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Laseroperationen sind im Trend. Allerdings birgt die Methode auch Risiken.
Weniger bekannt ist eine Alternative: Implantierte Kunstlinsen.
Ohne Ausgleich fühlt sich die 37-jährige Monika Rohrer nicht wohl: «Ich brauche Bewegung, um meinen Kopf zu lüften und leistungsfähig zu sein.» Ihre Kurzsichtigkeit - sie sieht schon auf 15 Zentimeter Distanz nicht mehr scharf - hat ihren Bewegungsdrang nie bremsen können. Sie trug einfach Kontaktlinsen.
Doch seit sich ihre Augen immer wieder entzünden, darf sie keine Linsen mehr tragen. Ein Handicap für die passionierte Sportlerin: «Beim Joggen hüpft die Brille und rutscht zur Nasenspitze, beim Schwimmen sehe ich nichts, und meine lässigen Sonnenbrillen kann ich auch nicht mehr tragen.» Nach einigen Wochen hatte Monika Rohrer genug von der Brille. Sie informierte sich übers Augenlasern und entschied: «Diesen Eingriff will ich auch machen lassen.»
Viele Kurzsichtige sehen im Lasern der Hornhaut die perfekte Lösung, um Brille oder Kontaktlinsen für immer loszuwerden. Der Arzt schleift dabei die Hornhaut mit dem Laser ab. Dadurch haben die Lichtstrahlen ihren Brennpunkt wieder auf der Netzhaut, und der Patient sieht scharf.
Nicht wenige Operierte klagen über Doppelbilder
Die Technik wird oft als unbedenklich angepriesen, hat aber ihre Nachteile. Schliesslich wird die intakte Hornhaut unwiderruflich verändert. Je stärker die Korrektur, desto grösser wird die Abweichung vom optimalen Resultat. Das hat unangenehme Folgen: Bis zu 30 Prozent der vorher stark kurzsichtigen Patienten klagen über Doppelbilder und reagieren nachts sehr empfindlich auf Blendungen. Zudem ist ungewiss, wie sich eine abgeschliffene Hornhaut im Alter auswirkt, zum Beispiel bei erhöhtem Augeninnendruck.
Trotzdem ist Lasern gross im Trend und weit herum bekannt. Augenärzte werben mit Inseraten und Informationsveranstaltungen für diesen ambulanten, chirurgisch einfachen Eingriff. Hinter solchen Aktionen stehen kommerzielle Interessen und ein grosser wirtschaftlicher Druck: Ein Lasergerät kostet zwischen 500 000 und einer Million Franken. Damit sich die teure Anschaffung lohnt, muss der Augenarzt jährlich zwischen 200 und 500 Laserbehandlungen vornehmen. Benutzt ein Augenarzt dieses Gerät allein, muss er also möglichst viele Patienten behandeln. Teilen sich mehrere Ärzte die teure Investition, sinkt der Amortisationsdruck. Dann kann ein Augenarzt auch mal vom Lasern abraten.
In der Innerschweiz teilen sich das Kantonsspital Luzern und die private Augentagesklinik Sursee ein Lasergerät. «Das ist eine einmalige Zusammenarbeit zwischen einem öffentlichen Spital und einer privaten Klinik», betont der Luzerner Chefarzt Isaak Schipper. Die Ärzte in den Augenkliniken Luzern und Sursee können es sich leisten, nur Patienten zu lasern, die für die Behandlung geeignet sind. Wichtigste Kriterien sind: eine genügend dicke Hornhaut, nicht zu grosse Pupillen, eine nicht zu starke Kurzsichtigkeit.
Monika Rohrer wurde von ihrer Augenärztin zu einem Spezialisten für Augenchirurgie überwiesen. Nach der ersten Untersuchung der Augen zerschlug sich Monika Rohrers Hoffnung. Ihre Hornhaut sei zu dünn, lasern zu riskant, teilte ihr der Spezialist mit. Er schlug ihr eine Alternative vor: die Implantation von Kunstlinsen.
Die Kunstlinse kann wieder entfernt werden
Bei diesem technisch schwierigeren Eingriff schiebt der Chirurg durch einen Schnitt oberhalb der Hornhaut eine Kunststofflinse ins Auge und verankert sie an der Iris. Der Vorteil im Vergleich zum Lasern: Das Auge wird nicht verändert, der Eingriff kann in einer zweiten Operation wieder rückgängig gemacht werden. Zudem ist die Sehqualität ab einer starken Korrektur (über minus 5 Dioptrien) besser als beim Lasern.
Monika Rohrer entschloss sich trotz Bedenken für die Implantation der Kunstlinsen. Der Schritt fiel ihr aber nicht leicht: «Meine Augen sind gesund. Sie funktionieren gut mit der Brille, ich könnte sie bis ins hohe Alter wunderbar benutzen.» Aber die Brille schränkte sie so sehr ein, dass sie ihre Bedenken überwand und der bislang weniger gebräuchlichen Korrekturmethode vertraute. Zwar auch nicht ohne Risiko, aber im Vergleich mit der Laserbehandlung wenigstens umkehrbar.
Welche Korrekturmethode ist die richtige?
Der Augenarzt Urs Thomann über den Einsatz von Lasern und möglichen Alternativen.
Puls: Wann soll man lasern, wann sind Kunstlinsen besser?
Urs Thomann: Ein Kriterium ist die Stärke der Korrektur: Bis zu etwa minus 4 Dioptrien sind mit dem Laser sehr gute Resultate möglich. Ab minus 5 Dioptrien rate ich eher zur Implantation von Kunstlinsen, weil die Sehqualität besser wird als mit dem Laser. Jeder Chirurg hat seine eigenen «Faustregeln», manche lasern nur bis minus 3, andere bis minus 7 Dioptrien.
Welche anderen Kriterien müssen berücksichtigt werden?
Grundsätzlich muss das Auge gesund sein. Je dünner die Hornhaut ist, desto eher tendiere ich zur Kunstlinse. Je grösser die Pupille ist, desto geringer soll die Korrektur mit dem Laser sein. Für eine Kunstlinse muss im Auge aber genügend Platz vorhanden sein.
Was kosten die Eingriffe?
Eine Laserbehandlung kostet pro Auge je nach Methode zwischen 2800 und 4400 Franken, eine Linsenimplantation pro Auge zwischen 3800 und 4400 Franken. Nachkontrollen und allfällige Nachbehandlungen sind mit eingeschlossen.
Wie soll man vorgehen, wenn man seine kurzsichtigen Augen operieren lassen möchte?
Am besten lässt man sich vom Augenarzt, vom Optiker oder von Bekannten einen Augenchirurgen empfehlen. Man sollte vorsichtig sein mit dem direkten Gang zum Laserzentrum. Beim Spezialisten lässt man sich untersuchen und ausführlich über die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten informieren. Empfehlenswert ist, sich nicht gleich anschliessend für den Eingriff anzumelden, sondern eine Nacht darüber zu schlafen. Wenn sowohl die Kunstlinsen-Implantation als auch das Lasern möglich sind, soll man die Methode wählen, die einem mehr zusagt.
05. November 2003 | Susanna Beusch
