SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | Haus & Garten 3/2004

Auch Grosse stehen auf Spielsachen

Sexspielzeuge sind begehrt und weit verbreitet. Aber kaum einer gibt zu, sie zu besitzen, diese Orgasmushelfer aus PVC.

Sextoys?» Die Umfrage im Bekanntenkreis bringt das erwartete Resultat: «Vibratoren», sagen die einen, «Gummipuppen», kommt den anderen in den Sinn, dann stellt sich Schweigen ein. Das beschränkte Repertoire ist allen Befragten gemeinsam, ebenso das belustigt-verschämte Grinsen, das klar zum Ausdruck bringt: «Ich weiss, worum es geht, aber ich habe das nicht nötig.»

Richtig! Niemand hat «so etwas» nötig - aber das könnte man vom TV-Gerät auch sagen. Zudem ist das Anschaffen von Sexspielzeugen ja ebenfalls freiwillig und die Palette dessen, was darunter zu verstehen ist, ist weit grösser, als viele glauben.

«Zu Sexspielzeugen zählen wir alles, was Freude macht», sagt Jan Brönnimann von Beate Uhse Schweiz. Da gehört die Appetit anregende Unterwäsche genauso dazu wie Massageöle, Rollenspiel-Utensilien wie Fesseln, Fingerlinge zum Streicheln, Penisringe, Liebesschaukeln, erotische Brett-, Karten- und Würfelspiele, Körperfarbe auf Zuckerbasis und natürlich die allseits bekannten Aushängeschilder des Genres - Vibratoren und Dildos in allen Farben, Formen und Grössen sowie aufblasbare «Seemannsbräute».

Aber besser als Worte ist ein Gang in Erotik-Shops, um sich einen Überblick zu verschaffen, oder - wenn mans diskreter wünscht - ein Blick in einschlägige Internetseiten und Kataloge.

Doch das haben sehr viele schon längst getan - sofern man dem Beate-Uhse-Konzern, der wie die anderen Erotikhändler keine Details bekannt gibt, glauben will. Brönnimann: «Laut unseren Kundenzahlen war jeder zweite erwachsene Schweizer bereits einmal in einem Erotik-Shop - und hat auch etwas gekauft.»
Sicher mangelt es dieser Behauptung nicht an einer gewissen Unschärfe. Doch so falsch kann sie auch wieder nicht sein. Schliesslich macht die Sex-Branche weltweit Milliardenumsätze und steigert diese Jahr für Jahr.


Klaus Heer: «Sextoys haben einen anrüchigen Ruf»

Der Schluss liegt also nahe: Sexspielzeuge und die Lust darauf sind weiter verbreitet, als Mann und Frau zugeben wollen. Der Berner Paartherapeut Klaus Heer begründet dies so: «Sextoys haben einen leicht anrüchigen Ruf», sagt er. «Wir möchten aber unbedingt "normal" sein, selbst dann, wenn die "normale" Sexualität längst öde geworden ist.»

Dabei täte ein offener Umgang mit dem Thema durchaus gut. Zumindest unter der häuslichen Bettdecke. «Spielen wirkt, sofern beide das wollen, immer belebend auf die Sexualität», sagt Heer.
Das bestätigt auch Esther Elisabeth Schütz, Leiterin des Instituts für Sexualpädagogik (ISP) in Uster ZH. Doch sie warnt - wie auch Heer - davor, allein in Sextoys das Heil bringende Mittel gegen erschlaffte Erotik zu suchen.

«Solche Spielsachen können ein Paar wieder dazu bringen, über die eigenen Erwartungen zu sprechen», meint Schütz. «Aber Sextoys können auch einschränken, vor allem dann, wenn die sexuelle Erfüllung plötzlich vom Einsatz gewisser Hilfsmittel abhängig gemacht wird.»


Befriedigende Sexualität kann man wiederbeleben

Doch befriedigende Sexualität mit und ohne Spielzeug ist «lern- und vor allem wiederbelebbar», sagt Schütz. Und genau das will das ISP mit seinem schweizweit bis anhin einzigen Angebot an Kursen und Therapien für Paare und Singles bewirken. Ein wichtiger Schritt dazu sei, die Leute dazu zu bringen, Bedürfnisse, Gefühle und den Körper ohne Scheu wiederzuentdecken und Neues zu lernen.

Für Anita Wildermuth, Besitzerin von Femintim, dem ersten Erotik-Shop für Frauen in Rapperswil SG, steht fest, wie das am besten geht - mit Masturbieren, aber mit dem richtigen Sexspielzeug dazu. Aus ihrer Sicht sind es häufig ihre Geschlechtsgenossinnen, denen es diesbezüglich an Erfahrung fehlt. «Das ist schade, denn eine Frau, die ihre Lust und die Möglichkeiten, diese zu befriedigen, kennt, weiss, was sie von ihrem Partner will», erklärt Wildermuth. Deshalb nehme sie sich gern die Zeit, Kundinnen zu beraten und ihnen die Hilfsmittel zu erklären.

Gute Beratung ist wichtig und wer die Scheu überwunden hat, wird sehen: Es lohnt sich. Denn Frauen und Männer unterscheiden sich in der Regel bei der Wahl von Sexspielsachen voneinander. Das bestätigen Wissenschaftler und die Leute von der Erotik-Verkaufsfront. Beispiel: Schenken Männer ihrer Partnerin einen Vibrator, kaufen sie meist einen möglichst grossen und naturgetreu nachgeformten. Frauen hingegen mögen ihn bunt, fantasievoll geformt - und eher klein.



Reden - aber niemals überreden

Richtig eingesetztes Sexspielzeug kann die Stimmung im Bett zum Knistern bringen. Da es dabei aber um den intimsten Bereich des Menschen geht, gilt es, Regeln einzuhalten.

- Die wichtigste Regel: Keiner darf zur Benützung eines Sexspielzeugs gezwungen werden.

- Nur ein offenes Gespräch zwischen Partnern bringt zu Tage, was gemeinsam möglich ist. Die Grenzen eines jeden Beteiligten sind strikte zu respektieren.

Im Internet finden sich nebst den einschlägigen Angeboten auch viele interessante und unterhaltsame Informationen über Sex und das dazugehörende Spielzeug. Hier eine Auswahl:

- www.sexspielzeug-test.de
Frauen, Männer und Paare sprechen auf dieser Site über ihre Erfahrungen mit Sextoys. Darüber hinaus gibt es viele Infos über erotische Spielwaren und deren richtige und gefahrlose Anwendung. Ausserdem finden sich lustige Tipps, wie man sich Sextoys selber basteln kann.

- www.sexualtherapie.ch
Alles über Seminare, Kurse und Therapien, die das Institut für Sexualpädagogik in Uster ZH Frauen, Männern und Paaren anbietet.

- www.theratalk.de
Die Site wird vom Institut für Psychologie der Georg-August-Universität in Göttingen (D) betreut. Es gibt ein Chat-Forum zum Thema Sex und einen Paartest, mit dem sich herausfinden lässt, wie zufrieden beide mit der häuslichen Sexualität sind.

- www.love-contor.de
Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber nicht zu fragen wagten: Das Sexlexikon klärt über fast alles auf.

30. Juni 2004 | Markus Kellenberger


Beitrag als PDF
Auch Grosse stehen auf Spielsachen
Download PDF 36 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Lebenslang draufzahlen Billigst-Staubsauger: Viel Lärm, wenig Leistung Kaffee zum zehnfachen Preis
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten