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Viele Daten und Diagramme, aber wenig Infos - das bieten die Anfang Jahr versandten Depotauszüge der Schweizer Banken. Nicht einmal zum Ausfüllen der Steuererklärung taugen die Papiere.
Das Titelblatt erinnert an die frühen Tage der elektronischen Datenverarbeitung: Der gesamte Text ist in Grossbuchstaben abgefasst, die Zeilen sind abwechselnd grau und weiss hinterlegt, haufenweise Abkürzungen und Zahlen, Zahlen, Zahlen. Die Depotauszüge der Zuger Kantonalbank kommen ausgesprochen bieder daher.
Nicht besser stehts um den Inhalt. Das Übersichtsblatt «Portfoliostruktur» verdient kaum den Namen: Es verrät lediglich, wie viel das Depot am 31. Dezember wert war. Eine erklärende Analyse des Depots nach Ländern und Anlagen fehlt.
Um diese Mängel weiss auch die Zuger Kantonalbank. Sie wird noch diesen Frühling ein modernes Wertschriftensystem einführen, das eine bessere Depotübersicht ermöglichen soll.
Andere sind längst so weit, allen voran UBS und CS. «Doch mehr als die Momentaufnahme des Depots, wie es sich Ende Jahr präsentierte, bieten auch sie nicht», sagt Markus Graf vom VZ Vermögenszentrum in Zürich.
Auf die wohl brennendste Frage der Anlegerinnen und Anleger geben Depotauszüge keine Antwort: Wie viel haben sie im vergangenen Jahr mit ihrem Depot verdient? Daran hat auch der Umstand nichts geändert, dass einzelne Banken - darunter Migrosbank, Berner Kantonalbank und Raiffeisenbanken - ihre Auszüge etwas aufgepeppt haben.
Abschliessende Antworten erhält man nicht einmal, wenn man die aktuellen Zahlen mit den letztjährigen vergleicht. Denn der Depotausweis liefert auch keine Angaben über Käufe und Verkäufe, Transaktionskosten, Dividendenzahlungen und Depotkosten.
Keine Angaben, wie viel man im Jahr verdient hat
Die Jahresperformance einigermassen zuverlässig berechnen kann man deshalb nur, wenn man die entsprechenden Zahlen selber aus seinen Kontoauszügen heraussucht. Eine mühsame Kleinarbeit (siehe Kasten).
Die meisten Banken geben in ihren Depotauszügen nur an, wie viel man für jeden einzelnen Titel beim Kauf bezahlt hat. Angaben zum Wert des entsprechenden Titels vor Jahresfrist fehlen. Der Anleger hat deshalb keinen Anhaltspunkt, wie viel er mit seinem Depot im letzten Jahr verdient hat.
«Eine jährliche Performance-Messung zeigt nur die kurzfristige Entwicklung der Titel auf. Die Anlagehorizonte der Kundinnen und Kunden betragen in aller Regel aber mehrere Jahre. Der von uns ausgewiesene Vergleich - Einstandskurs zum aktuellen Jahresendkurs - trägt dem Rechnung», rechtfertigt sich zum Beispiel CS-Sprecher Georg Söntgerath.
Die Anleger wissen aber trotzdem nicht, wie viel sie seit dem Kauf tatsächlich verdient oder verloren haben. Denn Performance-Vergleiche aufgrund dieser beiden Daten liefern ebenfalls falsche Resultate. Schüttet zum Beispiel eine Aktie jährlich 2 Prozent Dividende aus, verfälscht das die Erfolgsrechnung nach ein paar Jahren massiv.
Bei einzelnen Banken - so zum Beispiel bei der Zuger Kantonalbank - laufen Performance-Vergleiche aber völlig ins Leere. Denn auf solchen Depotauszügen fehlen selbst die Deviseneinstandskurse.
Ein schwerer Mangel. Schliesslich macht es einen Unterschied, ob man eine US-Aktie zu einem Dollarkurs von Fr. 1.80 oder Fr. 1.30 gekauft hat.
Das alles macht deutlich: Wer per Depotausweis die Performance messen will, gelangt - wenn überhaupt - zu falschen Ergebnissen.
Auszug bringt nur was beim Gegenchecken
Nicht einmal für die Steuererklärung taugt das Papier - höchstens zum Gegenchecken, ob man im Vermögensausweis keinen Depotposten vergessen hat. In ihren Anmerkungen zum Depotauszug schreibt die Credit Suisse dazu: «Das Verzeichnis ist für Steuerzwecke nicht geeignet. Ihr Kundenberater informiert Sie gerne über unsere Steuerverzeichnis-Produkte.» Und die sind - wie könnte es anders sein - kostenpflichtig.
Selbst beim Überwachen des Depots helfen die Jahresauszüge nur bedingt. Denn die detailreichen Analysen und Auflistungen der einzelnen Depotposten täuschen eine Präzision vor, die es nicht gibt. «In diesem Datendschungel drohen verschiedene Fallen, die Laien oft gar nicht erkennen», sagt Markus Graf vom Vermögenszentrum VZ. Dies zeigt eine Analyse von Depotauszügen von UBS, Credit Suisse und der Zuger Kantonalbank.
- Falsche Anlagekategorie
Bei der Zuger KB gibts für Fonds nur eine einzige Kategorie und für Immobilien überhaupt keine. Bei CS-Auszügen nimmt sich die Kategorie «Gemischte Fonds» wie ein Sammelbecken nicht richtig zugeordneter Fonds aus. Schwierigkeiten gibts insbesondere auch bei Wandelobligationen, die je nach Marktlage eher den Charakter von Obligationen oder Aktien annehmen können: Bei der UBS figurieren sie unter «Aktie und ähnliche Anlagen», bei der CS dagegen unter «Obligationen und ähnliche Papiere».
Mögliche Folge: Fehlschlüsse beim Beurteilen des Anlagerisikos.
- Falsche Länderzuordnung
Das Problem ist vor allem für Fondsanleger akut. Luxemburg ist in vielen Depots ein gewichtiges Anlageland. Der Grund: Viele Fonds sind nach luxemburgischem Recht ausgestattet.
Die UBS ordnet Fonds mehrheitlich dem Fondsdomizil zu und nicht - wie von Experten gefordert - den Ländern, in denen die Fondsgelder tatsächlich investiert werden. Bei der CS ist gar kein Konzept erkennbar: Im Depot werden Fonds einmal dem Fondsdomizil, dann wieder dem Anlageland zugeordnet.
Mögliche Folge: Fehlschlüsse bei der Beurteilung des Länderrisikos.
- Unbrauchbare Währungsanalysen
Wenn Fonds gemäss ihrer Referenzwährung zugeteilt werden, sagt das nichts über ihr Währungsrisiko aus. Beispiel US-Fonds: Ob ein US-Aktienfonds rein rechnerisch in Franken oder Euro geführt wird, spielt keine Rolle - entscheidend allein ist, dass er in US-Dollar investiert ist.
Mögliche Folge: Fehlschlüsse bei der Beurteilung des Währungsrisikos.
Fazit: Depotauszüge sind Momentaufnahmen mit beschränkter Aussagekraft. Dass sie mehr sein könnten, beweisen einzelne Privatbanken, die ein sehr viel engeres Verhältnis zu ihrer betuchten Kundschaft pflegen.
Bei Pictet zum Beispiel erhalten Kunden kostenlos Depotauszüge, in denen die Wertpapiere nach individuellen Wünschen ausgewertet sind.
Ein detaillierter Depotauszug kostet nicht viel
Ein kostspieliges Unterfangen? Pictet-Sprecher Simon Roth verneint: «Das verursacht keine grossen Kosten. Alle notwendigen Daten stehen uns ja zur Verfügung, wir müssen sie nur noch herausdestillieren.»
Das geht auch bei der UBS - allerdings nur für Kunden mit Vermögensverwaltungsmandat.
So überwachen Sie Ihr Depot besser
Prüfen Sie den Depotauszug Ihrer Bank Punkt für Punkt. Stimmen alle Angaben? Gibt die Übersicht einen realistischen Überblick in Bezug auf Anlagearten, Länder und Währungen?
Bauen Sie ein eigenes Überwachungssystem samt Kontrollrechnung auf. Dafür legen Sie fest, auf welche Kriterien hin Sie das Depot analysieren wollen (siehe Kasten Seite 11).
Führen Sie Buch über alle Wertschriftentransaktionen - samt Gebühren und Dividenden.
Bewirtschaften Sie Ihr Depot über ein einziges Konto. Das vereinfacht die Übersicht (Spesen, Gebühren).
Das steht in einem informativen Depotauszug
Depotauszüge wären in Verbindung mit der Markteinschätzung die ideale Basis, um strategische Anlageentscheide zu fällen. Dazu müssten sie aber präzise Angaben liefern.
Das heisst: Es braucht exakte Infos zur Depotentwicklung gegenüber dem Einlagewert und über das vergangene Jahr (möglichst vierteljährlich). Nettowertveränderungen sind jeweils in absoluten Zahlen und Prozent angegeben. Die Auswertung des Depots nach Anlagen sowie Ländern und Branchen (bei Aktien) und Währungen (bei Oblis) ermöglicht einen genauen Überblick über die tatsächlich eingegangenen Risiken. Weiter müssen detaillierte Angaben zu den einzelnen Depotposten vorhanden sein: Dazu gehören neben Standardangaben Aussagen zur Rendite jedes einzelnen Postens seit dem Kauf und im letzten Jahr (in Franken und Prozenten) sowie eine Postenliste, die alle Transaktionen des vergangenen Jahres (inkl. Spesen und Gebühren) umfasst.
04. Februar 2004 | Martin Metterli
