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Kondome benutzte schon der französische Sonnenkönig - mit mässigem Erfolg: Er hatte 16 Kinder, 10 davon unehelich. Heute gibts sichere Präservative, Qualität und Verwendung regelt eine EU-Norm.
Ballon, Gümmeli, Hüübli, Mänteli, Pfiifelischoner - was liessen sich die Schweizerinnen und Schweizer nicht an scham- und scherzhaften Verniedlichungen einfallen, um das Ding nicht beim Namen nennen zu müssen. Dabei ist das Präservativ oder Kondom seit Jahrtausenden im Gebrauch.
Früher war das Material freilich nicht über jeden Zweifel erhaben. Kondome wurden aus Tierhaut, ölgetränktem Papier oder Leinen gefertigt. Vom französischen Sonnenkönig Louis XIV ist überliefert, dass er seine Präservative nach Mass anfertigen und mit Seide und Satin füttern liess.
«Ein Medizinprodukt» für Konsumenten
Zum Glück bewahrt uns heute die Europäische Norm für Kondome aus Naturkautschuklatex EN ISO 4074 vor derart unsicheren Präservativen. Alle in der Schweiz im Handel befindlichen Kondome müssen den Anforderungen dieser Norm genügen. Dem Anwender sei jedoch geraten, sich nicht erst im Moment höchster Erregung mit EN ISO 4074 zu befassen. Die Lektüre könnte sich als Lustkiller entpuppen.
Die Definition der Normierer: «Ein von Verbrauchern verwendetes Medizinprodukt, das als Mittel zur Empfängnisverhütung und zur Verhinderung sexuell übertragbarer Infektionen dazu vorgesehen ist, während sexueller Handlungen über den Penis gezogen zu bleiben.»
Das hört sich zwar steif an, ist aber durchaus exakt formuliert. Dennoch plagten die Normenhüter offenbar Zweifel. Sie sahen sich zu einer folgenschweren, weil verwirrenden Anmerkung veranlasst: «Falls ein Anwender ein Produkt aus nachvollziehbaren Gründen (aufgrund seiner Form, Verpackung usw.) als Kondom ansehen kann, so gilt es für die Anwendung dieser Norm als Kondom.»
Im Weiteren ordnet EN ISO 4074 an, dass dem Konsumenten wichtige Gebrauchstipps nicht vorenthalten werden. So, «dass es erforderlich ist, das Kondom schon bei der Entnahme aus der Verpackung vorsichtig zu behandeln».
Wir erfahren weiter, «dass unter keinen Umständen eine Schere oder sonstige scharfe Gegenstände zum Öffnen der Packung verwendet werden» dürfen. Ein «nicht sichtbares Loch, das bei normaler oder korrigierter Sehschärfe nicht erkennbar ist», kann nämlich laut Norm erst nach dem Gebrauch entdeckt werden, wenn das Leck «beim Rollen auf Saugpapier nachgewiesen» wird.
Gebrauchsanweisung - auch für die Entsorgung
Weiter empfiehlt das Regelwerk: «Es sollte erwähnt werden, dass das Kondom vor dem ersten Kontakt zwischen dem Penis und dem Körper des Partners über den erigierten Penis zu streifen ist, um bei der Verhinderung von sexuell übertragbaren Infektionen und von Schwangerschaft unterstützend zu wirken.»
Schliesslich lesen wir, «dass es erforderlich ist, den Penis bald nach der Ejakulation zurückzuziehen, wobei das Kondom am Penisansatz festzuhalten ist».
Und auch in Bezug auf gebrauchte Kondome lässt uns EN ISO 4074 nicht im Stich, denn es wird der Hinweis vorgeschrieben, dass «ein Kondom nur einmal zu verwenden ist»
30. Juni 2004 | Bernhard Matuschak
