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Artikel | K-Geld 5/2003

"Fonds unserer Bank sind billiger"

Beraten die Banken Kleinanleger unabhängig oder versuchen sie, ihnen stattdessen eigene Fonds zu verkaufen? K-Geld hat bei fünf Geldinstituten eine Stichprobe gemacht.

Unsere Anlageberater behandeln unsere eigenen und die Fonds fremder Anbieter genau gleich.» Dieses Bekenntnis gehe den Sprechern der meisten Schweizer Banken allzu leicht über die Lippen, kritisieren ausländische Fondsgesellschaften.

«Verschiedene Banken handeln noch immer nicht voll nach dem Prinzip der offenen Architektur», sagt etwa Andrew Aeschbach vom holländischen Fondsspezialisten Robeco. «Offene Architektur heisst für sie nur, dass sie auch die Fonds anderer Anbieter im Sortiment führen - aber nicht, dass sie die Fremdfonds genau gleich wie die eigenen behandeln.»

Beraten die Banken Kleinanleger tatsächlich unabhängig oder versuchen sie, ihnen eigene Fonds unterzujubeln? K-Geld prüfte fünf Banken in Zürich: Ein Testkäufer gab vor, für je 20 000 Franken Anteile des Leu-Swiss-Equities-Fonds kaufen zu wollen. Dieser Fonds war der Sieger im letzten K-Geld-Test «Aktienfonds Schweiz» (K-Geld 3/03). Als Bekräftigung legte der Testkäufer jeweils das Heft samt Testtabelle vor.

Das Ergebnis: Kaufen kann man den Leu-Fonds bei allen. Bei vier von fünf Banken allerdings nur, wenn man von seiner Wahl überzeugt ist und sich nicht den entsprechenden Fonds der Bank aufschwatzen lässt.


Raiffeisen: Gute und kompetente Beratung

Es geht aber auch anders. Das bewies Beraterin Silvia Jud von der Raiffeisenbank am Zürcher Limmatquai. Erst studierte sie den Test, dann bestätigte sie, dass der Leu-Fonds qualitativ bestimmt sehr gut sei. Der Kontrollblick ins Internet ergab allerdings: Seit letztem Frühling hatte sich der Kurs unbefriedigend entwickelt.

Die Beraterin wies darauf hin, dass es aber gute Alternativen gebe, so den Swissca Switzerland (Rang vier in der K-Geld-Hitparade) und den UBS 100 Index-Fund Switzerland (Rang sechs). Die anderen im Test besser platzierten Fonds seien zu klein, daher nicht empfehlenswert. Erst zum Schluss folgte der - anscheinend unvermeidliche - Hinweis auf den hauseigenen Raiffeisen-Fonds.

Im Verlauf des Gesprächs empfahl die Beraterin - wie auch jene der Migrosbank - mit dem Kauf zuzuwarten. Die Kurse an der Schweizer Börse seien stark gestiegen, der Markt sei aber unsicher und Rückschläge jederzeit möglich. Ihr Rat: Zu Hause in Ruhe die vier empfehlenswerten Fonds vergleichen.

Die Beratungsgespräche verliefen leider nicht bei allen Banken so. Die Standardantwort bei den vier anderen: «Wir verkaufen Ihnen jeden Fonds. Aber bedenken Sie, für unsere eigenen Fonds zahlen Sie weniger Spesen.»

Kein Thema war dagegen die Qualität. Ob man Fonds A oder B kaufe, mache keinen Unterschied. Ausschlaggebend seien die Spesen. Und - so die Berater - die sprächen für hauseigene Fonds.


Fremdfonds - ein gutes Geschäft für die Banken

Offiziell tönt es anders. Die Banken bekennen sich uneingeschränkt zur offenen Architektur. Die Vorreiterrolle hat die Credit Suisse. Als erste Bank schuf sie 1999 eine offene Plattform mit einer umfangreichen Auswahl an Fonds auch externer Gesellschaften und hat sie seither weiter ausgebaut. Inzwischen macht die CS bei allen Gebühren keine Unterschiede mehr zwischen eigenen und fremden Fonds.

Dies ist nicht ganz uneigennützig. Die Banken lassen sich dafür fürstlich entschädigen, wie Kritiker bemängeln. Die CS habe einfach zuerst entdeckt, dass sich mit Fremdfonds ohne grossen Aufwand risikolos viel Geld verdienen lässt.
Ohne Aufwand, weil bei Fremdfonds kein Kunde ernsthaft eine fundierte Beratung erwartet.

Risikolos, weil bei einem Misserfolg der Kunde für die falsche Wahl und die Fondsgesellschaft für die schlechte Performance verantwortlich gemacht wird.

Und hoch profitabel, weil die Banken neben der Ausgabekommission auch noch Retrozessionen einstreichen. Mit diesen Geldern honoriert die Fondsgesellschaft Banken, die ihren Fonds vertreiben. Diese Kosten zahlen Kunden über die Managementgebühr (siehe S. 16).

Aus all diesen Gründen müssten die Banken Fremdfonds eigentlich zu besseren Konditionen anbieten als die eigenen Fonds.
Auch der Branchenverband der Schweizerischen Fondsgesellschaften SFA bekennt sich zur offenen Architektur. Er fordert in seinen Richtlinien, dass die Banken Inte-ressenkonflikte zwischen Mitarbeitern und Anlegern vermeiden und «insbesondere auf unseriöse Anreizsysteme» fürs Verkaufspersonal verzichten sollen. Was der SFA darunter versteht, ist jedoch nicht genau definiert.

Trotzdem: Halten sich die Banken an die allgemein gehaltenen SFA-Richtlinien? Eine Kurzumfrage bei den drei Grossbanken ergab: Direkte Anreize zum Verkauf bankeigener Fonds kennt keine, alle werden regelmässig vom SFA überprüft und erfüllen dessen Kriterien. Allerdings geben sich die Banken sehr zugeknöpft in Sachen interne Anreizsysteme.

«Die Leistungskomponente im Lohn hängt in keiner Weise davon ab, ob unser Mitarbeiter besonders viele hauseigene oder Fremdfonds verkauft», hiess es bei der UBS. Es gebe keine Weisungen, eigene Produkte Drittfonds vorzuziehen.

Ähnlich tönte es bei der Credit Suisse. «Die Messung der quantitativen Ziele der Kundenberater macht keinen Unterschied zwischen fremden und eigenen Produkten», so Sprecherin Renate Maurer.

«Es existieren keine in das Bonussystem einfliessende Verkaufsziele für ZKB-Anlageprodukte und damit auch keine direkten Anreize zum Verkauf von ZKB-Fonds. Hingegen gibt es Teams oder Filialen, die quantitative Zielvorgaben für die Betreuer definieren», heisst es bei der ZKB-Pressestelle.

Immerhin, der Trend läuft Richtung mehr Offenheit. Das gemeinnützige Mannheimer Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) ist optimistisch: «Es ist zu erwarten, dass der Wettbewerb die Anbieter zunehmend zwingen wird, ihre Vertriebskanäle für die Produkte Dritter zu öffnen. Eine Verbesserung im Ausbildungsstand der Konsumenten könnte diesen Prozess in begrenztem Umfang beschleunigen», heisst es in einer im April veröffentlichten ZEW-Studie. Im Klartext: Steigt der Druck der Konsumenten, müssen alle Banken für Fremdfonds die gleichen Gebühren wie für eigene Fonds einführen.


Berater irrte sich bei Spesen um eine Kommastelle

Den Beteuerungen der Medienstellen zum Trotz empfahl der CS-Berater am Ende doch einen CS-Fonds - mit dem falschen Hinweis auf höhere Gebühren bei Fremdfonds. Zudem ist die Bank Leu seit nunmehr 13 Jahren eine CS-Tochter.

Dick kam es bei der UBS. Der Anlageberater hielt sich nicht lange mit dem Leu-Fonds auf. Den kannte er nicht und wollte ihn auch nicht kennen lernen. Denn so viel sei sicher: Fremdfonds verursachten horrende Spesen. Über ein Prozent Depotgebühr pro Jahr. Da fahre man doch mit einem UBS-Fonds viel besser - dem UBS 100 Index-Fund Switzerland. «Den habe ich selber und bin damit immer gut gefahren», erklärte der Berater.

Trotzdem: Als er am Ende des Gesprächs doch noch die Spesenblätter hervorkramte, waren die Spesenunterschiede plötzlich unbedeutend klein geworden. Er hatte sich um eine Kommastelle geirrt. Im Gegenzug riet er zum Schluss: «Wenn Sie den Leu-Fonds kaufen wollen, gehen Sie besser direkt bei der Bank Leu vorbei. Das ist viel billiger.»

22. Oktober 2003 | Martin Vetterli


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