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Artikel | K-Geld 3/2004

Kundeninfos? Fehlanzeige!

Wer mit einer Lebensversicherung spart, erhält während der Vertragsdauer kaum Informationen. Vor allem bleibt unklar, wie das Prämiengeld verwendet wird und wie hoch die zusätzlichen jährlichen Kosten sind.

Zehntausende Schweizer zahlen Monat für Monat einen bestimmten Betrag in eine Kapital bildende Lebensversicherung ein. Die Verträge laufen oft über Jahrzehnte und sollen die Sparer und ihre Angehörigen vor finanziellen Notlagen bei Tod und allenfalls auch Invalidität bewahren. Gleichzeitig garantieren diese auch Sparversicherung genannten Policen die Auszahlung eines bestimmten Kapitals, wenn der Versicherungsnehmer den Ablauf des Vertrags erlebt.

Kapital bildende Lebensversicherungen sind komplizierte Finanzprodukte. Viele Versicherungsnehmer sind bei Fachchinesisch wie Rückkaufswert oder Überschüsse absolut überfordert. Und sie haben höchstens eine vage Vorstellung, wofür ihr Geld verwendet wird und was sie bei Vertragsende zu erwarten haben.

Transparenz von Seiten der Anbieter wäre also gefragt. Aber weit gefehlt: Kaum eine Sparte beherrsche die Verschleierungstaktik so gut wie die Lebensversicherer, schreibt das deutsche Magazin «Finanztest». Die Konsumentenzeitschrift bezeichnet diese Sparform denn auch als «Sparen im Nebel».
«Finanztest» hat die jährlich verschickten Mitteilungen über den aktuellen Stand der Versicherung geprüft. Kein einziger von 61 Versicherern überzeugte mit offener Kundeninformation. Die Standmitteilung von KarstadtQuelle schnitt mit 12 von 17 möglichen Punkten noch am besten ab.

Auch in der Schweiz sind die jährlichen Standmitteilungen der Sparversicherungen äusserst rudimentär. Dies ergab eine Umfrage von K-Geld bei den zehn wichtigsten Lebensversicherern.


Keine Information über Guthaben beim Rückkauf

Wer zum Beispiel aus dem Vertrag aussteigen möchte, sollte wissen, wie viel Prämien er bis zu diesem Zeitpunkt insgesamt bezahlt hat und wie viel Geld er bei einer vorzeitigen Kündigung erwarten kann. Daraus kann der Kunde seine Einbusse bei Vertragskündigung errechnen. Er erfährt aber zu wenig oder gar nichts darüber, denn:
- Keine der angefragten Gesellschaften sagt dem Kunden, wie viel Prämien er seit Vertragsbeginn insgesamt bezahlt hat.
- Keine Standmitteilung gibt eine verlässliche Auskunft darüber, was der Kunde bei einem Rückkauf konkret ausbezahlt erhielte.

Kein Wunder, verschleiern die Versicherungen diesen so genannten Rückkaufswert: Er entspricht vor allem in den ersten Jahren keineswegs der Höhe der bezahlten Prämien.

Unverständlich sind oft auch die Informationen zum Stand der freiwillig zugeteilten Überschüsse. Sie sind nicht garantiert, sind also unverbindlich und schwanken je nach Geschäftsverlauf.

Auf den Standmitteilungen ist unklar, ob es sich um das Total aller Überschüsse handelt oder nur um den zugewiesenen Betrag für das letzte Jahr - ganz abgesehen davon, dass die Zuteilung der Überschüsse für Versicherungskunden ohnehin in keiner Art und Weise nachvollziehbar ist.

Umso deutlicher nennen die Standmitteilungen das, was die Versicherungen gut aussehen lässt: die Versicherungsleistung und die versicherte Todesfallsumme. Das ist jener hohe Betrag, den die Erben des Sparers erhielten, wenn er vor Vertragsablauf sterben würde.

Diese Versicherungssumme ist - nebst dem Steuerwert für die Steuererklärung - die einzige aussagekräftige Zahl. Allerdings: Wie hoch der Prämienanteil für diesen Versicherungsschutz ist, verrät keiner der zehn angefragten Lebensversicherer in der jährlichen Standmitteilung. Einzelne geben die Zahl auf Nachfrage bekannt. Ebenso unerwähnt bleiben die Kosten für die oft mitversicherte Prämienbefreiung bei Erwerbsunfähigkeit.

Hoch sind auch die Kosten für die Verwaltung und für die in der Schweiz übertrieben hohen Verkaufsprovisionen (Abschlusskosten). Sie werden dem Sparer Jahr für Jahr abgezwackt. Doch auch dieser Betrag bleibt in den jährlichen Standmitteilungen im Dunkeln. Er wird den Kunden höchstens auf Nachfrage mitgeteilt.


Verwaltungs- und Beratungskosten nicht aufgelistet

Dabei sind es gerade diese Beratungs- und Verwaltungskosten, welche die Lebensversicherung zu einem teuren und deshalb meist unrentablen Sparinstrument machen. Dies geht deutlich aus einer Musterofferte hervor, mit der die National künftig operieren will.

Daraus ist ersichtlich: Von der Jahresprämie von Fr. 2000.- gehen bei einer Laufzeit von 20 Jahren insgesamt rund Fr. 4200.- für die Kosten drauf, die Risikoprämie macht rund Fr. 1500.- aus. Effektiv fliessen also von den Prämien in der Höhe von Fr. 40 000.- nur Fr. 34 300.- in den Spartopf.

Es ist zwar positiv zu werten, dass die National wenigstens bei ihren Offerten solche Angaben zu den Kosten macht. Das Beispiel der deutschen KarstadtQuelle zeigt jedoch, dass es durchaus möglich ist, solche Infos auch bei jeder jährlichen Jahresabrechnung zu liefern. Doch davon sind Schweizer Lebensversicherer noch meilenweit entfernt.



Mehr Transparenz für die Kunden

Die Kundeninformation für Versicherte mit Fondspolicen ist etwas besser als jene der klassischen Sparversicherung mit garantiertem Zins.

Fondspolicen sind Sparverträge, bei denen der Sparbatzen nach Abzug der hohen Kosten via Anlagefonds an die Börse geht.

Zwar sind die Kosten auch hier in den Standmitteilungen weder erwähnt noch aufgeschlüsselt. Einzelne Gesellschaften nennen aber wenigstens nicht nur den Steuerwert, der etwa dem Gesamtwert der Fondsanteile entspricht. Sie geben dem Kunden auch Aufschluss über Anzahl und Wert seiner Fondsanteile. Und sie zeigen auf, wie sich die einzelnen Fonds im letzten Jahr entwickelt haben.

So schickt beispielsweise die Basler Versicherung ihren Kundinnen und Kunden mit der Fondspolice ein «Kursblatt» mit Angaben zu den von ihnen gehaltenen Fonds. Darauf ist die Wertentwicklung der jeweiligen Fonds im vergangenen Jahr ersichtlich sowie die Anzahl Anteile, die dem Kunden gehören, plus ihr aktueller Wert.

Helvetia/Patria, National und Zürich nennen immerhin Anzahl und aktuellen Wert der Fondsanteile, die Allianz will dies künftig tun. Swisslife will die detaillierte Übersicht künftig nur noch auf ausdrücklichen Kundenwunsch liefern. Die bisherige Praxis habe zu viel Verwirrung verursacht.

Andere Gesellschaften sagen nichts zu den Fonds. Bezeichnend dafür die La Suisse, die K-Geld schrieb: «Über die Entwicklung seiner Fonds muss sich der Versicherungsnehmer selber informieren, via Internet oder Presse.»

26. Mai 2004 | Ernst Meierhofer


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