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Artikel | K-Tipp 3/2004

Teure Gratis-Autos

Viele Gratis-Busse für Heime, soziale Institutionen oder Vereine sind geleast. Das führt zu Problemen, wenn die Werbefirma die Leasingraten nicht mehr zahlt.

Die Idee ist gut: Eine Werbefirma stellt Vereinen und Institutionen ein Auto gratis zur Verfügung. Um das Gefährt zu finanzieren, sucht sie Gewerbler, die auf dem Auto bezahlte Werbekleber platzieren.

Theoretisch sind alle zufrieden. Das Heim kommt kostenlos zu einem Auto, die Gewerbetreibenden dürfen sich dank ihren Klebern als Sponsoren fühlen und erzielen einen Werbeeffekt, und die Vermittlerfirma verdient an der Differenz zwischen Autokosten und Einnahmen aus dem Verkauf der Werbeflächen.


Kauf oder Verlust von 25 000 Franken

In der Praxis läuft es aber nicht immer rund. Jüngstes Beispiel: die Fehrenbach Mobil & Medien aus Ramsen SH. Firmeninhaber Hans-Peter Fehrenbach hatte die zur Verfügung gestellten Autos zum Teil geleast - und zahlte dann die Leasingraten nicht mehr.

So kam ein Altersheim im Solothurnischen in Schwierigkeiten. Es hatte von Fehrenbach im Oktober 2002 einen VW-Transporter übernommen und selber zusätzlich 25000 Franken investiert, um den Wagen rollstuhlgängig zu machen. Der Vertrag sah eine fünfjährige Laufzeit vor.

Schon im Juli 2003 kam das Aus. Die Amag-Leasing schrieb dem Heim, der Vertrag sei gekündigt; Fehrenbach war mit den Leasingraten in Verzug. Das Heim musste notgedrungen wählen: den Transporter zurückgeben oder ihn kaufen. Angesichts der hohen Umbaukosten blieb nur der Kauf. «Wir fühlen uns hintergangen», sagen die Verantwortlichen.

Hans-Peter Fehrenbach behauptet zwar: «Wir hätten die Leasingraten weiterbezahlt, wenn das Heim das Auto nicht gekauft hätte», doch das ist reine Augenwischerei. Er selber schrieb dem Heim im September 2003, er stecke in wirtschaftlichen Schwierigkeiten, sein Unternehmen sei existenzgefährdet, und deswegen habe das Heim nur zwei Möglichkeiten: Rückgabe oder Kauf.
Fehrenbach sagt, in zwei anderen Fällen habe er die Leasingraten weiterbezahlt.

Auch in Bern ist man sauer auf Fehrenbach. Die Stadtberner Spitex erhielt im März 2003 ebenfalls ein geleastes Auto von Fehrenbach, bekam schon im Juli den gleichen Kündigungsbrief - und musste das Auto sofort zurückgeben, weil ein Kauf nicht in Frage kam.

Resultat: Die Gewerbler, die ihre Werbefläche für vier Jahre vorausbezahlt haben, fühlen sich geprellt, weil nun das Auto mit ihren Klebern nicht mehr in der Stadt herumkurvt.

Sie gehen jetzt gerichtlich gegen Fehrenbach vor. Alfred Bieri von der gleichnamigen Berner Schreinerei beispielsweise fordert von seinen vorausgezahlten 3500 Franken 3000 zurück.

Fehrenbach sagt dazu, einem anderen Betroffenen habe er einen «Rückzahlungsvorschlag zugesichert».


Geschäftspartner sind unzufrieden

Fehrenbach geschäftet derweil munter weiter - hinterlässt aber allerorten unzufriedene Geschäftspartner.

Im August 2003 hatte sein Betreibungsauszug 29 Einträge (auch für nicht gezahlte AHV-Beiträge), der ehemalige Aussendienstmitarbeiter Hans-Rudolf Kurz hat noch Lohnzahlungen offen (was Fehrenbach bestreitet), und sein ehemaliger Mitarbeiter Fritz Zimmermann fügt an: «In meinen Augen ist das ein unseriöser Geschäftsmann.»



Fortuna Sportwerbung: Vor dem Richter abgeblitzt

Ein Gerichtsfall zeigt: Bei den Vermittlern von Gratis-Fahrzeugen für Heime und Vereine geht es nicht immer sauber zu und her.

Im Oktober 1998 berichtete der Kassensturz kritisch über die Firma Fortuna Sportwerbung, weil sich Gewerbetreibende, die Werbung auf den Gratisautos platziert hatten, getäuscht fühlten.

Deswegen kündigte die Ausbildungsstätte «Stiftung Märtplatz» in Rorbas ZH den Vertrag mit der Fortuna. Sie hatte das vertraglich zugesicherte Auto noch nicht erhalten, aber die Fortuna hatte bereits fünf Werbeverträge mit Sponsoren abgeschlossen.

Daraufhin klagte die Fortuna das Heim auf Schadenersatz für entgangenen Gewinn in der Höhe von 17348 Franken ein.

Das Zürcher Obergericht hat die Klage in letzter Instanz abgewiesen. Begründung: Die Werbeverkäufer gaben sich fälschlicherweise als Vertreter der jeweiligen Institution aus, es wurden Verträge nachträglich verfälscht, und es bestand der Verdacht, dass die Werbefirma überrissene Gewinne erzielte. Dieses Geschäftsgebaren hätte den Ruf der Stiftung, die auf den Goodwill der Bevölkerung angewiesen ist, «erheblich geschädigt oder sogar völlig ruiniert».

Fortuna-Chef Beat Jäger betont, die damaligen Mitarbeiter seien nicht mehr bei ihm beschäftigt, solche Fehler könnten heute nicht mehr passieren.

11. Februar 2004 | Ernst Meierhofer - emeierhofer@ktipp.ch


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