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Sie locken mit lustigen Gesichtern, bunten Schokoladelinsen und grellen Farben: Glaces für Kinder. Der Pulstipp hat 12 der beliebtesten Produkte geprüft. Nur 4 davon sind empfehlenswert.
Ein Nachmittag in der Badi ohne Glace? Für Kinder undenkbar. Vor allem bunt und süss müssen die Schleckereien sein. Und das wissen die Hersteller. Deshalb locken sie ihre kleinen Kunden mit Glaces in allen Formen und Farben, mischen Gummibonbons und bunte Schokoladelinsen unter das Eis oder verzieren die Packung mit Comic-figuren. Und das Geschäft mit der eiskalten Verführung läuft gut: Grosse und kleine Schweizerinnen und Schweizer schlecken jedes Jahr insgesamt über 50 Millionen Liter Glace.
Doch nicht alle Produkte eignen sich für Kinder. Viele Glaces sind wahre Kalorienbomben und einige enthalten bedenkliche Farbstoffe. Pulstipp-Ernährungsfachfrau Carine Buhmann hat 12 Glaces auf Inhaltsstoffe und Nährwert geprüft. Ihr Fazit: «Am besten sind einfache Wasserglaces oder spezielle kalorienreduzierte Sorten.»
Vier der getesteten Produkte enthalten zu viele Kalorien: «Nicht empfehlenswert» sind die Schokoladen-Rahmglaces von Migros, Maxibon mini, Pralinato und Magnum Snack Size. Buhmann: «Über 100 Kilokalorien in einem Stängel sind zu viel für ein Kind.» Denn ein Glace diene allein dem Genuss zwischendurch. Pralinato und Magnum schnitten mit 211 Kilokalorien pro Stängel am schlechtesten ab. Das ist ein Siebtel des täglichen Energiebedarfs eines 5-Jährigen.
Kalorienreduzierte Produkte für Kinder, dies cremig mögen
Auch andere Rahmglacesorten waren kalorienreich mit einem Energiewert von rund 60 bis 80 Kilokalorien: Smarties, Milk'is und Hugo. Ernährungsfachfrau Buhmann beurteilte sie deshalb nur mit «bedingt empfehlenswert».
Magnum-Herstellerin Lusso Foods AG wiegelt ab: «Wir sehen Glace als ein Genussmittel und somit gilt auch hier: Alles ist eine Frage der Menge.» Und Nestlé erklärt: «Eine Glace lässt sich durchaus in eine ausgewogene Ernährung einbauen - auch wenn sie keine Frucht ersetzt.» Migros verweist darauf, dass sie «das Problem fettleibige Kinder ernst» nehme. Doch das lasse sich «nicht immer mit den aktuellen Trends» bei der Glace-Entwicklung vereinbaren.
Für Kinder, die cremige Glace einem Wasserglace vorziehen, empfiehlt Buhmann die kalorienreduzierten Produkte: Slimline von Migros oder Lifestyle von Coop. Allerdings enthalten diese Produkte künstliche Süssstoffe wie Aspartam und Acesulfam K - wenn auch nur in kleinen Mengen. Aspartam kann bei empfindlichen Personen Kopfschmerzen und Migräne auslösen. Zudem vermuten Fachleute, dass Süssstoffe die Lust auf Zucker anheizen und Hungergefühle verursachen können.
Für bedenklicher hält Carine Buhmann die Farbstoffe in Glaces. Schlecht schneidet hier vor allem Yupi Sour Glowworms von Migros ab - «nicht empfehlenswert». Buhmann: «Das Problem sind die Gummibonbons, die in der Wasserglace stecken.» Sie sind mit den künstlichen Farbstoffen Chinolingelb (E104), Cochenillerot A (E124) und Patentblau V (E131) gefärbt.
Allergiker und Asthmatiker sollten die Farbstoffe meiden, so Heinz Knieriemen, Autor des Pulstipp-Ratgebers «E-Nummern». Chinolingelb ist in den USA für Lebensmittel verboten, Cochenillerot A in Norwegen und Schweden. Yupi-Herstellerin Migros rechtfertigt sich: «Die verwendeten Farbstoffe sind gesetzlich zugelassen.»
Smarties-Glace: Bedenklicher Farbstoff
Sehr viele Farbstoffe sind auch in Smarties-Glaces enthalten. Buhmann: «Hier sind die Schokoladelinsen das Problem.» Allerdings sind die meisten Smarties mit unbedenklichen Stoffen gefärbt. Einzig bei Brillantblau FCF (E133) ist laut Knieriemen Vorsicht geboten. Allergiker und Asthmatiker sollten ihn meiden. Dies räumt selbst Herstellerin Nestlé ein. Sprecher Philippe Oertlé: «Für Nicht-Allergiker sehen wir bei diesen geringen Mengen kein Problem.»
Es geht aber auch ohne künstliche Zusatzstoffe: In einzelnen Reformhäusern, Quartier- und Spezialitätenläden sowie Bäckereien sind Bio-Glaces erhältlich. Auch Coop hat Bio-Glaces im Angebot. Diese Produkte enthalten keine künstlichen Farbstoffe und Konservierungsmittel und sind weitgehend aus biologischen Rohstoffen hergestellt. Doch ob bio oder nicht - auch hier gilt: Rahmglaces enthalten viel Fett und sind deshalb kalorienreich. Besser sind Wasserglaces, Sorbets oder Joghurteis.
Glace selber herstellen - aus Sirup oder Tee
Glaces kann man auch selber machen. Und das ist gar nicht so kompliziert Wasserglaces lassen sich aus Sirup oder stark aromatisierten Tees - wie etwa Zitronenmelisse oder Grüntee - herstellen. Um Glacestängel zu machen, gibt es spezielle wiederverwendbare Behälter. Bei cremigen Glaces mit Rahm oder Joghurt ist es wichtig, dass man die Masse beim Gefrieren immer wieder gut rührt. So entstehen weniger Eiskristalle und die Glace wird cremiger.
Buchtipps
- Thuri Maag/Armin Zogbaum: «Eiscremes, Sorbets, Parfaits», Fr. 28.-, Fona-Verlag
- Heinz Knieriemen: «E-Nummern». Den Pulstipp-Ratgeber können Sie auf Seite 9 bestellen.
5-Minuten-Beerenglace - Rezept für 4 Personen:
- 400 g gefrorene Beeren, z.B. Erdbeeren oder Himbeeren
- 1 EL Zucker
- 150 g Joghurt nature
- 1 dl Halbrahm
Die Zutaten in den Mixer geben und pürieren. Glace sofort servieren oder nach Bedarf für 1 Stunde ins Gefrierfach stellen.
(100 Gramm enthalten 79 Kilokalorien).
Rezept: Carine Buhmann
30. Juni 2004 | Sonja Marti - smarti@pulstipp.ch
