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Gleich zwei Wissenschaften befassen sich mit dem sexuellen Kapital: Die evolutionäre Entwicklungspsychologie befasst sich mit der Partnerwahl. Und die Attraktivitätsforschung fragt, welche Merkmale anziehend sind.
Evolutionäre Entwicklungspsychologie
Sie analysiert die Stammesgeschichte des Menschen unter dem Aspekt Lebenslaufstrategie: Wie muss ich mich verhalten, damit ich mit dem Nachwuchs Erfolg habe? «Kulturabhängig bevorzugen Männer eher Merkmale wie Attraktivität, Jugend und potenzielle Fruchtbarkeit, Frauen hingegen eher soziale Erfolgsmerkmale wie Ehrgeiz, Fleiss und gute finanzielle Aussichten», stellte der Sexualforscher David Buss 1989 in einer Studie fest, die anhand von 10 000 Personen aller Klassen und jeden Alters aus 37 Kulturen erstellt wurde.
Interessant ist, dass beide Geschlechter Freundlichkeit am höchsten einschätzen. Besonders kinderliebende und fürsorgliche Männer werden als potenzielle Väter und kinderliebende Stiefväter von Frauen bevorzugt.
Männer mit ausschliesslich dominanten Verhaltensmerkmalen haben weniger Chancen als Männer mit dominantem, aber gleichzeitig freundlichem Auftreten. Letztere werden von allen als am attraktivsten eingeschätzt, fassen die Autorinnen Heidi Keller und Athanasios Chasiotis von der Universität Osnabrück (D) die Resultate mehrerer Sexualstudien der 90er-Jahre zusammen.
Die Attraktivitätsforschung
Sie befasst sich mit der Frage, ob es Hinweise an Gesicht und Körper gibt, die auf bessere Gesundheit und damit auf bessere Gene schliessen lassen. Das Forscherteam Deborah Hume und David Montgomerie hat festgestellt.
- Menschen mit symmetrischem Gesicht werden als attraktiver empfunden und so eher für eine sexuelle Beziehung ausgewählt:
- Bei Frauen gelten überzeichnete weibliche und bei Männern reduzierte männliche Merkmale als besonders attraktiv. Ein schönes Männergesicht hat ein breites Kinn und im Vergleich zur Länge des Gesichts ein breites Untergesicht. Ein schönes Frauengesicht hat grosse, weit auseinander liegende Augen mit grossen Pupillen, breite Backenknochen, schmale Wangen, volle Lippen, eine kleine Nase, kleine Nase-Mund- und Mund-Kinn-Abstände und einen schmalen Unterkiefer.
- Bei beiden Geschlechtern spielen ein gerades Profil, Jugendlichkeit und Bekanntheit eine Rolle. Symmetrische sowie Gesichtszüge, die sexuelle Reife signalisieren, gelten als attraktiv. Und: Je symmetrischer eine Person aussieht, umso früher und häufiger hat sie - so ein Studienergebnis - Geschlechtsverkehr.
- Rasierte Männer werden in der Regel positiver bewertet als Bartträger. Sie werden zudem als jünger, attraktiver und mit höherem sozialen Ansehen versehen wahrgenommen.
- In fast allen Kulturkreisen gelten Ohren und Nasen als attraktiv, wenn sie klein sind. Ein schlanker Körper signalisiert nebst Jugendlichkeit auch Gesundheit. Und als schön gilt meist ein durchschnittliches Gesicht.
30. Juni 2004
