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Eine repräsentative Umfrage von saldo und «Kassensturz» zeigt: Viele Autos sind sehr reparaturanfällig - und jeder dritte Besitzer ist mit seinem Auto unzufrieden.
Zuverlässig wie ein Toyota, schön wie ein Alfa Romeo und ruhig wie ein Volvo - so stellen sich Fahrzeugbesitzer das ideale Auto vor. saldo und «Kassensturz» wollten wissen, wie es um die automobile Befindlichkeit in der Schweiz bestellt ist: In einer repräsentativen Umfrage ermittelte das Meinungsforschungsinstitut IHA-GFK in Hergiswil NW die Zufriedenheit von 1000 Fahrzeughaltern bei 20 Automarken.
Volvo: Bei 5 von 13 Kriterien auf dem ersten Platz
Befragt wurden Personen zwischen 18 und 74 Jahren in der Deutsch- und in der Westschweiz sowie im Tessin - darunter Lenkerinnen und Lenker von Neuwagen wie auch Besitzer von älteren Fahrzeugen. Die beiden Schwerpunkte: «So zufrieden sind die Autofahrer mit ihrem Fahrzeug» (siehe Tabelle rechts) und «So oft mussten die Besitzer mit ihrem Wagen in den letzten 12 Monaten wegen eines Defekts die Garage aufsuchen» (siehe Tabelle S. 18).
Das Resultat dürfte vorab Volvo-Fahrer freuen: Gleich bei 5 von 13 Zufriedenheitskriterien belegt der schwedische Autobauer den ersten Platz (siehe Kasten). Doch auch Toyota braucht sich nicht zu verstecken: Käufer dieser japanischen Marke schätzen primär die hohe Zuverlässigkeit und sind sehr glücklich mit ihren Fahrzeugen. Diese Aussage können Besitzer von Opel, Fiat und Ford nur bedingt unterschreiben: Im Gesamturteil der Lenker kommen die drei Marken am schlechtesten weg.
Ford-Sprecher Erwin W. Thomann will dieses Ergebnis nicht gelten lassen. «Aufwändige Kundenbefragungen» in ganz Europa zeigten ein anderes Bild. Über 70 Prozent der Ford-Lenker seien mit ihrem Fahrzeug «in allen Punkten vollkommen zufrieden». Differenzierter betrachtet Opel seine Modellpalette - doch für das schlechte Abschneiden macht Pressesprecher Nicolas Berberat gegenüber saldo vor allem die älteren Fahrzeuge verantwortlich: Das Unternehmen habe Mitte der 90er-Jahre einen Qualitätsstandard gehabt, «der für Opel ungewohnt war».
Gespart wird vor allem beim Einkauf von Zulieferteilen
Mitsubishi-Direktor Albert Keller will das unterdurchschnittliche Abschneiden gar nicht erst schönreden. «Wir können uns das Ergebnis nicht erklären, denn wir wollen zu den Besten gehören.» Allerdings: Der Untergang der Erb-Gruppe und der damit verbundene «temporäre Verlust von vielen grossen Händlerstützpunkten hat unsere Kundschaft möglicherweise verunsichert».
Fiat macht das magere Resultat gleich zur Chefsache von Generaldirektor Peter Weis, und dieser braucht Zeit für eine vertiefte Analyse. Die Presseabteilung sah sich bis Redaktionsschluss jedenfalls nicht in der Lage, drei konkrete Fragen von saldo zu beantworten.
Für den ehemaligen TCS-Direktor Peter Riedwyl sind die Ergebnisse alles andere als überraschend. Der unabhängige Experte kritisiert, dass «vor allem europäische Hersteller auf Kosten der Kunden den Rotstift ansetzen». Gespart werde heute vor allem beim Einkauf von Zulieferteilen: «Die japanischen Automobilkonzerne arbeiten hier vorbildlich, denn sie gewichten die Qualität der Teile deutlich höher als den Einkaufspreis - bei vielen europäischen Herstellern ist es leider genau umgekehrt.»
Opel und Fiat am häufigsten in der Garage
Die Folgen für die Autobesitzer sind dramatisch: Nicht weniger als 58 Prozent aller befragten Opel- und Fiat-Fahrer mussten ihren Wagen in den letzten 12 Monaten mindestens einmal in einer Garage reparieren lassen - bei Ford waren es 56 Prozent. Ganz anders die Besitzer von Modellen aus dem asiatischen Raum: Lediglich 30 Prozent der Käufer der koreanischen Marke Hyundai suchten wegen eines Defekts die Garage auf, auf den Plätzen 2 bis 4 folgen mit Toyota (31 Prozent), Honda (32 Prozent) und Mazda (37 Prozent) drei Autokonzerne aus Japan.
Nicolas Berberat von Opel ortet das hauptsächliche Problem erneut bei den Besitzern älterer Modelle: Fahrzeuge mit Kilometerständen von über 100 000 Kilometern würden oft unregelmässig oder nicht in einer Markengarage gewartet - «und das ist der Zuverlässigkeit nicht zuträglich».
Zuverlässigkeit eines Autos ist entscheidend
Ford wirft der Umfrage «eine generelle Oberflächlichkeit» vor. Laut Erwin W. Thomann müssen lediglich gut 5 Prozent aller Ford-Käufer «während der ersten 12 Monate aufgrund unbefriedigender Arbeit zurück zum Händler». Doch ein solcher Wert ist bei Neuwagen erstens nicht überraschend und zweitens wurde danach auch gar nicht gefragt: Die Autobesitzer hatten anzugeben, wie oft in den letzten 12 Monaten eine Reparatur am Wagen nötig war.
Fachmann Riedwyl jedenfalls hält nichts von irgendwelchen Beschönigungen. «Solche Werte sind eine absolute Katastrophe», bilanziert er, «und sie stimmen ziem-lich genau mit der jährlichen TCS-Pannenstatistik überein.» Die Zuverlässigkeit eines Autos sei für den Besitzer ein ganz entscheidender Punkt: «Wenn sein Wagen immer wieder in der Werkstatt steht - wird er sich das nächste Mal für eine andere Marke entscheiden.»
In der Tat: Knapp 49 Prozent der befragten Fiat-Fahrer würden heute nicht mehr das gleiche Modell wählen, unter den Lenkern von Ford sind es rund 41 Prozent und bei Opel-Haltern gut 40 Prozent. Zum Vergleich: Mehr als 82 Prozent der Toyota-Fahrer würden wieder dasselbe Modell kaufen.
Doch auch gewisse europäische Hersteller können auf eine treue Kundschaft zählen: 81 Prozent der Mercedes-Lenker würden sich beim nächsten Kauf wieder ein identisches Modell zulegen, von den Citroën-Besitzern sind es immerhin rund 75 Prozent.
Der Durchschnittswert unter den 20 abgefragten Fahrzeugmarken ist allerdings bedenklich: Jeder dritte Automobilist ist unzufrieden mit seinem aktuellen Modell. «Wobei die Besitzer an diesem Umstand nicht ganz unschuldig sind», sagt Peter Riedwyl, «viele Kunden fällen den Kaufentscheid viel zu rasch - nicht selten aufgrund einer kurzen Probefahrt.» Und weil Schweizer Automobilisten ihren Wagen im Schnitt während fünf Jahren fahren, müssen sie entsprechend lang mit den Nachteilen ihres Fahrzeugs leben.
40 Prozent der Befragten besitzen zwei Autos
Doch ganz verleidet scheint den Konsumenten das Autofahren deswegen nicht zu sein: 47 Prozent aller befragten Personen haben ein Auto im Haushalt, bei 40 Prozent stehen zwei Wagen in der Garage und 13 Prozent besitzen mindestens drei Fahrzeuge. Solche Zahlen stimmen auch die Schweizer Autoimporteure zuversichtlich: Nach dem mageren 2003 rechnen sie für dieses Jahr mit 280 000 Neuzulassungen.
Zwischen Januar und April dieses Jahres verkaufte VW nach einer Erhebung der Importeursvereinigung mit annähernd 10 200 Fahrzeugen am meisten Autos - dahinter folgen Opel und Toyota. Ford belegt in der Verkaufsliste den siebten Platz. Andere Rangfolgen - wie etwa die Ergebnisse dieser Kundenumfrage - lassen die Ford-Verantwortlichen nicht gelten. «Die Publikation einer qualitativen Wertung nach Punkten oder in Form einer Rangliste», so drohen sie «Kassensturz» und saldo, «wäre nicht korrekt und würde von uns angefochten.»
Repräsentativ-Umfrage «So zufrieden sind Automobilisten mit den Garagen» in saldo 11/04.
Toyota-Fahrer sind am glücklichsten
Fünfmal Volvo, dreimal Toyota, zweimal Alfa Romeo sowie je einmal Hyundai, Mercedes und Renault: Bei 13 Kriterien (siehe Tabelle Seite 16) schafften es nur gerade 6 von 20 Automarken aufs Siegerpodest.
- Zufriedenheit allgemein: Die glücklichsten Autobesitzer sind Toyota-Fahrer.
- Verarbeitung: Volvo zeichnet sich durch die beste Verarbeitung aus.
- Zuverlässigkeit: Auf Toyota ist am meisten Verlass.
- Sicherheit: Die sichersten Autos stammen von Volvo.
- Benzinverbrauch: Modelle von Renault sind am sparsamsten.
- Innenraumgeräusche: In einem Volvo fährt sich am ruhigsten.
- Design: Die Fahrzeuge von Alfa Romeo sehen am schönsten aus.
- Preis-Leistung: Beim Verhältnis zwischen Preis und Leistung ist Hyundai Spitze.
- Markensympathie:
Alfa Romeo hat das beste Image.
- Wiederverkaufswert: Mercedes-Occasionen erzielen die höchsten Preise.
- Umweltfreundlichkeit: Toyota baut die saubersten Autos.
- Beschleunigung: Beim Beschleunigungsverhalten hat Volvo die Nase vorn.
- Geräumigkeit: In Volvo-Modellen ist am meisten Platz vorhanden.
26. Mai 2004 | Thomas Roth
