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Artikel | K-Tipp 13/2004

Wo Sie zu scharfen Fotos kommen

Welches Fotolabor vergrössert die Ferienbilder am schönsten? Migros und zwei Fachgeschäfte fielen in der Stichprobe durch.

Die Ferienfilme sind entwickelt, die Standardabzüge gemacht. Jetzt heissts, die schönsten Bilder auszusuchen und Vergrösserungen zu bestellen. Doch welches Fotolabor holt am meisten aus den Negativen heraus?

Der K-Tipp hat eine Stichprobe bei 17 Geschäften durchgeführt. Berücksichtigt wurden der Fotoversandhandel, aber auch Fachgeschäfte und Grossverteiler. 14 Experten benoteten die fünf Motive (siehe «So prüften Fachleute die Bilder»).

Bei der Schärfe leisteten die meisten Labors gute Arbeit. Nur eine «genügende» Qualität lieferte hier das Kodak-Labor, das auch die Aufträge für Eschenmoser erledigt. Ebenso Cewe Color, das deutsche Grosslabor, bei dem Migros die Fotofilme verarbeiten lässt.

Ungenügend schnitten in diesem Punkt zwei Fachgeschäfte ab: Photovision in Bern und Stutz Foto Center in Basel. «Erstaunlich, dass solche Vergrösserungen durch die Schlusskontrolle kommen», meinten einige der Prüfpersonen zur Arbeit des Basler Fachgeschäfts.


Farbwiedergabe oft unbefriedigend

Der Filialleiter Martin Portmann macht «einen Defekt an der automatischen Schärfeeinstellung des Farbvergrösserungsapparats» für die unscharfen Bilder verantwortlich. Dass derart schlechte Vergrösserungen dann auch noch über den Ladentisch gingen, schreibt er «der Unachtsamkeit in einer hektischen Woche» zu.

Je besser der Kontrast, desto feiner ist die Abstufung zwischen hell und dunkel. Einzig das Migros-Labor Cewe Color war in diesem Teilkriterium ungenügend.

Mehr Mühe hatten die Labors mit der Farbwiedergabe. Diese hat allerdings auch etwas mit persönlichen Vorlieben zu tun. Einer mag lieber warme Farben (rot, gelb), ein anderer bevorzugt die kalten Blautöne. Zudem erscheinen die Farbtöne je nach Licht unterschiedlich. Hier setzen die Labors an. Sie monieren, das Licht im Prüfraum sei zu warm gewesen. Entsprechend hätten die Vergrösserungen tendenziell einen Rotstich gehabt. Eine korrekte Beurteilung aber sei nur bei Tageslicht möglich. «Konsumenten betrachten Fotos zu Hause aber nicht nur bei Tageslicht», sagt dagegen Experte Hansruedi Morgenegg. Ausserdem dürfe man die Lichtverhältnisse nicht überbewerten.

Mechanische Beschädigungen, Staub oder Wasserflecken entdeckten die Experten auf den Fotos kaum. Kein Wunder, werden doch die Negative vor dem Belichten automatisch gereinigt.

Beim Gesamteindruck berücksichtigten die Experten unter anderem, ob das Bild angeschnitten ist. Die Note wird aber auch negativ beeinflusst, wenn ein Foto unscharf ist oder die Farben nicht stimmen.


«Ungenügend» für das Migros-Labor

Nicht nur, aber auch wegen des ungenügenden Gesamteindrucks ist das Migros-Labor Cewe insgesamt durchgefallen. Bei Cewe seien in letzter Zeit keine Kundenreklamationen eingegangen, teilt Migros mit. «Daraus schliessen wir, dass unsere Kunden mit der Qualität zufrieden sind», sagt Sprecherin Monika Weibel. Trotzdem will Migros dafür sorgen, dass die «Einstellungen der Labormaschinen verbessert werden».

Nicht in die Bewertung eingeflossen sind der Preis für die Vergrösserungen und die Geschwindigkeit, mit der die Aufträge ausgeführt wurden.

Die Preisunterschiede sind jedoch beträchtlich. Mit Fr. 3.50 pro Foto am günstigsten ist das Versandlabor Fujifilm. Teuerster Anbieter in der Stichprobe ist mit 15 Franken Foto Pro Ganz, Zürich. Geld sparen kann, wer sich im Laden nach dem Labor erkundigt, das die Vergrösserungen herstellt. Fachgeschäfte geben Formate über 20 x 30 cm nämlich oft an ein Grosslabor. Wer dieses direkt beauftragt, zahlt unter Umständen viel weniger.
Alle Aufträge waren innerhalb von einem bis zu sechs Arbeitstagen erledigt. Tendenziell waren die Fachgeschäfte etwas rascher als die Versandlabors. Löbliche Ausnahme: Das Versandlabor Photocolor Kreuzlingen war mit nur einem Arbeitstag gleich schnell wie die schnellsten Fachgeschäfte.



So prüften Fachleute die Ferienbilder

- Der K-Tipp-Fotograf nahm fünf Sujets auf. Bildausschnitt und Lichtverhältnisse waren jeweils identisch. Ebenso das verwendete Filmmaterial (Kodak Professional, Royal Supra 200).
- Die Filme wurden in einem Fachgeschäft entwickelt, und die geprüften Labors erhielten pro Sujet einen Negativstreifen. Je Sujet mussten die Labors eine Vergrösserung im Format 20 x 30 cm herstellen.
- Eine 14-köpfige Jury beurteilte die Vergrösserungen. Kriterien: Schärfe, Kontrast, Farbwiedergabe, mechanische Beschädigungen und Gesamteindruck.

Sie bestand einerseits aus externen Experten:
Heiri Mächler, Ausbildungsverantwortlicher Fotofachangestellte und Fotofinisher, Chefexperte;

Hansruedi Morgenegg, Prüfungsexperte Fotofach;
Urs Tillmanns, Herausgeber der Fachzeitschrift «Fotointern».

Den Rest der Jury stellten die getesteten Labors, die alle zur Beurteilung eingeladen worden waren.

25. August 2004 | Patrick Gut - pgut@ktipp.ch


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