Familienrabatte. Deshalb Identitätskarten, Familienbüchlein und SBB-Juniorkarte mitnehmen. Wer nicht auf ein spezielles Gebiet fixiert ist, erhält mit genauer Vorauskalkulation bedeutend mehr Pistenkilometer und Bahnen fürs Geld.
- Kinder, Schüler/Studenten, Senioren: Viele Bahnen gewähren Rabatte für Kinder, Schüler, Studenten und Senioren. Oft variieren aber die entsprechenden Altersgrenzen. Ohne Ausweis, insbesondere bei Studenten, ist jedoch wenig auszurichten.
- Gästekarten: Wer im Ort übernachtet, zahlt Kurtaxe, erhält dafür aber meist eine Gästekarte. Bergbahnen gewähren dafür ab und zu zusätzliche Rabatte.
- Öffentlicher Verkehr: Die SBB verkaufen unter dem Namen «Snow'n'Rail» in über dreissig Skigebieten rund 30 Prozent vergünstigte kombinierte Bahn- und Liftbillette auf 1- und 2-Tages-Karten. Für Andermatt, Engelberg/Titlis, Lauchernalp, Grächen, Lenzerheide, Leukerbad und Stoos sind auch 6-Tages-Pässe erhältlich. Wer mit der Bahn anreist oder ein Halbtaxabo/ GA besitzt, erhält in einigen Skigebieten Rabatt.
- Teilgebiete: Insbesondere für grosse zusammenhängende Gebiete wie Morgins/Portes du Soleil, Verbier/4 Vallées, Zermatt/ Cervinia, Oberengadin, Davos/Klosters oder Jungfrau-Region lohnt es sich eventuell, ein Skibillett nur für ein Teilgebiet zu lösen.
- Tageswahlkarten: Wer nicht täglich auf die Piste will, kauft sich mit Vorteil Tageswahlkarten (frei wählbare Tage innerhalb eines Zeitfensters).
- Verlängerung: Skigebiete gewähren oft vergünstigte Preise für Anschlussbillette an Mehrtagesabos.
27. Oktober 2004 | Markus Kick
