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Fast jeder dritte Jugendliche hat Schulden.
Eltern, die Gegensteuer geben wollen, müssen Geld auch am Familientisch zum Thema machen.
Partys, Mode, Handy: Die 19-jährige Barbara hat ihre Ausgaben nicht im Griff - und fast 4000 Franken Schulden. Oder der 14-jährige Patrick: Jeden Monat gibts «Lämpe» ums Geld. Die neuste Designerjeans, die coolen Schuhe, stets liegt er seiner Mutter mit der Bitte um noch mehr Geld in den Ohren.
Die zwei Beispiele aus der Praxis des Basler Schuldenberaters und Präventionsfachmanns Reno Sami zeigen: Kinder und Jugendliche erliegen schnell dem Kaufreiz und nehmen dafür Schulden in Kauf.
Sami leitet die nationale Kampagne Max.money, die sich speziell an Jugendliche richtet. Er weiss: «Sie kennen nur einen Wert - Besitz.» Eine kürzlich unter 2000 Jugendlichen durchgeführte Befragung hat denn auch ergeben: Für 85,5 Prozent ist «shoppen» Freizeitbeschäftigung Nummer 1.
Was können Eltern der unbändigen Kauflust entgegensetzen? Gibt es Warnsignale, wenn ein Teenager in die Schuldenfalle zu geraten droht? «Das ist altersabhängig», sagt Reno Sami. Wenn Jüngeren das Taschengeld wiederholt ausgeht, ist Vorsicht geboten. Bei älteren Jugendlichen hingegen ist es schwierig, Alarmsignale zu erkennen: «Sie überziehen ihr Konto oder borgen etwas von Kollegen, bevor die Eltern etwas mitbekommen.»
Gemeinsam das Familienbudget erarbeiten
Eltern sind deshalb stark bei der Schuldenprävention gefordert. Da ist vor allem eines wichtig: ein gemeinsam mit den Kindern erstelltes Familienbudget. «Wenn die Söhne und Töchter genau sehen, wie viel Geld in der Familie verdient wird und wie viel jedes Kind pro Monat kostet, dann werden sie für das Thema sensibilisiert», ist Sami überzeugt. Weiter sollen sich Eltern klare Meinungen über Konsum, Geld und Schulden bilden und entsprechend mit ihren Kindern diskutieren.
Eine weitere Möglichkeit: Das Geld und die Ausgaben sichtbar machen. Jugendliche können ihr Taschengeld oder den Lehrlingslohn beispielsweise in verschiedene Büchsen füllen. Eine ist für Anschaffungen, eine für den Ausgang und eine für den Sparbatzen. Ist eine Büchse leer, ist ganz einfach Schluss mit Ausgeben. Ein Überziehen wie beim Bankkonto ist nicht möglich.
Wichtig ist auch, dass Eltern Grenzen setzen. Dem Nachwuchs das Handy zu verbieten, ist kaum mehr möglich. «Aber man kann die Nutzung mit Prepaid-Karten oder einem Abonnement mit Gebührenlimite begrenzen», sagt Sami. Weiter kann eine Kontokarte ohne Überziehungsmöglichkeit die Teenager vor Schulden bewahren. Wenn aber das Taschengeld für die neueste Zimtstern-Jacke nicht reicht, gibt es für Eltern nur eines: Nein sagen!
Damit Jugendliche nicht in die Schuldenfalle tappen
- Budget erstellen: Dadurch gewinnt man Klarheit über die Ausgaben.
- Rückstellungen bilden: Für unerwartete Ausgaben wie den Zahnarzt, für geplante Mehrausgaben wie Ferien oder ein Snowboard sowie für regelmässige Ausgaben wie Steuern.
- Shoppen: Preise vergleichen, wenig Geld mitnehmen. Nicht jeder Markenartikel muss gekauft werden.
- Vorsicht mit Plastikgeld: Karten ohne Überziehungsmöglichkeit verwenden.
- Keine Konsumkredite: Die Zinsen sind hoch, der Gegenwert oft kurzlebig.
- Keine Schulden durch Kredite abzahlen: Wer einen Kredit aufnimmt, um andere Verpflichtungen zu bezahlen, gerät immer tiefer in die Schuldenfalle.
- Hilfe holen: Wenn existenzielle Nöte drohen, kann man sich an Sozialhilfe- und Beratungsstellen wenden.
Links
- www.plusminus.ch: Schuldenberatung Basel mit vielen Infos, auch zur Kampagne Max.money.
- www.budgetberatung.ch: Arbeitsgemeinschaft der schweizerischen Budget-Beratungsstellen, mit Budgetplaner für Lehrlinge und -blättern zum Herunterladen.
26. Mai 2004 | Martin Stutz
