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Wer von einem befreundeten Arzt behandelt wird, denkt in der Regel nicht daran, seine Rechnung anzuzweifeln. Und auch einem Architekten - mag die Beziehung zu ihm noch so intim sein - zahlt man sein Honorar, ohne auch nur mit der Wimper zu zucken.
Nicht so bei uns Juristen. Wir sind für unsere Freunde quasi Freiwild. Suchen sie bei uns Rat, ist von Bezahlung keine Rede. Ganz im Gegenteil: Ich bin inzwischen schon froh, wenn ich nicht gleichzeitig angepumpt werde.
Babs und Roli machten diesbezüglich eine Ausnahme: «Wir haben ein riesiges Problem mit der Wärmepumpe», überfiel mich Babs neulich, «wie wärs heute Abend um sieben bei dir?» Und weiter: «Mach dir ja keine Umstände! Wir bringen auch gleich was zum "Habern" mit.»
Sie kamen pünktlich. Roli mit den Akten unter dem Arm - Babs mit einem prall gefüllten Migros-Sack. Was da nicht alles drin war: ein Kopfsalat, Teigwaren, ein Päckli geriebener Parmesan, eine Büchse Tomatensauce und Knoblauch.
Während Roli und ich über den schriftlichen Garantieleistungen für die Wärmepumpe brüteten, wirkte Babs in der Küche, und nach getaner Arbeit liessen wir uns bei einem Glas Roten den feinen Znacht schmecken.
So wäscht eine Hand die andere, dachte ich, als ich gegen Mitternacht noch allein den Abwasch bewältigte. Immerhin hatte mir die Juristerei diesmal ein warmes Essen eingebracht. Genau gesagt: Das Fleisch und der Wein waren von mir.
17. März 2004 | Hans Ruedi Schmid - saldo-Rechtsberater
