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Empörung und Wut: Der Beitrag über Kleinverdiener Schär, der 57 000 Franken verlor, hat für heftige Reaktionen gesorgt.
Dieser Fall stinkt zum Himmel», schrieb Benedikt Zwyssig aus Alpnach Dorf OW. Und Olivier Kappeler aus Winterthur ZH doppelte nach: «Haarsträubend, das Ganze.» Eine Flut von E-Mails und Briefen traf auf der Redaktion ein, nachdem Kassensturz die unglaubliche Geschichte von Kleinverdiener Hans Jörg Schär ausgestrahlt hatte.
Die Dreistigkeit der Gauner kannte keine Grenzen
Der Arbeiter aus Ostermundigen BE ist wegen mehrerer Sicherheitslecks bei Bank und Post das Opfer raffinierter Gaunereien geworden.
Die Geschichte begann, als Schär im Frühling 2000 in den Ferien war. Ein Unbekannter bestellte in Schärs Namen telefonisch bei der Berner Kantonalbank BEKB eine EC-Karte. Die Karte samt Abholungsschein für einen eingeschriebenen Brief mit dem Pin-Code stahl er oder ein Komplize aus dem Briefkasten seines Opfers. Es gelang dem Täter, den eingeschriebenen Brief bei der Post abzuholen. Wie er die Ausweiskontrolle der Post umgehen konnte, bleibt ein Rätsel.
Ein Jahr lang geschah nichts, bis Hans Jörg Schär erneut in die Ferien ging: Wieder rief ein Unbekannter bei der BEKB an und erteilte den Auftrag, alle Wertschriften, die Schärs Mutter vor 20 Jahren als Altersvorsorge für ihren Sohn angelegt hatte, zu verkaufen und den Ertrag aufs BEKB-Konto zu überweisen. Die Bank transferierte 45 000 Franken auf das Sparkonto.
Auch die Post tricksten die Gauner nochmals aus: Per Zahlungsauftrag mit gefälschter Unterschrift liessen sie 20 000 Franken auf Schärs Sparkonto bei der BEKB überweisen. Mit der EC-Karte plünderten sie dann das Konto. Hans Jörg Schär, der als Arbeiter bei der Kehrichtabfuhr von Ostermundigen netto knapp über 4000 Franken pro Monat verdient, hatte den grössten Teil seiner Ersparnisse verloren. Doch Bank und Postfinance wimmelten ihren geschockten Kunden ab: Beide wiesen jede Schuld von sich und weigerten sich beharrlich, Schär den Schaden zu ersetzen.
Im Kassensturz-Studio erklärte sich BEKB-Sprecher Hans-Peter Merz dann doch bereit, Hans Jörg Schär 30 000 Franken zurückzuerstatten; die Post hingegen blieb hart: Sie wollte lediglich Schärs nächste Ferien finanzieren. Eine Haltung, die beim Kassensturz-Publikum einen Sturm der Entrüstung auslöste: «Ich bin entsetzt über die Arroganz und Inkompetenz von Postfinance», schrieb Alfred Thurner aus Österreich. Und ein Basler Zuschauer schrieb: «Einen grösseren Imageverlust als mit diesem Fall konnte die schweizerische Post nicht einfahren.» Einige wollen sogar Konsequenzen ziehen wie Daniel Vogel aus Münchenstein BL: «Ich löse mein Konto auf und wechsle zur Kantonalbank.»
Spät aber doch: Auch die Post zeigte Einsehen
Dank Kassensturz und der heftigen Reaktion seiner Zuschauer hatte die Post doch noch ein Einsehen: Eine Woche nach der Ausstrahlung des Beitrags versprach Postfinance, dem Geprellten 27 000 Franken zurückzuerstatten. «Es hat zwar lange gedauert», meinte Opfer Hans Jörg Schär, «aber jetzt bin ich wieder glücklich.»
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22. Oktober 2003 | Peter Basler
