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Artikel | K-Geld 4/2004

Indexaktien: Beispielloser Boom

Anleger entdecken vermehrt die Indexaktien. Die Nachfrage nach diesen spesengünstigen Anlagen ist in den letzten Monaten stark gestiegen.

Es ist, wie es sein muss: Die Branche boomt, die Profis geben sich gelassen. «Die Entwicklung der Indexaktien in Europa und der Schweiz verläuft nach Plan», sagt David Hobbs, der bei der UBS für diese Anlagen verantwortlich ist.

Noch vor wenigen Jahren sei die Nachfrage schwach gewesen. Mit dem steigenden Bekanntheitsgrad seien die Verkaufszahlen aber in die Höhe geschnellt. Hobbs Bilanz: «Sieht man sich die Marktentwicklung der letzten Jahre an, war das Wachstum beeindruckend.»

Das hat Gründe. Indexaktien oder Exchange Traded Funds (ETF) rentieren besser als vier von fünf herkömmlichen Fonds. Sie sind Spesensparer, wie ein Europavergleich der US-Bank Morgan Stanley zeigt: ETF kosten im Schnitt 0,48 Prozent Spesen pro Jahr (Total Expense Ratio), Indexfonds 1,2 Prozent und aktiv gemanagte Aktienfonds 1,62 Prozent. Und Indexaktien sind leichter handelbar als die ebenfalls günstigen Indexfonds.

Doch trotz Discountpreis sind Indexanlagen Qualitätsprodukte: Ihre Strategie bebeschränkt sich darauf, einen Index möglichst genau abzubilden. Man nennt sie deshalb auch passive Anlagen. Ihre Performance ist so gut oder je nach Börsenentwicklung halt so schlecht wie der Index, in den man investieren will - und damit meist besser als jene von aktiv gemanagten Fonds.

Von solchen Vorteilen wollen immer mehr Anleger profitieren. Anfang Juni waren weltweit 295 Milliarden Franken in Indexaktien investiert, zwei Jahre zuvor nur 133 Mrd. In Europa sind zwar nur 31 Mrd. Franken in ETF investiert, dafür sind die jährlichen Zuwachsraten gewaltig: Das Volumen hat sich innert zweier Jahre vervierfacht.
In der Schweiz ist die Entwicklung ähnlich. Der mit Abstand grösste Schweizer ETF, der XMTCH on SMI, ist seit seiner Lancierung 1999 Jahr für Jahr um rund eine halbe Milliarde Franken gewachsen. Allerdings sind seine 2,12 Mrd. Franken Fondsvermögen ein Klacks im Vergleich zum SPDR: Die Mammut-Indexaktie aus den USA, in die jeder sechste ETF-Franken fliesst, ist 50,4 Mrd. Franken schwer.

Das weist auf eine Eigenheit im ETF-Markt hin, in dem die Formel «gross = gut» noch gilt. Denn grösser heisst mehr Nachfrage und bedeutet eine kleinere Spanne zwischen Geld- und Briefkurs.

Der Geldkurs ist jener Kurs, zu dem ein Anleger ein Wertpapier dem Händler verkauft; der Briefkurs ist jener, zu dem ein Händler ein Papier an den Anleger verkauft. Der Briefkurs ist stets höher als der Geldkurs.

Und diesen Preisunterschied bezahlen die Anleger, wenn sie ihre ETF-Anteile verkaufen. Er ist aber nicht nur von der Grösse des ETF, sondern auch von der handelnden Bank abhängig.

Am besten schaut man selber im Internet nach, wie gross diese Spanne bei vergleichbaren Indexaktien ist. Angaben dazu finden sich auf den Websites der meisten Banken.



Die Vor- und Nachteile der Spesensparer

Indexaktien funktionieren wie herkömmliche Aktien und werden an der Börse gehandelt. Der Kurs dieser Exchange Traded Funds (ETF) berechnet sich nach einem einfachen Schema: Der ETF kostet immer einen bestimmten Bruchteil (meist ist das ein Hundertstel) des entsprechenden Indexes. Steht der SMI bei 5500 Punkten, kostet der entsprechende ETF 55 Franken.
- Vorteile: ETF eignen sich wie Aktien zum Anlegen grösserer Beträge. Denn man bezahlt dafür nur eine Courtage und die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs. ETF verursachen zudem weniger Verwaltungskosten als Indexfonds. Der Kurs ändert sich laufend.
- Nachteile: Wegen der bei jedem Kauf fälligen Mindestcourtage eignen sie sich nicht für das regelmässige Anlegen kleinerer Beträge, sondern nur für Investitionen ab rund 5000 Franken.

Indexfonds sind wie herkömmliche Fonds organisiert, verursachen jedoch höchstens halb so viele Spesen. Weil sie auf eine aktive Aktienauswahl verzichten, ersparen sie Anlegern hohe Management- und Verwaltungskosten.
- Vorteile: Sie sind das ideale Anlageinstrument für Sparer, die in regelmässigen Abständen kleinere Beträge investieren wollen. Im Gegensatz zu Indexaktien entfällt beim Kauf die Mindestcourtage. Und die Auswahl ist gross. Mit Indexfonds kann man heute in jeden beliebigen Markt investieren.
- Nachteile: Beim Kauf fällt oft eine Ausgabekommission an. Kaufen und verkaufen geht meist nur zum Mittelkurs des nächsten Börsentages.

01. September 2004 | Martin Metterli


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