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Artikel | K-Tipp 16/2003

Gestopfter Luxus

Stopfleber und Froschschenkel erobern die Regale der Grossverteiler zurück. Nur Coop hat den Verkauf gestoppt.

Als ich bei Carrefour auf Produkte stiess, für die Tiere gequält werden, war ich schockiert», erklärt K-Tipp-Leserin Ursi Wieland aus Hochfelden ZH. «Ich hatte gedacht, das sei verboten.»

Doch damit täuscht sie sich. Die Produktion von Stopfleber ist in der Schweiz zwar tatsächlich verboten, aber der Import ist erlaubt.

Das nützen die Grossverteiler schamlos aus. Mit Ausnahme von Coop: «Wir haben im April beschlossen, die Stopfleber aus unserem Sortiment vollständig zu verbannen. Es kann höchstens sein, dass wir noch Restbestände haben», versichert Coop-Sprecher Jörg Birnstiel.

Denner hingegen verkauft Stopfleber. Denner-Sprecher Lukas Brühwiler begrüsst zwar «alle Anstrengungen von Tierschutz-Organisationen, berechtigte Kritik an der Herstellung von Entenstopfleber anzubringen». Aber Denner wolle sein Sortiment «mit ausgewählten Luxusprodukten abrunden». Und dazu gehöre auch Entenstopfleber.

Auch die Migros will ihren Kunden in der Romandie Produkte wie Froschschenkel und Stopfleber nicht vorenthalten, wie Sprecherin Monika Weibel sagt. 1991 nahm die Migros die Stopfleber zwar aus dem Sortiment, nachdem publik geworden war, mit welch brutalen Methoden die Mäster arbeiteten.
Doch bereits drei Jahre später lag wieder Stopfleber in den Regalen der Westschweizer Filialen. Und inzwischen ist sie auch in Deutschschweizer Migros-Läden zu haben, zum Beispiel in den beiden Basel, in den Kantonen Aargau, Bern, Freiburg und Wallis.

Monika Weibel sieht daran nichts Anstössiges. «Es ist möglich, Enten so zu mästen, dass deren natürliches Verhalten weitgehend berücksichtigt wird», sagt sie.

Darüber kann Peter Schlup von der Fachstelle Wildtiere beim Schweizer Tierschutz (STS) nur den Kopf schütteln: «Es gibt keine schonenden Methoden, um Enten oder Gänse zu stopfen.» Und weiter: «Sie leben unter unsäglichen Bedingungen, das Stopfen ist grausam, die Leber ein hochkrankes Organ.»


Mit «bio» werben, vom Tierquälen profitieren

Schlup stösst sich daran, dass die Grossverteiler einerseits damit werben, dass sie Bio-Landwirtschaft und ethisch hergestellte Produkte unterstützten. «Anderseits führen sie Produkte, die diesen Grundsätzen in keiner Weise standhalten», kritisiert er diese Doppelmoral.

Doch weshalb haben die Behörden gegenüber Stopfleber eine derart widersprüchliche Haltung? «Die Schweiz hat im weltweiten Vergleich einen sehr hohen Tierschutz-Standard», sagt Marcel Falk, Sprecher des Bundesamts für Veterinärwesen.


«Für eine Portion sterben sechs Tiere»

Deshalb gebe es Lebensmittel aus dem Ausland, die den Schweizer Tierschutz-Bestimmungen nicht entsprächen. «Handelssperren gegen solche Produkte», sagt Falk, «sind nach internationalem Recht nicht zulässig.»

Der STS will nun dafür sorgen, dass auch der Import von Tieren und tierischen Produkten verboten wird, deren Haltung oder Herstellung gegen Schweizer Tierschutz-Bestimmungen verstösst. Er hat deshalb im Sommer eine entsprechende Volksinitiative eingereicht.

Die Initiative zielt übrigens nicht nur gegen die Stopfleber, sondern auch gegen Produkte wie Froschschenkel.

Ursprünglich richtete sich die Kritik der Tierschützer gegen den Froschschenkel-Verkauf, weil die Produzenten den lebenden Tieren die Schenkel abschnitten oder ausrissen. Migros-Sprecherin Monika Weibel betont, dass bei ihren Lieferanten die Frösche «auf schmerzlose, schonende Art getötet» würden.
Doch STS-Mann Peter Schlup bleibt hart: «Verwerflich ist, dass nur ein kleiner Teil des Tieres gegessen wird. Für eine Portion von zwölf Schenkeln müssen sechs Tiere ihr Leben lassen.»

Stopfleber und Tierschutz, siehe dazu auch Surftipps Seite 27.

Soll der Verkauf von Stopfleber und Froschschenkeln gestoppt werden ? Diskutieren Sie unter www.ktipp.ch.

01. Oktober 2003 | Marco Diener - mdiener@ktipp.ch


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