|
(0) |
Der Zinsanstieg im Frühsommer war Gift für Obligationen. Aber nicht alle Oblifonds haben die gleiche Dosis abgekriegt. K-Geld sagt, wie Obli-Anleger bei einer Zinswende reagieren sollten.
Die Testresultate sind eindeutig. Als ob Naturwissenschaftler sie unter Laborbedingungen erzielt hätten. Auf dem Prüfstand waren aber nicht weisse Mäuse, sondern Schweizerfranken-Oblifonds.
Und der Test fand nicht unter sterilen Bedingungen statt, sondern in der stürmischen Welt der Finanzmärkte. Betrachtet wurden zwei völlig unterschiedliche Zeiträume: jener zwischen April 2001 und März 2004, als die Zinsen auf ein historisch tiefes Niveau fielen, und jener zwischen April und Juni 2004, als die Zinsen ungewöhnlich rasch stiegen.
Viele Oblifonds stecken in engen Korsetts
Das Resultat: Die Besten der Phase 1 landeten in Phase 2 auf den hintersten Rängen - und umgekehrt (siehe Tabelle). Markus Graf vom VZ Vermögenszentrum, das den Test für K-Geld durchführte, erklärt: «Viele Fonds können sich einem veränderten Zinsumfeld gar nicht anpassen, weil sie eine bestimmte Anlagepolitik verfolgen müssen. Dem Fondsmanagement sind die Hände gebunden.»
Eine Tatsache mit fatalen Folgen, wie das Beispiel Helvetbär zeigt: Der Julius-Bär-Fonds erreichte in der Phase 1 eine Jahresrendite von 5,03 Prozent - bei minimalen Kursschwankungen.
Dieses Spitzenergebnis war nur möglich, weil der Fonds genau richtig im Markt lag: Er hält Obligationen mit langen Restlaufzeiten - knapp sechs Jahre statt der bei den übrigen Fonds durchschnittlichen vier bis fünf Jahre - und setzt vorzugsweise auf grundsolide Schuldner wie den Bund, Gemeinden und Kantonalbanken.
Seit Frühling 2004 steckt beim Helvetbär aber der Wurm drin. Seine Ausrichtung ist ihm jetzt zum Verhängnis geworden. In nur drei Monaten verlor er mit 2,05 Prozent ungewöhnlich viel für einen Schweizerfranken-Oblifonds. Die einstige Nummer 1 der 45 getesteten Fonds findet sich jetzt auf Rang 37 wieder.
Aber nicht nur der Helvetbär brach im Frühling ein. Der Indexfonds Synchrony Swiss Government Bonds sackte von Rang 2 auf Rang 40 ab, der Scudder Swiss Bond Fund von 3 auf 35 und der Win Fund Bond-Index Switzerland von 4 auf 41.
Die Ursachen sind immer die Gleichen: Diese Fonds setzen auf Obligationen mit langen Restlaufzeiten und auf Schuldner mit hoher Bonität. Oblis mit langen Restlaufzeiten leiden aber am meisten unter steigenden Zinsen.
Restlaufzeit je nach Zinserwartung wählen
Und was passierte mit den Schlusslichtern der Phase 1? Richtig, sie belegen in Phase 2 durchwegs Spitzenränge. Der BO Fund Obligest CHF steigerte sich von Rang 45 auf Rang 2, der LGT Strategy 1 Year von Rang 44 auf Rang 1.
«Das ist kein Zufall», sagt VZ-Fondsspezialist Graf und wagt die Prognose, dass sich an dieser Reihenfolge in den kommenden zwölf Monaten nicht viel ändern wird. «Entwickelt sich die Wirtschaft trotz ihrer Sommerschwäche wie erwartet weiter, wird sich auch der Renditeanstieg bei den Oblis fortsetzen», sagt Graf.
Das bedeutet für Anleger: Obligationenfonds, die auf kurze Laufzeiten und eine tendenziell schwache Schuldnerqualität setzen, werden weiterhin besser abschneiden. Das sind Fonds wie der LGT Strategy 1 Year (CHF) und der geldmarktnahe BO Fund Obligest CHF.
Über einen ganzen Zinszyklus hinweg aber - wenn nach dem Anstieg die Zinsen wieder fallen - schneiden sie schlechter ab als Fonds, die konsequent auf lange Restlaufzeiten setzen. Das belegen Langzeitvergleiche.
Ähnliche Resultate wie die Kurzläufer liefern auch die so genannten High-Yield-Fonds, die auf schlechte Schuldnerqualitäten setzen. Das zeigt ein Vergleich von zwei Schweizerfranken-Oblifonds der Credit Suisse: Der CS Bond Fund Dynamic SFR rentiert in wirtschaftlich ruhigen Zeiten jeweils deutlich besser als der CS Bond Fund (Lux)-SFR B.
In Krisenphasen büsste er aber jeweils ungewöhnlich viel Terrain ein; so geschehen während der Russlandkrise im Herbst 1998, nach dem Platzen der Hightech-Blase im Frühjahr 2000 und nach dem 11. September 2001.
Die Alternative: Oblifonds ohne starre Strategie
Der Grund für die stärkere Konjunkturabhängigkeit des «Dynamic»-Fonds: Im Gegensatz zum traditionellen CS Bond Fund (Lux)-SFR B investiert er vorzugsweise in schlechte Schuldner. Er kauft also vorwiegend Oblis von Firmen, die schlecht finanziert sind oder in einer Krise stecken und gerettet werden müssen. Solche Rettungsaktionen gelingen üblicherweise eher, wenn die Gesamtwirtschaft wächst. Das bedeutet: Das Risiko solcher High-Yield-Fonds macht sich vor allem in Aufschwungphasen bezahlt.
Fazit für Anleger: Wer Fonds mit einer starren Anlagestrategie hält, sollte sie bei einer Zinswende verkaufen und Fonds mit der gegensätzlichen Strategie kaufen. Also bei einem erwarteten Zinsanstieg auf Fonds aus Oblis mit kurzen Restlaufzeiten setzen. Doch den Zeitpunkt der Zinswende zu treffen, ist anspruchsvoll und auch Glückssache.
Als Alternative bieten sich Oblifonds ohne starre Anlagestrategie an. Sie können flexibler auf das Zinsumfeld reagieren. Bei diesen Produkten liegt die Verantwortung für Strategieanpassungen beim Fondsmanagement.
Von den getesteten Fonds haben nur zwei Produkte in beiden Testphasen gute Resultate erzielt: Der Swissca Obligationen CHF und der JB Multibond-Swiss Bond Fund, der die Restlaufzeiten im Frühling von fünf auf drei Jahre reduzierte. Damit haben sie sich das Prädikat «Testsieger» verdient.
Oblis bis zum Ende halten?
Sollten Kleinanleger Oblis bis zur Fälligkeit halten oder auf veränderte Marktsituationen reagieren? Ihre Meinung interessiert uns.
Bitte schreiben Sie an: Redaktion K-Geld - Wolfbachstrasse 15 - 8024 Zürich
redaktion@kgeld.ch
Bei steigenden Zinsen empfehlen sich kurze Laufzeiten
Oblikurse verhalten sich umgekehrt wie Marktzinsen. Das bestimmt das Handeln der Anleger.
Oblis sind befristete Schuldscheine. Am Ende der Laufzeit muss der Schuldner dem Käufer (Gläubiger) die geschuldete Summe (Nennwert der Obligation) zurückzahlen. Bis dahin erhalten die Gläubiger vom Schuldner jährlich den vereinbarten Zins (Coupon) ausbezahlt.
Die Eckpunkte der Obligation sind in ihrem Namen enthalten. Ein Beispiel: Die Obligation 4.25 Clariant 00/ 08 hat der Chemiekonzern Clariant im Jahr 2000 aufgelegt. Sie wirft einen Jahreszins von 4,25 Prozent ab. 2008 wird sie zurückbezahlt.
Die Rendite einer Obligation setzt sich aus drei Elementen zusammen:
- Die für die Obligation bezahlten Zinsen - der Coupon.
- Der Ertrag auf diesen - reinvestierten - Zinsen. Das heisst der Zinseszins.
- Der Kapitalgewinn oder -verlust, also die Differenz von Kaufs- und Verkaufspreis der Obligation.
Der Kurs oder Preis einer Obligation ändert sich laufend. Er hängt vor allem von zwei Faktoren ab: von der Entwicklung der Marktzinsen sowie von der Kreditwürdigkeit des Schuldners.
Der Kurs einer Obligation sinkt normalerweise bei steigenden Marktzinsen und umgekehrt. Wird eine Obligation bis zur Fälligkeit behalten, spielt dies keine Rolle. Wer jedoch vor Fälligkeit verkaufen will oder muss, muss bei gestiegenen Marktzinsen einen Kapitalverlust in Kauf nehmen.
Oblis mit langer Laufzeit reagieren stärker auf Zinsveränderungen als Kurzläufer. Ein Beispiel: Steigt der Marktzins um 1 auf 5 Prozent, sinkt die Nachfrage nach der alten Obligation mit einem Coupon von 4 Prozent - ihr Kurs fällt. Denn für die neu herausgegebene Obligation erhält man ohne Zusatzrisiko 1 Prozent mehr Zins.
Je länger die Restlaufzeit der Obligation bis zur Fälligkeit dauert, desto grösser sind die Folgen einer Zinsveränderung auf die Rendite.
01. September 2004 | Martin Metterli
