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Finanzberater der Zuger Firma Investfinanz versuchen, Geldanlagen unters Volk zu bringen. Die Konditionen sind haarsträubend.
Eines Abends ruft ein Herr «Rossi von der Kantonalbank» an. Dass er die Nummer eines saldo-Redaktors wählte, ist purer Zufall. Er könne ein tolles Sparangebot machen, sagt Rossi (Name geändert) - ob er vorbeikommen dürfe?
«Keine Garantie für die Richtigkeit der Angaben»
Er darf, und alsbald sitzt der junge Mann geschniegelt und frisch parfümiert am Stubentisch. Rossi fackelt nicht lange, verliert kein Wort über Anlagerisiken. Er würde den World Star Selection 100 empfehlen, der habe in den letzten sieben Monaten über 13 Prozent Rendite gemacht. Das sei übrigens ein Fondsdepot, das grösstenteils in Aktien investiere, besonders in Asien - «dort beginnt der Boom». Sprichts und zückt den Report vom letzten Juli. Dort ist unter imposanten Grafiken klein gedruckt zu lesen: «Die Investfinanzservice GmbH übernimmt keine Garantie für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben.»
Die Investfinanz, so Rossi, sei ein seriöses Unternehmen in Baar ZG, das die Vermögen der Anleger mehren möchte. Die Firma arbeite mit der Waadtländischen Kantonalbank (BCV) zusammen, wo das Fondsdepot sicher aufgehoben sei. «Die BCV gehört dem Bundesrat», klärt der Finanzberater auf.
Und was kosten die verlockenden Renditen? 5 Prozent Einrichtungsgebühr, dazu jährlich 1,3 Prozent Verwaltungs- und 0,4 Prozent Depotgebühren - plus Mehrwertsteuer, so Rossis erste Offerte. Im zweiten Anlauf reduziert er die Abgaben dann auf 4,5 Prozent. Konkret: Bei einer Geldanlage von 20 000 Franken fliessen mindestens 1240 Franken in die Taschen von Rossi, Investfinanz und BCV. «Das haben Sie schnell wieder drin, im Juni haben wir über 5 Prozent Gewinn gemacht», tröstet der Finanzberater.
«Enorm hohe Gebühren für die Verwaltung»
Also wäre jetzt nur noch der Vermögensverwaltungsauftrag auszufüllen? Leider dürfe er zurzeit nicht selber zeichnen, gesteht Rossi - er habe eine Schulung verpasst, als er in den Ferien gewesen sei. Deshalb müsse er den Vertrag zuerst seinem Chef zur Unterschrift vorlegen.
Als Finanzberater verdient Rossi nichts, solange er keine neuen Kundengelder auftreibt. Der gelernte Heizungsinstallateur, der nach einer Schnellbleiche am Feierabend Finanzanlagen verkauft, ist erst seit zwei Monaten im Geschäft, will aber hauptberuflich einsteigen.
Investfinanz: Kostenvergleich mit falschen Angaben
Nicht nur der junge Makler hat einige grobe Schnitzer gemacht, auch das Produkt der Investfinanz ist zweifelhaft: Im World Star Selection 100 Fondsdepot stehen neben den horrenden Einrichtungskosten «enorm hohe Verwaltungsgebühren an», kritisiert Rolf Biland, Anlagefachmann beim Vermögenszentrum VZ in Zürich. Zusätzlich würden bei den Fonds noch Gebühren anfallen, die der Kunde aber nie zu sehen bekomme, weil sie laufend von seinem Vermögen abgezogen würden.
Die Investfinanz wendet auch unlautere Methoden an, wenn sie Vergleiche anstellt: Erstens ist der Verlauf des Welt-Aktienindexes MSCI in den Unterlagen falsch dargestellt. Zweitens seien die Verkaufsunterlagen des Maklers «völlig unsinnig», sagt Biland, «wenn darin die Wertentwicklung eines Fondsportfolios langfristig zurückgerechnet wird, obwohl das Produkt erst seit einigen Monaten existiert». Und drittens operiert Investfinanz mit gezinkten Karten: In einem Kostenvergleich mit Credit Suisse und UBS weist sie bei den Banken Gebühren aus, die bei ihr auch anfallen - aber versteckt.
Alles in allem bilanziert Biland: «Sehr viel Geld für kaum eine Leistung.» Und wie rechtfertigt die Investfinanz die überhöhten Kosten? Geschäftsführer Tiziano Gobber: «Die Banken verdienen ja auch Geld damit.»
08. Oktober 2003 | Mike Weibel
