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Die Preisdifferenz von konventionellem zu Bio-Gemüse ist enorm. Kein Wunder, kauft nur jeder zwanzigste Kunde Bio-Ware.
Die Label-Situation ist beim Gemüse im Vergleich zum Fleisch geradezu übersichtlich: Neben den vier Bio-Labels Knospe, Demeter, M-Bio (Migros) und Bio Natur Plus (Manor) spielt einzig das Gütezeichen IP im Detailhandel noch eine Rolle. Die Blütezeit des IP-Labels (Integrierte Produktion) ist aber längst vorbei. Migros und Coop verzichten heute gänzlich auf das grün-rote Signet.
Ausländische Ware: Bio-Normen der EU sind viel larger
Die Unterschiede zwischen den einzelnen Bio-Labels sind im Inland gering, denn hier müssen sie alle der schweizerischen Bio-Verordnung genügen. Allerdings erkennt der Kunde nur bei der Knospe auf den ersten Blick, ob es sich um ein heimisches Produkt handelt - dafür sorgt der Zusatz «Suisse» unter der Knospe.
Deutlich grösser sind die Unterschiede bei ausländischer Bio-Ware - die in den nächsten Monaten zunehmend das Sortiment von Frischgemüse bestimmt. Denn während Knospe und Demeter die inländischen Vorschriften anwenden, stützen sich Migros und Manor auf die largeren europäischen Normen. «Das bedeutet», so die Label-Expertin Jennifer Zimmermann vom WWF, «dass nicht der gesamte Betrieb biologisch bewirtschaftet sein muss, dass ökologische Ausgleichsflächen nicht Pflicht sind und dass Gewächshäuser beliebig beheizt werden dürfen.»
Besonders die Gewächshausbestimmung ist für den Konsumenten direkt sichtbar: In der Migros kommen Bio-Zucchetti und -Peperoni im Winter manchmal aus holländischen Gewächshäusern, bei Coop immer aus Südeuropa, wo das Gemüse in ungeheizten Plastiktunnels angebaut wird.
Das Geschäft mit Bio-Gemüse wächst bei Coop zwar «immer noch zweistellig», sagt Alfred Leder, Sortimentsverantwortlicher bei Coop - aber auf tiefem Niveau. Nur 10,5 Prozent des grünen Umsatzes kommen aus der Bio-Abteilung, bei der Migros sind es 7 Prozent. Weil Bio-Erzeugnisse im Durchschnitt fast 50 Prozent teurer sind als konventionelles Gemüse, beträgt ihr Anteil an der verkauften Gesamtmenge gerade mal 5 bis 7 Prozent.
«Suisse Qualité» sagt nichts über die Qualität aus
Hoch ist aber die Zahlungsbereitschaft der Kunden. Obwohl in Umfragen die meisten schon bei 10 Prozent Bio-Aufpreis die Schmerzgrenze sehen, kaufen sie grosse Mengen Bio-Rüebli, die 50 Prozent mehr als konventionelle kosten. Bio-Rüebli machen bei Coop über 40 Prozent des Rüebli-Umsatzes aus.
Offen ist, ob bald ein neues Label im Gemüseregal auftaucht. Mit «Suisse Qualité» wollen die Schweizer Bauern mehr Absatz erzielen (saldo 16/03). Das Label ist irreführend, weil es entgegen dem Wortlaut nur etwas über die Herkunft, aber nichts zur Qualität aussagt.
Bio-Gemüse ungespritzt
Bio-Gemüse sollte keine chemischen Spritzmittel enthalten. Diese sind im Bio-Landbau ebenso verboten wie künstliche Dünger. Im Übrigen sind die Bio-Kriterien im In- und Ausland unterschiedlich. Gewächshäuser sind für Bio-Gemüse erlaubt, dürfen aber in der Schweiz nur bis 5 Grad aufgeheizt werden, in der EU unbegrenzt. Flugtransporte werden vermieden, Lastwagentransporte über Tausende von Kilometern gefährden die Auszeichnung mit dem Bio-Label nicht.
Entwirrung im Label-Dschungel
Die Umweltschutzorganisation WWF, der Schweizer Tierschutz STS und die Stiftung für Konsumentenschutz üben in der neuen 64-seitigen Label-Broschüre Kritik an Migros und Coop.
- Das Migros-Dachlabel «Engagement» vereinigt allein im Lebensmittelbereich sechs verschiedene Labels. «Die Gleichmacherei von starken und schwachen Labels unter einem Dach ist nicht sinnvoll», ärgert sich Jennifer Zimmermann vom WWF Schweiz. Mehr als die Hälfte des «Engagement»-Umsatzes bei Lebensmitteln geht auf das Konto der 7-Punkte-Fleisch-Garantie, die nur «eingeschränkt empfehlenswert» sei.
- Beim Naturaplan-Label von Coop bemängelt Zimmermann, dass pflanzliche Naturaplan-Produkte immer bio seien, nicht aber Naturaplan-Eier und -Fleisch. «Das kann die Konsumenten verwirren.»
Die Broschüre «Labels für Lebensmittel» ist beim WWF Schweiz (www.wwf. ch), beim Schweizer Tierschutz STS (www.tierschutz. com) und bei der Stiftung für Konsumentenschutz (www.konsumentenschutz. ch) für 25 Franken erhältlich.
19. November 2003 | Mike Weibel
