|
(0) |
Die Zinsen steigen, Oblis verlieren an Attraktivität. Jetzt gibt es eine Alternative: Hedge Funds mit geringem Schwankungsrisiko. K-Geld hat die noch junge Fondskategorie erstmals getestet.
Es klingt wie die Quadratur des Kreises: ein Anlageinstrument, das so sicher ist wie Obligationenfonds, aber mehr Rendite abwirft und erst noch immun ist gegen Zinserhöhungen.
Das Wunderding, das sich bei steigenden Zinsen als Alternative für Obligationenanleger anbietet, sind so genannte Dach-Hedgefonds mit tiefem Schwankungsrisiko - der Wert dieser Fonds schwankt also nur wenig. Es handelt sich dabei um die konservativste Kategorie unter den hart beworbenen und heiss diskutierten Hedge Funds.
Im Gegensatz zu herkömmlichen Fonds, die in bestimmte Märkte investieren - also etwa in Aktien oder Obligationen -, nutzen Hedge Funds alle Möglichkeiten, welche die Finanzmärkte bieten. Ziel ist eine jährliche Wertvermehrung, die weitgehend unabhängig ist von den jeweiligen Marktverhältnissen.
Die Dach-Hedgefonds (englisch: Funds of Hedge Funds) tun das aber nicht direkt. Sie wählen aus den weltweit über 7500 Hedge Funds die besten aus und kaufen und verkaufen deren Fondsanteile - ähnlich wie Aktienfonds, die das Fondsvermögen in Einzelaktien anlegen.
Geht aber dieses Konzept, das die Fondsindustrie lauthals anpreist, für die Anlegerinnen und Anleger auch wirklich auf? K-Geld hat zusammen mit dem VZ Vermögenszentrum in Zürich den ersten Test für Dach-Hedgefonds mit tiefem Schwankungsrisiko ausgearbeitet.
Die Test-Sieger:
Die beste Alternative für einen in Schweizer Franken geführten Obligationenfonds ist der Heritage Alternative Fund - Total Return (CHF); der beste Ersatz für Euro- oder US-Dollar-Oblifonds sind der SC Low Volatility Fund EUR beziehungsweise USD.
Minimaltranchen teilweise mehrere tausend Franken
Hinter dem Heritage Fund steht die 1986 gegründete Genfer Heritage Alternative Investments, die über breite Erfahrung mit solchen Anlagen verfügt. Den ersten Dachfonds gründete sie bereits vor 13 Jahren. Der Total Return (CHF), der in 20 bis 25 verschiedene Hedge Funds investiert, will langfristig eine Rendite von 8 bis 12 Prozent pro Jahr erwirtschaften - und das bei einer Volatilität (= Bandbreite der Kursschwankungen) von weniger als 5 Prozent.
Weitere Ziele: Der Monatsverlust soll 5 Prozent nicht übersteigen, und in jeder 12-Monats-Periode soll der Fonds eine positive Performance erzielen.
Der SC Low Volatility Fund, der von der 1998 gegründeten Swiss Capital Group in Zürich verwaltet wird, geht noch weniger Risiken ein. Ziel ist eine langfristige Rendite von 5 bis 9 Prozent pro Jahr bei 2 bis höchstens 4 Prozent Volatilität. Monatsverluste will man wenn möglich verhindern.
In der Euro-Währungsklasse wurde dieses Ziel in den letzten 21 Monaten nur zweimal verfehlt, in der Dollar-Tranche in 28 Monaten viermal. Der höchste Monatsverlust belief sich auf 1,8 Prozent in Euro- und 2,3 Prozent in Dollar-Fonds. Aktuell ist dieser Dachfonds in 42 einzelne Hedge Funds investiert.
Wer einen dieser Fonds kaufen will, muss allerdings mehr als sonst übliche Summen investieren. Beim Heritage Alternative Fund - Total Return (CHF) etwa liegt das Mindestinvestment bei fünf Anteilen (zurzeit rund 5200 Franken).
Beim SC Low Volatility ist die Eintrittshürde noch höher: In der Euro-Tranche ist man erst ab minimal 40 000 Franken, in der Dollar-Tranche ab 32 000 Franken dabei. Und beim Fondskauf zahlt man noch hohe Ausgabeaufschläge von bis zu 5,26 Prozent.
Performance im hohen einstelligen Bereich
Kommt hinzu, dass die Dachfonds zu Recht im Ruf stehen, Gebührenfresser zu sein. Rechnet man die fixen Spesen zusammen, resultieren schnell einmal 3 Prozent Gebühren pro Jahr. Dazu können noch Performance-Gebühren kommen, die in den meisten Fällen ab einer bestimmten Mindestrendite erhoben werden.
Sind das nicht etwas hohe Spesen? «Solche Gebühren sind durchaus üblich», sagt VZ-Fondsexperte Markus Graf, «sie dürfen potenzielle Investoren nicht abschrecken.» Viel günstiger erhalte man solche qualitativ guten Produkte nicht.
Das sind aber noch nicht alle Besonderheiten dieser Fondskategorie. Anders als die meisten traditionellen Fonds sind sie nicht täglich handelbar. Die Kurse aller getesteten Fonds werden nur einmal pro Monat gestellt; nur dann kann man sie kaufen. Rücknahmen sind ebenfalls nur monatlich möglich, zum Teil gar nur quartalsweise.
Fazit: Die vorgestellten Fonds sind in Zeiten steigender Zinsen eine sehr interessante Alternative zu traditionellen Obligationenfonds. Man kann sie auch bei stagnierenden oder sinkenden Zinsen im Portfolio belassen. Es winkt eine Jahresperformance im hohen einstelligen Bereich.
Solche Tief-Volatilitäts-Fonds sollten maximal ein Drittel des Obligationenanteils ausmachen und 15 Prozent des gesamten Portfolios nicht übersteigen. Das macht klar: Diese Fonds taugen nur für Anleger, die bereits über ein grösseres, gut diversifiziertes Portfolio verfügen.
Hedge-Funds-Test: Die Kriterien
Im ersten Hedge-Funds-Test wurden nur jene Angebote berücksichtigt, die so sicher sind wie Oblis.
Nur ein kleiner Teil der 133 zurzeit in der Schweiz zum Vertrieb zugelassenen Hedge Funds können dieser Kategorie zugeordnet werden. Das Testkriterium, punkto Sicherheit herkömmlichen Obligationenfonds das Wasser reichen zu können, erfüllten nur gerade 17 Dach-Hedgefonds.
Weil die meisten dieser Produkte noch sehr jung sind, musste das VZ die sonst üblichen Regeln für das Fondsrating in einem entscheidenden Punkt lockern: Erfasst wurden auch Fonds, die noch keine drei Jahre alt sind und für die Erfahrungswerte fehlen. Deshalb ist ein Vergleich der Performance über die letzten Jahre nicht möglich.
Die vom Vermögenszentrum durchgeführte Qualitätsprüfung sollte eine Frage beantworten: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Fonds seine Ziele erreichen kann? Um das zu bestimmen, wurden die Fondsgesellschaften, ihr Research-System, der Anlageprozess, das Risikomanagement, das Fondsmanagement sowie die Leistung in der Vergangenheit unter die Lupe genommen.
26. Mai 2004 | Martin Metterli
