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Artikel | K-Tipp 16/2004

Ein Einkaufsparadies direkt vor unserer Haustür

Markenartikel sind laut einer Studie der Uni Freiburg nirgendwo in Westeuropa so billig wie in Deutschland. Aber in keinem EU-Land zahlen die Konsumenten so viel wie in der Schweiz.

Die Preise von weltbekannten Markenprodukten müssten sich in einem Binnenmarkt wie der EU eigentlich auf einem ähnlichen Niveau einpendeln. Denkt man. Doch aus dem neusten Binnenmarktbericht der EU-Kommission geht hervor: Die Preisdifferenzen zwischen den einzelnen Ländern sind enorm.

Am teuersten ist der Warenkorb mit 24 Markenartikeln in Irland. Dort zahlt der Konsument 40 Prozent mehr, als der EU-Durchschnittspreis beträgt. Pampers-Windeln zum Beispiel sind anderthalbmal teurer als in England. Die beiden günstigsten Länder mit Preisen von rund 20 Prozent unter dem EU-Schnitt sind Spanien und Deutschland. Damit liegt eines der beiden EU-Einkaufsparadiese direkt vor der Haustüre der Schweiz.
Wie sehr sich der Gang über die Grenze lohnen kann, zeigt eine Studie. Ingrid Vock von der Uni Freiburg (CH) hat einen Warenkorb mit 91 Markenprodukten zusammengestellt und verglichen. Resultat: Der Warenkorb war in der Schweiz um 74 Prozent teurer als in Deutschland. Über ein Viertel der Produkte kosteten in der Schweiz mindestens doppelt so viel.


Jeder Artikel kostet in der Schweiz mehr

Besonders gross waren die Unterschiede bei Körperpflegeprodukten wie Haarschaum, Haarspray, Deos, Zahnpasten, Speisefetten und Ölen sowie bei Süsswaren. Für die Studie wurden im November 2003 Artikel im Pennymarkt und bei Lidl in Deutschland gekauft sowie bei Carrefour, Pick Pay und Denner in der Schweiz.

Der K-Tipp hat die Probe aufs Exempel gemacht und einen Warenkorb mit 15 Markenartikeln zusammengestellt. Die Einkäufer wurden zu den jeweils günstigsten Anbietern geschickt, in Deutschland zu Lidl und in der Schweiz zu Denner, Gewinner des letzten Warenkorb-Preisvergleichs des K-Tipp.
Resultat: Sämtliche Produkte sind in der Schweiz teurer. Für die Zahnpasten Dentagard und Colgate sowie für die Margarine Lätta muss bei Denner mehr als doppelt so viel bezahlt werden wie bei Lidl. Am geringsten waren die Unterschiede bei Thomy Senf (9 %), Mars (13 %), Pringles und Nescafé (je 20 %). Der gesamte Warenkorb, der bei Lidl umgerechnet für Fr. 43.22 zu haben war, kostete bei Denner Fr. 64.25. Er war damit in der Schweiz um 49 Prozent teurer.

Ein kleiner Abstrich für die Konsumenten in Deutschland: Bei Lidl sind nicht alle Markenartikel verfügbar, die Denner im Sortiment führt. Umgekehrt bietet der deutsche Anbieter aber Markenartikel (und Eigenmarken) an, die bei Denner nicht erhältlich sind.


Familie kann rund 5000 Franken sparen

Wer also nicht nur günstig, sondern auch ohne grossen Zeitaufwand in Deutschland einkaufen will, muss die Einkaufsliste dem Angebot anpassen. Darüber hinaus lohnt es sich, sich nicht nur bei Lidl, sondern auch im Pennymarkt umzusehen. Dort sind übrigens die Preise für die meisten Markenartikel mit denen von Lidl identisch.
Lohnt sich das Einkaufen auch dann, wenn man Wegkosten und den höheren Zeitaufwand berücksichtigt? «Ja», sagt der Freiburger Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger. Er hat ausgerechnet, dass der regelmässige Einkaufstourist, der das Preisgefälle geschickt ausnützt, pro Jahr für eine vierköpfige Familie rund 5000 Franken sparen kann. Konkreter: Eine Familie, die in Brugg AG wohnt und wöchentlich für den erlaubten Maximalbetrag von 300 Franken zollfrei in Waldshut einkauft, spart - Fahrkosten inbegriffen - rund 90 Franken pro Einkauf.

Dafür muss sie allerdings bereit sein, eine zusätzliche halbe Stunde für das Einkaufen einzusetzen. «Wenn die Familie nicht nur Markenartikel aus dem Food-Bereich, sondern auch andere Waren, etwa Fleisch, alkoholische Getränke oder langlebige Konsumgüter in Deutschland einkauft, wird der Spareffekt noch grösser», so Eichenberger.



Der Einkauf in Österreich lohnt sich nur unter ganz speziellen Bedingungen

Lohnt es sich, Markenartikel in Österreich einzukaufen? Laut EU-Binnenmarktbericht bewegt sich das Preisniveau bei unserem östlichen Nachbarn im EU-Durchschnitt und liegt rund 20 Prozent über dem von Deutschland.

Der K-Tipp hat in Vorarlberg ebenfalls die Probe aufs Exempel gemacht und einen ähnlichen Warenkorb wie für den Einkauf in Deutschland zusammengestellt. Resultat: 10 Artikel waren in Österreich um 5 bis 20 Prozent günstiger, 5 Artikel (m & m's, Mars, Coca Cola, Red Bull und Always-Binden) leicht teurer als bei Denner in der Schweiz. Gesamthaft kostete der Denner-Warenkorb 7 Prozent mehr als der österreichische.

In Österreich wars aber nur deshalb billiger, weil unser Testkäufer für jedes Produkt nach dem günstigsten Anbieter suchte und dafür einen grossen Aufwand betrieb. Er kaufte in Billa-, Interspar-. ADEG- und Sutterlüty-Läden ein, und zwar in Bregenz, Hard und Lauterach.

Fazit: Wer in Österreich günstig einkaufen will, muss genau wissen, welche Markenartikel wirklich billiger und wo sie erhältlich sind. Sonst schmilzt der Spareffekt wegen Fahrkosten und Zeitaufwand sofort weg.



Ist es sinnvoll, mit dem Auto nach Deutschland einkaufen zu gehen, nur weil es günstiger ist? - Diskutieren Sie mit auf www.ktipp.ch.



«Reklamieren Sie beim Händler!»

«Bei Markenprodukten verdienen vor allem Hersteller und Importeure», erklärt der Freiburger Wirtschaftsprofessor Reiner Eichenberger.

K-Tipp: Rechtfertigen die höheren Lohn-, Boden- und Mietkosten in der Schweiz die höheren Preise, wie dies die Schweizer Detailhändler behaupten?
Reiner Eichenberger: Nein. Die hohen Detailhandelspreise sind vor allem eine Folge der hohen Grosshandelspreise in der Schweiz. Hingegen sind hier die gesamten Arbeitskosten wegen der tieferen Lohnnebenkosten sogar tiefer als in Deutschland. Bei Markenprodukten verdienen deshalb vor allem die Produzenten und die Importeure.

Wie sind denn die Detailhandelsmargen bei Markenprodukten in der Schweiz im Vergleich zu Deutschland?
Die Detailhandelsmargen insgesamt sind in beiden Ländern ähnlich. Bemerkenswert ist auch, dass die Gewinne der billigsten deutschen Detailhändler von Markenprodukten immer noch beträchtlich sind.

Können die Konsumenten selber etwas gegen die Hochpreis-Situation tun?
Ja, das können sie! Neben dem Einkauf in Deutschland kann man sich bei Händlern und Verkäufern in der Schweiz über die Preise beschweren. Häufige Reklamationen zwingen die Detailhändler zum Handeln.

Zudem können sich Konsumenten in Wahlen und Abstimmungen für mehr Wettbewerb, weniger Handelshemmnisse und gegen Regulierungen einsetzen, die Parallelimporte erschweren und die Baumöglichkeiten für ausländische Detailhändler behindern.

06. Oktober 2004 | Pirmin Schilliger - redaktion@ktipp.ch


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Das Herkunftsland muss weiterhin deklariert werden.
Nur das Herkunftsland reicht nicht. Es sollte noch viel detaillierter deklariert werden.
Kein Problem. Ich achte sowieso nicht drauf.
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