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Artikel | Gesundheits-Tipp 1/2004

Kaiserschnitt: Mehr Totgeburten

«Bitte einen Kaiserschnitt», sagen Frauen immer häufiger. Doch der Eingriff kann ihre Gebärmutter massiv schädigen. Und bei einer erneuten Schwangerschaft ist der Fötus stärker gefährdet, wie Forscher jetzt belegen.

Kaiserschnitt statt schmerzvolle Geburt - immer mehr Frauen entscheiden sich dafür. In vielen Spitälern hat sich die Zahl der Operationen innerhalb von zehn Jahren verdoppelt. Dies deckte eine Puls-Tipp-Umfrage bereits vor zwei Jahren auf. Doch Frauenärzte warnen vor den Risiken eines Kaiserschnitts - wenn er medizinisch nicht unbedingt nötig ist.

Beate Schnarwyler, leitende Ärztin der Maternité Inselhof des Triemlispitals in Zürich: «Nach einem Kaiserschnitt kommt es häufiger vor, dass sich die Plazenta vorzeitig löst, zu tief einnistet oder zu stark mit der Gebärmuttermuskulatur verwächst.» In einer nächsten Schwangerschaft könne die Gebärmutter deshalb reissen, sagt Schnarwyler. Zudem komme es vermehrt zu Eileiter-Schwangerschaften.


Risiko einer Totgeburt ist doppelt so hoch

Jetzt haben schottische Forscher belegt: Schwangere Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, haben doppelt so viele Totgeburten wie Frauen, die ein Baby spontan geboren hatten. In Zahlen: Von 100 000 Frauen, die einen Kaiserschnitt hatten, verlieren 100 ihr Kind - bei Frauen, die normal geboren hatten, sind es 50. Diese Resultate haben die Forscher im englischen Fachblatt «Lancet» veröffentlicht. Weshalb mehr Babys sterben, wissen die Forscher noch nicht, fordern aber: «Ärzte müssen Frauen über das Risiko aufklären.»
Für Lilian Saemann, Frauenärztin in der Gruppenpraxis Paradies in Binningen BL, steht fest: «Der Kaiserschnitt versprach sichere Geburten und jetzt tauchen plötzlich ganz neue Gefahren auf.» Sie kritisiert: «Gerade bei Steisslagen neigen viele Ärzte dazu, den Kaiserschnitt vorschnell als zwingend darzustellen.» Dies müsse aber nicht sein. «Oft fehlt diesen Ärzten einfach die Erfahrung mit schwierigen Geburten.» Ausserdem habe der technische Fortschritt vieles verändert. Saemann: «Früher ging es häufig um Leben und Tod. Heute ist der Kaiserschnitt Routine. Risiken und Nachteile werden ausgeblendet.»

Saemann ist überzeugt: «Eine natürliche Geburt ist zwar mit Ängsten und Schmerzen verbunden. Doch diese zu überwinden, kann für Mutter und Kind einen grossen persönlichen Gewinn bedeuten.» Auch Schnarwyler sagt: «Angst vor Schmerzen sollte nicht der Grund für einen Kaiserschnitt sein. Diese kommen beim Kaiserschnitt einfach nach der Geburt.»



Das hilft gegen Geburtsschmerzen

- Besprechen Sie rechtzeitig mit Ihrem Arzt oder der Hebamme, wie Sie mit den Geburtsschmerzen umgehen wollen.
- Neben der Periduralanästhesie (PDA) helfen auch Akupunktur und Homöopathie gegen die Schmerzen.
- Besuchen Sie die Schwangerschaftsgymnastik. Viele Probleme haben mit Verspannungen im Becken zu tun.
- Lassen Sie sich regelmässig von Ihrer Hebamme untersuchen.

Kontaktadressen
- Schweiz. Hebammenverband, Flurstr. 26, 3022 Bern. Tel. 031 332 63 40, www.hebamme.ch
- Schweiz. Berufsverband für Geburtsvorbereitung, Neuhofstr. 9, 8315 Lindau. Tel. 052 345 34 14, www.geburt-sbg.ch
- Appella. Informations- und Beratungstelefon: 01 273 06 60.

21. Januar 2004 | Christine Frey - redaktion@pulstipp.ch


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