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Artikel | K-Tipp 17/2004

Fragwürdige Baby-Pflege

Vorsichtige Eltern würden die Finger lassen von Babypflegetüchern, deren Substanzen Allergien auslösen können. Spitäler nicht unbedingt.

Für Brigitte Schibler wars befremdend. Im Kreisspital Männedorf ZH hatte sie festgestellt, dass die Klinik für Geburtshilfe in der Säuglingspflege die Penaten Baby Lotionpflegetücher von Johnson & Johnson verwendet.

Diese Tücher waren in einem Test der deutschen Zeitschrift «Öko-Test» mit der Note «ungenügend» durchgefallen. Der Grund: Die Prüfer hatten mehrere bedenkliche Inhaltsstoffe entdeckt, darunter Duftstoffe mit Allergie auslösendem Potenzial sowie polyzyklische Moschus-Verbindungen, die sich im Fettgewebe anreichern.


Unbedenkliche Alternativen

Schibler wies eine Pflegefachfrau auf diesen Befund hin. Darauf bekam sie zu hören, man kenne das Problem bereits. Das bestätigt Moritz Gautschi, Leiter Zentrale Dienste. Die Herstellerin habe jedoch belegen können, dass die Inhaltsstoffe der Tücher sicher seien und alle europäischen Richtlinien eingehalten würden.

Das betont Johnson & Johnson auch dem K-Tipp gegenüber. Und zu den kritisierten Duftstoffen bzw. Moschus-Verbindungen hält der Konzern fest, diese Substanzen seien in den Lotionpflegetüchern nur in geringer Konzentration enthalten.

Maren Behrendt von «Öko-Test» hat für solche Argumente wenig übrig: «Klar macht die Firma nichts Verbotenes. Aber das ist ja wohl selbstverständlich. Und es ändert vor allem nichts daran, dass problematische Substanzen in Babypflegeprodukten nichts verloren haben.» Denn Problemstoffe könnten bei Säuglingen unter Umständen heftiger wirken als bei Erwachsenen, so Behrendt. Spitälern und Geburtskliniken rät sie deshalb dringend, «aus Gründen des vorbeugenden Verbraucherschutzes» auf solche Feuchttücher zu verzichten - zumal es ja unbedenkliche Alternativen gebe.

Ob das Kreisspital Männedorf das beherzigt, ist offen. Gautschi will aber «die Verwendung des besagten Produktes anlässlich einer nächsten Sitzung der Einkaufskommission traktandieren».

Eine «Neu-Evaluation» stellt auch das Kantonsspital Winterthur ZH in Aussicht. Es verwendet nämlich gemäss einer K-Tipp-Umfrage bei einem Dutzend zufällig ausgewählter Spitäler die Penaten Baby Lotionpflegetücher ebenfalls. Genauso wie das Regionalspital Einsiedeln SZ. Doch dort begnügt man sich mit dem Hinweis: «Allergische Reaktionen etc. konnten nicht beobachtet werden.»

Andernorts indes hält man von vorgefertigten Feuchttüchern generell nicht viel. Etwa am Kreisspital in Muri AG, das sie aus der Pflege verbannt hat. «Aufgrund der Zusatzstoffe kam es oft zu Hautirritationen bei den Babys», begründet Spitaldirektor Hans Wey diesen Schritt.

Heute setzt Muri - wie diverse der vom K-Tipp befragten Kliniken auch - in der Säuglingspflege auf ein ganz einfaches Mittel: auf gewöhnliche, mit Wasser und allenfalls etwas Mandelöl benetzte Tüchlein.



Nur wenige der geprüften Feuchttücher sind für die Babyhaut sehr gut

Die Zeitschrift «Öko-Test» hat 17 Feuchttücher zur Babypflege auf bedenkliche Inhaltsstoffe geprüft.

Vier Produkte waren «sehr gut» - in der Schweiz erhältlich ist nur eines davon:
- Bübchen Comfort Feuchttücher (Fr. 6.90/72 Stk.)
Von den übrigen in der Schweiz erhältlichen Produkten gabs ein «gut» für:
- Pampers Sensitive Feuchttücher (Fr. 6.30/63 Stk.)
«Ausreichend» waren:
- Babies 'R' Us Baby-Pflegetücher extra (Fr. 3.95/80 Stk.)
- Pampers Feuchttücher (Fr. 5.90/72 Stk.)
«Mangelhaft» schnitt ein Produkt ab:
- Belino 80 Comfort-Feuchttücher (Fr. 4.90/80 Stk.)
«Ungenügende» Note:
- Penaten Baby Lotionpflegetücher (Fr. 6.50/72 Stk.)

Quelle: «Öko-Test», 5/04.

20. Oktober 2004 | Gery Schwager - gschwager@ktipp.ch


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