SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Tipp 15/2004

Es geht auch ohne Gift

Die meisten Äpfel, die in der Schweiz über den Ladentisch gehen, weisen Pestizid-Rückstände auf. Nur Bio-Äpfel sind garantiert giftfrei.

Es geht auch ohne Gift

Gegen Schimmelpilze, Insekten und Milben setzen Apfelproduzenten Pestizide ein. Der Nachteil: Die Gifte können in und auf den Äpfeln Rückstände bilden. Konsumenten nehmen so problematische chemische Stoffe auf.

Der K-Tipp liess im Hamburger Labor Eurofins - Dr. Specht & Partner 15 Apfelproben auf rund 300 verschiedene Pestizid-Wirkstoffe analysieren. Noch im letzten Jahr hatte das Zürcher Kantonslabor in durchschnittlich neun von zehn Apfelproben Pestizid-Rückstände gefunden.


19 verschiedene Pestizide gefunden

Da die Saison der heimischen Äpfel begonnen hat, kaufte der K-Tipp haupt-sächlich Schweizer Produkte ein. Zwei Proben stammten aus Frankreich, jeweils eine aus Italien und Südafrika.

Resultat der Stichprobe: In 11 der 15 Produkte wurde das Labor fündig. Nur in den beiden Bio-Äpfeln und zwei konventionell produzierten Apfelsorten konnten keine Pestizide nachgewiesen werden.
Nicht weniger als 19 verschiedene Pestizide fand das Labor insgesamt. Drei der Proben enthielten gar Rückstände von vier bis sechs unterschiedlichen Pestiziden. Was aber sind die Gründe für solche Pestizid-Cocktails?

Für jedes einzelne Pestizid ist gesetzlich ein Toleranz- oder Grenzwert festgelegt. Findet man in einer Probe mehrere Pestizid-Rückstände, wird nicht die Summe der Rückstände beurteilt, sondern jeder einzelne Rückstand für sich. Eine Praxis, die das Zürcher Kantonslabor seit Jahren kritisiert. «Wenn man verschiedenste Rückstände nachweisen kann, handelt es sich möglicherweise um einen Trick des Produzenten, damit er keinen Toleranzwert überschreitet», sagt Georg Schäppi, Bereichsleiter Pflanzliche Lebensmittel beim Kantonslabor Zürich.


Pestizid-Cocktails gegen Resistenzen?

«Es kann aber auch sein, dass der Obstproduzent unterschiedliche Pestizide anwendet, um Resistenzen zu verhindern», fügt Schäppi hinzu.

Schlimmstes Resultat der Stichprobe: In einem Produkt aus Frankreich, eingekauft bei Coop, fand das Labor Spuren eines illegal verwendeten Pestizids. Coop hat «Abklärungen beim Lieferanten in die Wege geleitet».

Trotz allem: «Sämtliche Befunde liegen weit unter den Toleranzwerten», sagt Günter Lach, Geschäftsführer des Labors Dr. Specht. «Gesundheitlich bedenklich ist keine einzige Probe», fügt er an.

Wer aber sicher sein will, dass er Äpfel ohne Pestizid-Rückstände isst, muss auf Bio-Äpfel ausweichen. In dieser Hinsicht bestätigt die K-Tipp-Stichprobe frühere Analysen des Zürcher Kantonslabors, das in keiner Bio-Probe Pestizid-Rückstände gefunden hat. Eine gross angelegte Studie in Deutschland, an der das Labor Dr. Specht beteiligt war, kam praktisch zum gleichen Resultat: Nur 1 Prozent der Bio-Produkte wies nennenswerte Pestizid-Rückstände auf.



Bio-Äpfel ohne Pestizide

Unter den 15 Apfelproben, die der K-Tipp analysieren liess, befanden sich auch zwei Produkte aus biologischem Anbau. Bei Bio-Produkten dürfen keine chemisch-synthetisierten Pestizide verwendet werden. Laborbefund: Beide Proben waren pestizidfrei.
Anstelle von Pestiziden dürfen Obstbauern im Kampf gegen Schädlinge und Schimmel Schwefel und Kupfer verwenden. Wer seinen Bio-Apfel vor dem Essen wäscht, spült damit auch allfällige Schwefel- und Kupfer-Rückstände ab. Ganz anders sieht das bei den Pestiziden aus. Weil sich diese häufig auch im Obstinnern befinden, kann man sie oft nicht abspülen.

Einen Nachteil hat die Schädlingsbekämpfung mit Kupfer: Das Schwermetall Kupfer gelangt in den Boden, wo es nicht abgebaut werden kann.

22. September 2004 | Patrick Gut - pgut@ktipp.ch


Beitrag als PDF
Es geht auch ohne Gift
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Der Zinssatz macht es aus Bank Coop: Fair nur im Kleingedruckten Aktiv Kasse machen
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten