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Artikel | Gesundheits-Tipp 7+8/2004

"Kamille ist mein Sonnenschutz" - Peter Suter, 77

Als Kind schon lernte er das Wetter lesen. Heute ist es seine Passion. Anhand der Tiere und Pflanzen sagt Peter Suter das Wetter voraus - und läuft dafür täglich Stunden.

Herr Suter, sind Sie wetterfühlig?
Nein. Ich merke höchstens, wenn eine grosse Kälte im Anmarsch ist. Aber ich mag den Föhn zum Beispiel sehr und gehe dann irrsinnig gerne z'Berg. Mit dem Föhn laufe ich besser, als wenn anderer Wind weht. Und die Sicht, die ist fantastisch!
Wurden Sie vom Wetter auch schon überrascht?
Einmal. Ich war mit Kollegen auf dem Monte Rosa unterwegs, als wir in ein Unwetter gerieten. Es war neblig und schneite fürchterlich. Wir sahen unsere Spuren vom Aufstieg nicht mehr und es war schwierig, wieder runterzukommen. Dabei hätte ich merken müssen, dass ein Unwetter auf uns zukommt. Das Zeichen dafür war ganz klar. Das Matterhorn war vorher von Nebelwolken umgeben.
Können Sie denn alle Wetterumstürze voraussagen?
Nein, nicht alle. Aber für jede Veränderung gibt es «dort obe» Zeichen. Mich ärgert deshalb immer, wenn von einem unerwartet schnellen Wetterumsturz die Rede ist. Man spricht ja auch von der Ruhe vor dem Sturm. Aber auf diese Ruhe hört niemand. Im Gegenteil - die Leute bleiben dann noch länger auf dem Gipfel, weils grad so schön ist. Die Leute sollten viel mehr auf die kleinen Zeichen achten und aufs Wetter hören.
Wie halten Sie sich gesund?
Ich wandere sehr viel und helfe ab und zu beim Heuen - und ich nehme noch immer an Märschen teil. Dieses Jahr war ich bereits an zwei 40-Kilometer-Märschen. Da bin ich jedes Mal in sechs Stunden durch. Ich kann mit den Jungen also durchaus noch mithalten! (lacht) Von Fitnesscentern und solchen Sachen halte ich gar nichts. Marschieren ist für mich das einzig Wahre.
Die Gelenke machen Ihnen dabei nicht zu schaffen?
Nein. Die Bewegung tut mir unglaublich gut. Ich habe wirklich Glück, so gesund zu sein. Das hat vielleicht mit der vielen Milch zu tun, die ich trinke. Das soll gut für die Knochen sein und hält gesund. Um fit und munter zu bleiben, ist es aber auch wichtig, dass man normal isst, nicht viel Alkohol trinkt und nicht raucht.
Schwören Sie auf ein spezielles Hausmittel?
Ja, Kamille. Meine Mutter hat uns immer mit Kamille behandelt, wenn wir eine Schramme hatten oder uns sonst verletzten. Heute nehme ich ein fertiges Kamillenextrakt, das benütze ich für alles - sogar als Sonnenschutz.
Sie benützen es als Sonnencreme?
Ja, ich nehme nichts anderes. Ich habe mich nie verbrannt, und Kamille ist allemal billiger als Sonnencreme. Was auf einer Skitour oder Wanderung auch immer dazugehört, ist ein Kältespray. Damit behandle ich Verstauchungen, Prellungen oder einen Krampf. Es kühlt, und nach einer Minute merkt man nichts mehr. Dann hat man Zeit, um abzusteigen oder auf einen guten Weg zu gelangen.
Sind Sie nie verunglückt?
In den Bergen oder auf den Ski hatte ich zum Glück nie einen Unfall. Aber auf dem Töff hat es mich einmal erwischt: Ein Motorrad fuhr mir voll in die Seite, und ich fiel so richtig schlimm. Ich erlitt einen Schädelbruch und bin danach 12 Tage lang nicht mehr aufgewacht. Zum Glück ist alles wieder gut geworden. Nicht einmal Kopfschmerzen habe ich.
Wann begannen Sie, sich für das Wetter zu interessieren?
Ich bin als Kind da hineingewachsen. Meine Eltern waren Bauern und achteten immer auf die Zeichen der Natur. Das war für uns lebensnotwendig. Wenn ich das Vieh gehütet habe, hat mich mein Vater immer gefragt: Was machen die Waldameisen? Wie pfeift der Vogel? Wie rauscht der Bach?
Und, was machen die Waldameisen?
Gut ist, wenn sie arbeiten, also nicht zu viele auf dem Haufen sind. Rennen sie einfach herum, ohne zu arbeiten, ist klar, dass am Nachmittag ein Gewitter kommt. Und pfeifen die Vögel plötzlich in einer anderen Tonlage, dann gibts Regen. Das ist todsicher.
Wie lautet Ihre Prognose für diesen Sommer?
Es wird eine schöne Jahreszeit. Im Vergleich zu letztem Jahr wechselt das Wetter schneller. Es regnet also immer mal wieder. Aber das ist auch gut so.

30. Juni 2004 | Gabriela Braun


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