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Die Schweizer Grossverteiler zeichnen gerne ein Bild von stagnierenden oder gar sinkenden Lebenmittelpreisen. Das mag zwar für die Neunzigerjahre zugetroffen haben, doch seither steigen die Preise. Und wie: Im Mai 2000 änderte das Bundesamt für Statistik die Berechnungsmethode für den Landesindex der Konsumentenpreise. In den seither vergangenen dreieinhalb Jahren beträgt die allgemeine Teuerung 2,8 Prozent, diejenige der Lebensmittel aber 5,6 Prozent - also das Doppelte.
Noch krasser war das Bild in den vergangenen zwölf Monaten. Die Lebensmittelteuerung war viermal so hoch wie die allgemeine Teuerung. Zwar wurden Reis, Mehl, Milch oder Kartoffeln auch in den letzten Jahren immer billiger. Doch dafür langte der Lebensmittelhandel bei Wurstwaren (+11,4 Prozent seit Mai 2000), Süssgetränken (+13,2 Prozent) und Steinobst (+38,8 Prozent) kräftig zu.
Kein Wunder, haben Discounter ennet der Grenze bei preisbewussten Konsumenten leichtes Spiel. In Deutschland liegen die Preise 30 bis 50 Prozent tiefer als in der Schweiz, in Frankreich immerhin 20 bis 40 Prozent (siehe Tabelle). Deshalb spüren die hiesigen Grossverteiler vor allem entlang der Grenze die nahe Konkurrenz stark.
Allerdings vermögen Aldi und Lidl, was die Auswahl angeht, mit den Schweizer Grossverteilern nicht mitzuhalten. Von den meisten Produkten gibts nur eine Sorte.
Die magere Auswahl sowie die Zeit raubende und kostspielige Anfahrt hält heute noch viele Schweizer Konsumenten davon ab, bei Aldi und Lidl einzukaufen. Doch das könnte sich bald ändern. Lidl versucht offenbar, in der Schweiz Fuss zu fassen. Auch wenn der deutsche Riese dazu eisern schweigt: Mit Inseraten suchen die Deutschen in der Schweiz bereits Personal.
Einkaufen in Deutschland
Aldi, Deutschland
Sortiment: Nahrungsmittel, Getränke. Kaum Markenartikel. Produkte sind in aufgestapelten Kartonschachteln.
Auswahl: Sehr klein. Von jedem Produkt - sei es Butter, Teig-waren oder Mineralwasser - nur eine Sorte. Kaum Gemüse und Früchte.
30 bis 50 Prozent billiger als in der Schweiz.
Vorsicht bei Gemüse und Früchten. Wenns nur Tomaten am Zweig hat, sind diese zwar verhältnismässig günstig, aber dennoch wesentlich teurer als anderswo gewöhnliche Tomaten.
Adressen und Öffnungszeiten: www.aldi.de
Anreise: Wegbeschreibungen finden sich ebenfalls unter www. aldi.de.
Lidl, Deutschland
Sortiment: Lidl hat ein dichtes Filialnetz in ganz Deutschland. Preise ähnlich wie bei Aldi, aber grössere Auswahl.
Adressen und Öffnungszeiten: www.lidl.de
Marktkauf, Deutschland
Sortiment: Deutlich teurer als Aldi und Lidl ist Marktkauf, hat aber eine grosse Auswahl an Markenartikeln.
Adressen und Öffnungszeiten: www.marktkauf.de
Einkaufen in Frankreich
Carrefour, Frankreich
Sortiment: Nahrungsmittel, Getränke, Haushaltsgeräte, Kleider, Sportartikel. Viele Markenartikel und Eigenmarken.
Auswahl: Riesige Auswahl, vor allem bei Fleisch, Gemüse, Früchten und Tiefkühlprodukten.
20 bis 40 Prozent billiger als in der Schweiz.
Gewisse Produkte sind in Frankreich teurer als in der Schweiz. So kostet Zucker fast Fr. 2.- pro Kilo.
Adressen und Öffnungszeiten: www.carrefour.fr
Anreise: Wegbeschreibungen finden sich ebenfalls unter www. carrefour.fr.
Intermarché, Frankreich
Intermarché hat zwar kleinere, aber wesentlich mehr Filialen. Die nächste ab Basel in St. Louis. Preise nur geringfügig höher als bei Carrefour, Auswahl aber kleiner.
Adressen und Öffnungszeiten: www.intermarche.fr
Bis 300 Franken zollfrei
Wer im Ausland Lebensmittel einkauft, kann für den privaten Verbrauch grundsätzlich Ware im Wert von bis zu 300 Franken abgabenfrei einführen. Das heisst: Es werden weder Zoll noch Mehrwertsteuer fällig. Der Betrag von 300 Franken gilt aber nicht pro Kopf. Eine vierköpfige Familie darf also nicht für 1200, sondern nur für 300 Franken einkaufen.
Zudem gibt es Ausnahmen von der 300-Franken-Regel: Für Butter und Rahm liegt beispielsweise die Freigrenze bei insgesamt 1 Liter/1 Kilo pro Person und Tag, für Milch, Käse und Milchprodukte bei insgesamt 5 Litern/ 5 Kilo, für die meisten Fleischsorten bei 500 Gramm, für Früchte und Gemüse bei 20 Kilo je Sorte.
Auch wenn keine Schweizer Mehrwertsteuer (MwSt.) fällig wird, kann man die ausländische MwSt. zurückfordern. Das geht so: Verlangen Sie im Laden an der Kasse das entsprechende Formular. Lassen Sie sich an der Grenze vom ausländischen Zoll bestätigen, dass Sie die Ware ausführen. Mit diesem Formular können Sie die Mehrwertsteuer beim nächsten Besuch im selben Geschäft zurückfordern. In Deutschland beträgt die MwSt. auf Lebensmitteln gegenwärtig 7,0 Prozent, in Frankreich 5,5 Prozent (siehe auch Seite 19).
Fabrikläden: Tiefkühlprodukte
Günstige Lebensmittel gibts auch in der Schweiz: zum Beispiel in Fabrikläden. Hier stossen Lebensmittelhersteller falsch verpackte oder überzählige Ware, aber auch Produkte kurz vor dem Verfalldatum ab. 30 bis 50 Prozent Rabatt sind die Regel.
Doch die Hersteller hängen ihr Angebot nicht an die grosse Glocke. Denn die Detailhändler sehen es gar nicht gerne, dass ihre Lieferanten sie mit tiefen Preisen konkurrenzieren.
Frisco-Findus, Rümlang
Sortiment: Tiefkühlprodukte wie Pizza, Glace, Fisch, Fertigmenüs, aber auch Suppen und Bouillon. Ware aus Überproduktion, aber auch Exportware, die aufgrund der Packungstexte nicht in der Schweiz im regulären Handel verkauft werden kann. Ferner Probefabrikationen, darunter etwa über- oder untergewichtige Pizza. Ware, die nahe am Verfalldatum ist.
Auswahl: Hängt davon ab, von welchen Produkten grosse Mengen vorhanden sind.
30 bis 50 Prozent unter dem Ladenpreis.
Auf Waren ohne Mängel nur kleiner Abschlag.
Frisco-Findus-Fabrikladen - Wibachstr. 5 - 8153 Rümlang ZH - Tel. 01 818 77 20
Öffnungszeiten
Mo-Do 14-17.30 Uhr - Fr 9-11.30 Uhr - 14-17.30 Uhr - Sa 9-11.30 Uhr
Anreise: Autobahnausfahrt Zürich-Seebach, dann nach Rümlang, von da Richtung Oberglatt und ins Industriegebiet Riedmatt.
Frisco-Findus-Shops - Saarbaumstr. 1 - 4415 Lausen BL - Tel. 061 923 12 80
Öffnungszeiten
Mo-Do 15-18 Uhr - Fr 9-12 Uhr - 15-18 Uhr - Sa 9-12 Uhr
Blumenfeldstr. 8 - 9400 Rorschach SG - Tel. 071 846 62 40
Öffnungszeiten
Mo-Fr 10-18 Uhr - Sa 9-13 Uhr
Biskuits
Kambly, Trubschachen
Sortiment: Biskuits von Kambly und der Coop-Eigenmarke. Bruchware, aber auch zu helle oder zu dunkle Biskuits. Ferner Ware, die relativ nahe am Verfalldatum ist.
Auswahl: Je nachdem, was gerade produziert worden ist.
40 bis 50 Prozent unter dem Ladenpreis.
Wer ein bestimmtes Produkt möchte, sollte vorher anrufen und sich erkundigen, ob es vorhanden ist.
Kambly - Mühlestr. 4 - 3555 Trubschachen BE - Tel. 034 495 01 11 - www.kambly.ch
Öffnungszeiten
Mo-Fr 8-18.30 Uhr - Sa 8-16.00 Uhr
Anreise: An der Hauptstrasse Bern-Luzern.
Kambly, Lyss - Zeughausstr. 25 - 3250 Lyss BE - Tel. 032 387 70 22 - www.kambly.ch
Öffnungszeiten
Mo 13-18 Uhr - Di, Do, Fr 8-12 Uhr - 13-18 Uhr - Mi 8-18 Uhr - Sa 8-13 Uhr
Ammann, Heimberg
Sortiment: Nur Mohrenköpfe.
Auswahl: Frische Ware, die leicht beschädigt ist.
30 bis 60 Prozent unter dem Ladenpreis.
Im Fabrikladen gibts auch eine Sorte 1. Wahl, die allerdings im Handel nicht erhältlich ist (andere Grösse, einfachere Verpackung).
Chocolat Ammann - Schulgässli 23 - 3627 Heimberg BE - Tel. 033 437 17 61 - www.ammannag.ch
Öffnungszeiten
Mo-Fr 8.00-11.45 Uhr - 13.30-17.15 Uhr
Anreise: Heimberg liegt an der Hauptstrasse Bern-Thun. Die Fabrik befindet sich aus Richtung Bern am Ortseingang rechts in der Gewerbezone Nord.
Milchprodukte
Emmi, Emmen
Sortiment: Kaffeerahm, Joghurt, Quark, Desserts, Käse. Falsch Verpacktes (Schoggi-Joghurt im Erdbeer-Becher), Überproduktion; Ware nahe am Verfalldatum.
Auswahl: Je nachdem, was gerade produziert worden ist.
20 bis 50 Prozent unter dem Ladenpreis.
Kein Rabatt auf Produkte
1. Wahl.
Emmi Hasli - 6032 Emmen LU - Tel. 041 269 22 22 - www.emmi.ch
Öffnungszeiten
Mo 13.30-18.00 Uhr - Di-Fr 8.30-12.15 Uhr - 13.30-18.00 Uhr - Sa 8.00-12.00 Uhr
Anreise: Autobahnausfahrt Emmen-Süd Richtung Hochdorf. Emmi ist am Ortsausgang.
Hirz auf dem Hirzel
Sortiment: Joghurt, Hüttenkäse, Quark, Tiefkühlprodukte, Glaces. Ware, die nicht verkauft werden kann, weil bereits das Nachfolgeprodukt auf dem Markt ist oder weil das Packungsdesign geändert wurde. Aber auch saisonale Produkte und Ware, die nahe am Verfalldatum ist.
Auswahl: Je nachdem, von welchen Produkten gerade zu grosse Mengen vorhanden sind.
30 bis 50 Prozent unter dem Ladenpreis.
Auf 1. Wahl nur ein kleiner Abschlag.
Hirz-Fabrikshop - 8816 Hirzel ZH - Tel. 01 729 12 39
Öffnungszeiten
Mo-Fr 8.00-11.30 Uhr - Di, Do, Fr 14.30-18.00 Uhr - Sa 8.00-11.30 Uhr
Anreise: Autobahnausfahrt Horgen oder Wädenswil nehmen, danach Richtung Zug. Auf dem Hirzel links Richtung Schönenberg/ Einsiedeln abbiegen. 500 Meter später rechts zum Fabrikgebäude, wo der Laden untergebracht ist.
Weitere Anbieter: Adressen, Telefonnummern und Öffnungszeiten von Fabrikläden finden Sie im Internet unter www.fabrikladen. ch und www.fundgrueb.ch.
Getreideprodukte
Zwicky, Müllheim-Wigoltingen
Sortiment: Gesamtes Zwicky-Sortiment mit Fertigmüesli, Haferflocken, Mais, Griess und weiteren Getreidespezialitäten. Aber auch Trockenfrüchte, Nüsse, Honig, Säfte und Sirup.
Auswahl: Nur 1. Wahl.
10 bis 15 Prozent unter dem Ladenpreis.
Nur geringer Abschlag.
Schweizerische Schälmühle
E. Zwicky, Hasli - 8554 Müllheim-Wigoltingen TG - Tel. 052 763 17 44 - www.zwicky.ch
Öffnungszeiten
Mo-Do 8-11.30 Uhr - 14-17.00 Uhr
Fr 8-11.30 Uhr - 14-16.00 Uhr
Anreise: Zwischen Frauenfeld und Kreuzlingen Autobahnausfahrt Müllheim nehmen. Nach etwa 200 Metern rechts und bei nächster Gelegenheit wieder rechts. Die Silos der Firma Zwicky sind nicht zu übersehen.
Suppen, Saucen, Getreidestängel
Haco, Gümligen
Sortiment: Suppen, Saucen, Bouillon, Instantkaffee und -tee, Würzmischungen, Frühstücksgetränke, «Farmer»-Getreidestängel. Viele Grosspackungen für Restaurants, aber auch Migros-Produkte.
Auswahl: Ware, die nicht schön verpackt ist, aber auch Ware in beschädigter Verpackung oder aus Überproduktion.
20 bis 30 Prozent unter dem Ladenpreis.
Das Angebot ist von der aktuellen Produktion abhängig.
Haco - Tannackerstrasse 7 - 3073 Gümligen BE - Tel. 031 950 11 11 - www.haco.ch
Öffnungszeiten
Mo 11.00-14.30 Uhr - Mi 11.00-13.00 Uhr - Do 15.30-17.15 Uhr
Anreise: Gümligen liegt am Ostrand der Stadt Bern. Von Bern auf der Hauptstrasse Richtung Worb/Langnau i. E./Luzern. Gleich neben der Eisenbahnunterführung in Gümligen.
Produkte vom Bauernhof: Nicht immer billiger
Immer mehr Bauern verkaufen ihre Erzeugnisse selber. So verdienen sie mehr, als wenn sie die Grossverteiler beliefern. Für Konsumenten ist das oft eine gute Gelegenheit, günstig zu Lebensmitteln zu kommen. Die Preise sind jedoch oft intransparent. So verkaufen viele Bauern so genannte Mischpakete, in denen vom Filet bis zur Zunge alles enthalten ist. Dies zu einem Mischpreis, den man mit Preisen anderer Anbieter kaum vergleichen kann.
Direktvermarkter sind unter www.bauernmarkt.ch zu finden. Dort ist aufgeführt, welche Bauern einen Hofladen führen, wer wann und wo auf den Markt fährt oder auf welchen Höfen beispielsweise Erdbeeren selber gepflückt werden können. www.rindfleisch.ch listet Fleischproduzenten mit ihren Angeboten auf. Ersichtlich ist auch, welche Bauern den Bio-Richtlinien genügen und welche nach IP-Methoden wirtschaften.
Österreich ist teurer
Die SPEZIAL-Stichprobe mit sieben ausgewählten Produkten zeigt nicht nur, dass Lebensmittel in Deutschland deutlich billiger sind als in der Schweiz; sie zeigt auch, dass es sogar zwischen den EU-Ländern durchaus Unterschiede gibt. So kosten sechs der sieben ausgewählten Produkte in Frankreich mehr als in Deutschland (siehe Tabelle Seite 44).
Sogar die einzelnen Detailhandelsketten kalkulieren in den verschiedenen Ländern unterschiedlich, wie eine Untersuchung der Arbeiterkammer Wien zeigt. So ist Lidl in Österreich um 21,9 Prozent teurer als Lidl in Deutschland. Und Hofer in Österreich (gehört zu Aldi) ist sogar um 25,2 Prozent teurer als Aldi in Deutschland.
Sparen kann man überall
Wer beim Einkauf sparen möchte, braucht deswegen noch lange nicht ins Ausland zu fahren. Sparmöglichkeiten gibt es auch in der Schweiz. Beachten Sie folgende Tipps:
- Machen Sie zu Hause einen Einkaufszettel.
- Kaufen Sie nur ein, was auf dem Einkaufszettel steht. Auch wenn die Süssigkeiten neben der Kasse noch so verführerisch sind.
- Erklären Sie Ihren Kindern, welche Taktik die Grossverteiler mit diesen Süssigkeiten verfolgen.
- Achten Sie auf Aktionen. Gerade bei Coop und Migros lässt sich so einiges sparen.
- Kaufen Sie aber nur Aktionsware, die Sie wirklich brauchen. Sonst geben Sie mehr aus als nötig.
- Gehen Sie nicht hungrig einkaufen. Sonst ist die Gefahr von unnötigen Spontankäufen gross.
- Vergessen Sie nicht, dass reguläre Ware durchaus billiger sein kann als Aktionsware. Bei der Migros zum Beispiel Produkte der Budget-Linie, bei Coop Produkte der Eigenmarke.
- Schauen Sie auch in die unteren Tablare der Regale. Dort sind meistens die billigeren Produkte verstaut. Die teureren werden auf Augenhöhe präsentiert.
- Achten Sie auch auf Grosspackungen. Viele Lebensmittel sind so lange haltbar, dass sie auch in einem Single-Haushalt nicht verderben.
- Schauen Sie samstags, kurz vor Ladenschluss, noch einmal im Laden vorbei. Verderbliche Ware ist häufig stark reduziert. Aber auch da gilt: nichts Unnötiges kaufen!
- Kennen Sie jemanden, der im Besitz einer Einkäufer-Karte für die Prodega ist? Der Kartenbesitzer darf bei jedem Einkauf eine Begleitperson mitnehmen. In der Prodega decken sich Restaurants, Heime, Spitäler und Kantinen mit günstigen Lebensmitteln ein.
- Vergessen Sie auf Auslandreisen nicht, dass Ihr Kühlschrank zu Hause leer sein könnte. Kaufen Sie auf der Heimreise vor der Grenze ein. So müssen Sie daheim nicht mehr einkaufen und haben erst noch gespart.
07. Januar 2004