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Artikel | K-Tipp 9/2004

12 Anrufe für 365 Franken

Anrufer, die sich beim Wählen einer 0900er- oder 0901er-Nummer vertippen, müssen dafür teuer bezahlen - und oft in die gleichen Kassen.

Eigentlich hatten sie nur den Weckdienst programmieren, Wettbewerbsfragen beantworten oder Staumeldungen abhören wollen. Doch dann verwählten sie sich, tippten beispielsweise 0900 500 400 statt 0900 400 500 ein - und landeten so bei Nummern, die nach wenigen Sekunden mit 20, 30 oder noch mehr Franken zu Buche schlugen.

Seit Monaten berichten Leserinnen und Leser von solch teuren Wählfehlern. Grund genug für den K-Tipp, in einer Stichprobe 12 dieser irrtümlich angewählten Business-Nummern einmal selber auszuprobieren.


Nach 11 Sekunden sind 20 Franken weg

Resultat: Die 12 Anrufe kosteten stolze 365 Franken. Bei 10 Verbindungen wurde nach spätestens 11 Sekunden eine Grundgebühr von mindestens 20 Franken und in der Folge ein Minutentarif von bis zu 6 Franken verrechnet. Die übrigen zwei Anrufe blieben wohl nur deshalb günstig, weil sie weniger als 11 Sekunden dauerten.

Auffallend ist, dass die 12 Anrufe bei nur drei Stellen eingingen: fünfmal beim Kontaktservice «Liveline», der sich per Band als «direkter Draht zum Kennenlernen, diskret und privat» anpreist, viermal beim «internationalen Reiseservice und Reservationsdienst», der (laut Telefonistin) weltweit Hotelzimmer reserviert, und dreimal bei der gleichen Callcenter-Mitarbeiterin.

Das zeigt, dass die Inhaber der 12 Business-Nummern - sieben verschiedene Firmen - ähnliche Interessen verfolgen. Nimmt man die Firmen genauer unter die Lupe, treten denn auch häufig dieselben Namen in Erscheinung.

Zum Beispiel Florian Vollmer und Yvonne Gilomen. Ihr gehört eine der Firmen, nämlich das Treuhandbüro Yvonne Gilomen in Zürich. Bei drei weiteren Unternehmen sitzt Vollmer im Verwaltungsrat: bei den Zürcher Firmen Yellow Access Operating Services AG, Torocom AG und 18 18 18 AG.

Aber auch die übrigen drei Firmen Altricom AG, Acom Business Anstalt und First Early Bird GmbH weisen zumindest indirekte Verbindungen zu Florian Vollmer und Yvonne Gilomen auf:
- Die Altricom AG in Zug ist an der früheren Adresse von Vollmers Torocom AG domiziliert.
- Die Acom Business Anstalt in Schaan FL hat dieselbe Adresse und dasselbe Postfach wie die Yellow Gateway AG und die Pay4Service AG, bei denen Yvonne Gilomen im Verwaltungsrat sitzt.
- Der Geschäftsführer der First Early Bird GmbH ist gleichzeitig Vermarktungschef der Yellow Access AG in Baar ZG, die im Zusammenhang mit teuren Business-Nummern schon mehrmals für Schlagzeilen sorgte und selber tausende solcher Nummern führt. Im Verwaltungsrat der Yellow Access AG sitzt Vollmer; Gilomen gehörte dem Gremium bis Frühling 2002 ebenfalls an.

Dem K-Tipp war Gilomen schon 1995 eine Erwähnung wert, und zwar wegen Beschwerden über ihre damalige Firma Call-Line AG - bei der auch Florian Vollmer mit von der Partie war.

Der K-Tipp konfrontierte Vollmer mit folgendem Vorwurf: Das bei der Stichprobe aufgedeckte Firmengeflecht betreibe weiter über tausend Nummern - ohne ebenso viele Dienstleistungen anzubieten! -, zum Zweck, aus Tippfehlern beim Wählen Kapital zu schlagen. Diesen Vorwurf weist Florian Vollmer zumindest für die von ihm vertretenen Firmen zurück. Die meisten Nummern dieser Firmen hätten schon existiert, bevor in deren Umfeld 0900er- oder 0901er-Nummern anderer Anbieter in Betrieb gegangen seien.

Anders als Florian Vollmer wollte Yvonne Gilomen keine Stellung nehmen. Mehr Elan zeigt sie in geschäftlicher Hinsicht: Über die Pay4Service AG mischt sie auch im Business mit sündhaft teuren Sextelefonen mit, die über normale Nummern mit Vorwahl 01 oder 044 laufen.


K-Tipp rät: Gar nicht erst bezahlen

Dieses Geschäft war zuvor der Telebilling AG vorbehalten (siehe K-Tipp 4/04), bei der Gilomens Bruder Philippe aktiv ist. Die Geschwister sind laut «Handelszeitung» allerdings verkracht; noch Mitte der 90er-Jahre hatten sie gemeinsam agiert.

Übrigens: Ab 1. Juni werden Machenschaften mit teuren Gebühren erschwert. Die revidierte Preisbekanntgabe-Verordnung tritt in Kraft. Sie verschärft unter anderem die Pflicht, zu Beginn einer Verbindung Grundgebühr und Minutentarif anzusagen. Wirklich verbessern dürfte sich die Lage indes nur, wenn parallel dazu die behördlichen Kontrollen endlich intensiver werden.

Ob das Vorgehen der Betreiber solcher Nummern zulässig ist, ist umstritten. Fakt ist: Das Inkasso erfolgt durch die Telefonfirmen. Problem für den Konsumenten: Ist er mit der Rechnung nicht einverstanden, müsste er das Geld bei einer ihm unbekannten Firma zurückholen. Der K-Tipp rät deshalb: Zahlen Sie die umstrittenen Positionen gar nicht erst.

05. Mai 2004 | Gery Schwager - gschwager@ktipp.ch


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