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Artikel | K-Tipp 15/2003

Zu viele Erstickungsopfer

Rauchmelder in Häusern und Mietwohnungen könnten manches Leben retten. Doch viele Produkte nerven durch Fehlalarme - und werden wieder abmontiert.

Wenn es in der Wohnung brennt, ist höchste Eile angesagt: Zur Flucht, das zeigen Feuerwehrstatistiken, bleiben den Bewohnern in der Regel höchstens vier Minuten. Danach ist die Wohnung voll mit giftigem Rauch, der nach wenigen Atemzügen zur Ohnmacht führt. Wer dann noch im Haus ist, riskiert sein Leben.

Im letzten Jahr kamen fast 30 Menschen bei Bränden um - und die Flammen vernichteten Gebäude und Inventar im Wert von gegen 300 Millionen Franken. Grund: Viele Brände werden zu spät bemerkt - deshalb ersticken 90 Prozent der Opfer im Schlaf.


Ein Billig-Produkt - wechselnde Namen

«Hätten wir ein Obligatorium für Rauchmelder, gäbe es weniger Opfer», ist Robert Schmidlin vom Schweizer Feuerwehrverband SFV überzeugt. Dass diese Geräte rechtzeitig warnen und Menschen dadurch die Flucht ermöglichen können, belegen Zahlen aus Ländern wie Australien, Grossbritannien, Norwegen und den USA, wo Rauchmelder in Privathäusern vorgeschrieben sind. Die Zahl der Todesopfer sank dort um bis zu 40 Prozent. Aufgrund dieser Zahlen beschäftigen sich mittlerweile auch in der Schweiz einzelne Brandversicherungen mit dem Gedanken, Rauchmelder für den Privatbereich oder zumindest für gewisse Bereiche wie die Landwirtschaft vorzuschreiben.

Hierzulande ist nach Schätzungen der Beratungsstelle für Brandverhütung BfB höchstens jeder 15. Haushalt mit Rauchmeldern ausgerüstet. In der Hoffnung, diese Zahl auf freiwilliger Basis deutlich erhöhen zu können, lanciert der Feuerwehrverband nun eine Aktion und verkauft Rauchmelder für 55 Franken pro Stück. Die Geräte lassen sich leicht in Häusern und Mietwohnungen an der Decke installieren und sind von Feuerwehr-Spezialisten aufgrund ihrer zuverlässigen Funktionsweise ausgewählt worden.

Auch in Fachgeschäften und Baumärkten sind Rauchmelder erhältlich. Die Preisspanne reicht von rund 20 bis über 70 Franken. Fast 30 Modelle sind auf dem Markt, allerdings unterscheiden sich viele nur im Design. Hinter einigen verschieden gestylten Abdeckungen und immer wieder wechselnden Produktenamen steckt häufig ein und dieselbe Billig-elektronik, meist aus Fernost, wie die Fachleute des SFV kritisieren.

Diese Geräte funktionieren zwar - aber fast zu gut: Bereits bei Zigarettenrauch, Staub oder Insekten, die sich ins Gehäuse verirren, lösen sie Alarm aus. Genau aus diesem Grund hat das Institut für Technische Sicherheit in Wien bei einem Praxistest alle Billig-Rauchmelder als «weniger zufriedenstellend» bewertet.

Auch SFV-Präsident Robert Schmidlin rät von solchen Geräten ab. «Spätestens nach dem dritten Fehlalarm geht einem der Schnäppchenkauf auf die Nerven», sagt er. Folge: Die Melder werden wieder abmontiert. «Und das», so Feuerwehrmann Schmidlin, «ist nicht in unserem Sinn.»



Das macht einen guten Rauchmelder aus

- Dem Melder liegen eine illustrierte Montageanleitung und Material (Schrauben und Dübel) bei.
- Er funktioniert bei Temperaturen von 0-50º C.
- Er hat eine vor Staub und Insekten geschützte Rauchkammer.
- Er alarmiert mit einem mindestens 85 Dezibel lauten Ton.
- Er hat einen Testknopf zum Prüfen des Alarmtons.
- Er zeigt mit einem Blinksignal seine Einsatzbereitschaft an und macht sich bei abnehmender Batteriekapazität mit einem Ton bemerkbar.
- Er lässt sich mit anderen Meldern zu einer Alarmkette zusammenschalten.

- Weitere Informationen:
Schweiz. Feuerwehrverband SFV, Bern, www.swissfire.ch oder Tel. 031 958 81 18; Beratungsstelle für Brandverhütung BfB, Bundesgasse 20, 3001 Bern, Tel. 031 320 22 20, www.bfb-cipi.ch.

17. September 2003 | Markus Kellenberger - mkellenberger@ktipp.ch


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