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Artikel | K-Tipp 2/2004

Riesige Aufschläge beim gelben Riesen

Die Post ärgert ihre Kunden weiter: Auf der einen Seite baut sie Dienstleistungen ab, auf der anderen erhöht sie die Preise. Und wie.

Erinnern Sie sich noch, wie viel das Porto für einen A-Post-Brief vor 10 Jahren kostete? 80 Rappen waren es. Seit Anfang Jahr nun zahlt man 1 Franken. Aufschlag: 25 Prozent. Im gleichen Zeitraum betrug die allgemeine Teuerung in der Schweiz keine 9 Prozent.

Und das Beispiel der A-Post ist noch harmlos. Es gibt krassere. Zum Beispiel die Expresspost. Fr. 8.80 musste der Postkunde vor 10 Jahren für einen Expressbrief hinblättern. Heute sind es Fr. 19.50. Aufschlag: fast 122 Prozent (siehe Tabelle).


Massive Aufschläge - zum Teil verschleiert

Dabei tut die Post alles, um diese massiven Aufschläge zu verschleiern. So hat sie zum Beispiel die Gewichtslimiten verändert. Inzwischen unterscheidet sie bei A- und B-Post zwischen Briefen bis 100 Gramm und solchen von 101 bis 250 Gramm. Oder sie befördert Expresssendungen unterschiedlich schnell und nennt diese Angebote «Blitz», «Sonne» und «Mond».
Trotzdem können auch die Post-Verantwortlichen nicht bestreiten, dass sie in den letzten Jahren kräftig zugelangt haben. Der von der Post genannte Hauptgrund für die massiven Preiserhöhungen ist für die Konsumenten nur ein schwacher Trost: Zu PTT-Zeiten seien die Preise eigentlich zu tief gewesen. Denn damals wurde der Postbereich vom Telefoniezweig quersubventioniert.

Seit der Aufspaltung in Post und Swisscom ist das nicht mehr der Fall. «Allein der Paketbereich», sagt Mediensprecherin Liselotte Spengler, «wurde zu PTT-Zeiten mit mehreren hundert Millionen Franken jährlich subventioniert.» Da diese Gelder nun weggefallen seien, habe die Post ihre Preise anheben müssen.

Doch der gelbe Riese verärgert seine Kunden nicht nur mit Preiserhöhungen. Gegenwärtig schliesst er hunderte von Poststellen im ganzen Land. Für hunderttausende von Kunden bedeutet das: längere Wege und Wartezeiten. Doch damit nicht genug: Wie Mitte Januar bekannt wurde, will die Post den Zahlungsverkehr in kleineren Poststellen komplett einstellen.


Postshop ganz vorne, Schalter versteckt

Und weiter im konsumentenfeindlichen Takt: Die Post schränkt ihre Öffnungszeiten ein. Sie leert die Briefkästen abends immer früher. Und nicht nur auf dem Land, auch in Städten werden einige an Wochenenden gar nicht mehr geleert. Und weil solche Briefkästen immer weniger benutzt werden, schraubt sie die Post früher oder später ab.

Ärgerlich ist auch die Architektur der so genannten Post-Centers. Beispiel Bern-Bärenplatz: Im Parterre werden Produkte angeboten, welche die Kunden nicht unbedingt bei der Post kaufen würden und müssen - Fonds und Lebensversicherungen beim Eingang im Beratungscenter, Apple-Computer sowie Harry-Potter-Bücher gleich dahinter im Postshop.

Wer Briefmarken kaufen oder Briefe aufgeben will, muss sich durchfragen. Denn die eigentliche Post befindet sich gut versteckt im Keller. Aus Platzgründen, wie es offiziell heisst.

Bereits gibt es in der Schweiz 27 derartige Post-Centers. 25 bis 75 weitere werden in den nächsten Jahren hinzukommen.

28. Januar 2004 | Marco Diener - mdiener@ktipp.ch


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