|
(0) |
Im Waschpulver für Textilien sind Phosphate verboten, in Spülmitteln für Geschirrspüler nicht. Dabei gäbe es umweltschonende Alternativen.
Mit jedem Waschgang des Geschirrspülers geht nicht nur der Schmutz des Geschirrs, sondern auch eine Portion Phosphat in die Kanalisation. Das überrascht: Noch wach sind die Erinnerungen an die Phosphatdiskussionen der 80er-Jahre. Überdüngte Seen und tote Fische bewirkten 1986 ein gesamtschweizerisches Phosphatverbot - aber nur für Textilwaschmittel. Davon ausgeschlossen blieben die ebenso phosphathaltigen Produkte für die Geschirrspülmaschine.
Zahl der Spülmaschinen fast verdoppelt
Weshalb wird die Verwendung von Phosphat nicht generell bei sämtlichen Reinigungsprodukten untersagt? Edwin Müller, Leiter der Sektion Gewässerreinhaltung beim Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft (Buwal): «Man verzichtete damals auf ein Phosphatverbot für Spülmittel, weil im Gegensatz zu den Textilwaschmitteln keine geeigneten Ersatzstoffe zur Verfügung standen und der Anteil an Geschirrspülmaschinen eher gering war.»
Inzwischen hat sich die Situation aber geändert. Noch vor 15 Jahren sei erst jeder dritte Haushalt mit einem Geschirrspüler bestückt gewesen, sagt Rudolf Bolliger vom Fachverband Elektroapparate für Haushalt und Gewerbe Schweiz. Heute steht in jeder zweiten Küche eine maschinelle Küchenhilfe - und entsprechend gross ist der Verbrauch an Pulver für die Maschinen.
Genfersee: Phosphorrückgang stagniert
Dennoch sieht das Buwal keinen Handlungsbedarf. Allen Schweizer Seen gehe es heute sehr viel besser - lokale Probleme gäbe es nur noch im Baldegger- und im Sempachersee. «Im Genfersee würde ein Phosphatverbot in Geschirrspülmitteln den Phosphorgehalt um weniger als ein Prozent senken», schätzt Edwin Müller.
Tatsache ist aber, dass der Phosphorrückgang im Genfersee laut Cipel, der internationalen Kommission zum Schutz des Genfersees, in den letzten Jahren zum Stillstand gekommen ist und jede Senkung willkommen wäre. Aus diesem Grund hat die Kommission das Augenmerk jetzt auf die Geschirrspülmittel gerichtet. Béatrice Merk-Mietta: «Wir wollen die Konsumenten sensibilisieren, phosphatfreie Produkte zu verwenden.»
Die Industrie pocht allerdings nach wie vor darauf, dass auf Phosphat in Spülmitteln nicht verzichtet werden könne. Bernard Cloëtta, Direktor des Schweizerischen Kosmetik- und Waschmittelverbands: «Fast jeder grössere Hersteller hatte ein phosphatfreies Mittel auf dem Markt. Die Produkte wurden aber wieder zurückgezogen, weil sie sich nicht bewährten. Das Geschirr wurde nicht sauber und die Maschinen verkalkten.»
«Phosphate werden verwendet, weil sie sehr günstig sind»
Trotzdem: Einige phosphatfreie Spülmittel halten sich hartnäckig auf dem Schweizer Markt - vor allem Produkte von Held und Ecover. Die Firma Held aus Steffisburg BE behauptet sich seit Jahren mit umweltverträglichen Reinigungsprodukten und ist seit sechs Monaten mit phosphatfreien Spültabs auf dem Markt. Held-Chemiker Christian Zimmermann: «Heute gibt es umweltverträgliche Möglichkeiten, das Phosphat zu ersetzen. Doch viele Unternehmen verwenden Phosphate, weil diese sehr günstig sind.» Auf den Punkt bringt es Walter Giger von der Eidgenössischen Anstalt für Wasserversorgung, Abwasserreinigung und Gewässerschutz: «Wenn man das Phosphat ersetzen müsste, ginge es bestimmt.»
Stimmt. Den Beweis lieferte ein unabhängiger Test der französischen Konsumentenzeitschrift «Que choisir» im November 2002. Ein phosphatfreies Spülmittel belegte den Spitzenplatz. Eigenartig: Das Produkt ist seither vom Markt verschwunden.
09. Juni 2004 | Silvia Baumgartner
