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Tausende von Schweizer Fussball-Fans zittern um ihre Tickets für die EM in Portugal. Doch der Verband geizt mit Informationen.
Gross war die Freude der Schweizer Fussballgemeinde am 11. Oktober 2003: Die Schweiz qualifizierte sich mit dem 2:0 gegen Irland für die Europameisterschaften 2004. Der Siegestaumel war besonders gross, denn bei der EM war die Schweiz bisher nur ein einziges Mal dabei - 1996 in England. Für viele Fussballbegeisterte war sofort klar: Wir gehen im Juni nach Portugal und unterstützen unsere Spieler.
Um sich Tickets zu sichern, meldeten sich viele Fans schon am Tag nach der Qualifikation beim Schweizerischen Fussballverband. Einige buchten bereits Flug und Hotel. Doch auf die Euphorie folgte der Frust: Der Verband liess die Fusballbegeisterten monatelang im Ungewissen, ob sie ein Ticket bekommen.
Hobby-Fussballer André Seiler: «Ich habe mich per E-Mail beschwert und habe nicht einmal eine Antwort bekommen.» Endlich, im Januar verschickte der Verband wenigstens die Antragsformulare. Fans sandten das Bestellformular sofort zurück in der Meinung, wer zuerst kommt, mahlt zuerst.
Der Schock war gross, als in der Zeitung stand: «Riesiger Run auf EM-Tickets. Wegen der grossen Nachfrage werden die Tickets im Losverfahren zugeteilt.» Fans wie Stephan Zimmermann ärgerten sich: «Der Verband hätte das vorher kommunizieren können. Ich hätte dann direkt bei der Uefa bestellt. Jetzt muss ich auf die Verlosung hoffen.» Inzwischen sind bei der Uefa die Billette nämlich ausverkauft.
Fans fühlen sich vom Verband zurückgesetzt
Ebenfalls aus der Zeitung war zu erfahren, dass nur ein kleiner Teil der Tickets für die Fans vorgesehen sei. Ein Drittel gehe an den Travelclub, den offiziellen Reiseveranstalter des Fussballverbandes; viele wollen aber kein Pauschalarrangement. Besonders stossend für die Fans: Die Hälfte aller Tickets soll für Sponsoren und Funktionäre reserviert sein. André Seiler: «Es ist wahrscheinlich wichtiger, dass Funktionäre auf der Haupttribüne sitzen.»
Die Verlosung der Tickets findet nicht statt
Der Fussballverband äusserte sich monatelang nicht. Er bestätigte nichts, dementierte aber auch nichts. Dabei war schon lange bekannt, wie viele Tickets der Verband bekommt. Dafür gibt es bei der Uefa nämlich einen Verteilschlüssel: Jedes Land, das spielt, erhält pro Match 20 Prozent der Tickets. Die Schweiz wird in Coimbra gegen England und Frankreich und in Leira gegen Kroatien spielen. Beide Stadien fassen rund 30 000 Zuschauer. Das ergibt für die Schweiz 6000 Tickets pro Spiel.
Im Kassensturz stellte sich Generalsekretär Peter Gilliéron zum ersten Mal den Vorwürfen der Fans. Er gab zu, dass die Ungewissheit lange dauerte. Zur Verteidigung des Verbands führte er an: «Wir wussten erst Anfang März genau, wie viele Tickets wir bekommen. Vorher konnten wir nicht informieren.» Der Verband habe sich bei der Uefa nämlich um zusätzliche Billette bemüht.
Zumindest eines ist jetzt definitiv: Es findet doch keine Verlosung statt. Ansonsten bleibt Generalsekretär Gilliéron vage: Wer Billette für alle drei Spiele rechtzeitig und korrekt bestellt hat, habe «grösste Chancen, diese zu bekommen». Bei den Einzelbestellungen für den Match gegen England werde es jedoch Absagen geben. Diese Woche will der Verband endlich die Betroffenen direkt informieren.
Bleibt zu hoffen, dass der Schweizerische Fussballverband das Ticketing bis 2008 besser im Griff hat: Dann findet nämlich die EM 2008 in der Schweiz und Österreich statt.
Tipps für den Kauf
Wer noch ein Ticket will, schaut am besten regelmässig in die EM-Homepage der Uefa (www.euro2004.ch) oder des Fussballverbandes (www. football.ch). Es werden immer wieder Tickets zurückgegeben.
Bei anderen Anbietern ist jedoch Vorsicht geboten. Wer sein Ticket auf dem Schwarzmarkt bezieht, riskiert für viel Geld entweder gar kein Billett oder ein gefälschtes zu erhalten.
17. März 2004 | Christine Aschwanden
