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Artikel | saldo 14/2003

Wie viel Risiko darfs denn sein?


Das Geld in Aktien zu investieren, ist ein Wagnis. Jetzt können Anleger ihre Risikobereitschaft mit einem Fragebogen testen.

Wer 1990 eine Million Franken in Aktien investiert hatte, verfügte zehn Jahre später über rund 5 Millionen Franken. Ende 2002 waren davon nur noch rund 3 Millionen Franken übrig. Verglichen mit Obligationen lässt sich mit Aktien viel Geld gewinnen - aber auch ebenso viel verlieren. Potenzielle Anleger müssen sich deshalb vor einem Engagement die Frage stellen, wie viel Verlust sie notfalls verkraften könnten.

Eine seriöse Bank klärt diese Risikobereitschaft zusammen mit dem Anleger ab. Auf dieses Gespräch kann man sich vorbereiten - zum Beispiel mit einem neu entwickelten Fragebogen, der die Elemente Risikofähigkeit, Risikoneigung und Risikowahrnehmung erfasst und gestützt darauf einen Aktienanteil zwischen 0 und 95 Prozent des investierten Vermögens empfiehlt.

Die beiden Wirtschaftsforscher Thorsten Hens (Uni Zürich) und Bodo Vogt (Uni Bielefeld) haben den Fragebogen zusammen mit Experten der CS-Tochter Bank Leu ausgetüftelt. Anders als bei anderen vergleichbaren Instrumenten wird hier das mutmassliche Verhalten des Anlegers berücksichtigt, wenn es nicht rund läuft.


Berücksichtigung der persönlichen Schmerzgrenze

Im Gegensatz zu Anhängern der klassischen Finanzanalyse glaubt Hens, dass die Anleger häufig nicht nach rationalen Kriterien handeln. «Irrationale Faktoren wie Gier und Euphorie auf der einen Seite und Panik und Angst auf der anderen Seite sind ebenso wichtig.» Während der Börsenkrise der letzten Jahre haben viele private Kleinanleger den richtigen Moment zum Verkauf der riskanten Aktienanlagen verpasst - aus Angst davor, Verluste zu realisieren. Mit dem (zu) langen Warten seien die Verluste aber immer grösser geworden, so Hens.

Der Fragebogen besteht nur aus sechs Fragen, allerdings sind sie recht komplex. So muss man beurteilen, in welchen Fällen (Hauskauf, Scheidung, vorzeitige Pensionierung, Arbeitslosigkeit) man welchen Anteil seines Vermögens aufbrauchen müsste. Ausserdem wird gefragt, wie hoch die persönliche Schmerzgrenze bei Verlusten ist. Berücksichtigt werden ferner Fakten wie Alter, Anzahl Kinder und das Verhältnis zwischen Jahreseinkommen und Anlagevermögen.

Anhand einer Tabelle kann man nach einer knappen halben Stunde selbst errechnen, wie hoch der Aktienanteil bei der Geldanlage sein sollte - häufig liegt er tiefer, als der Anleger selbst geschätzt hätte. «Das war sogar bei mir der Fall», sagt Claudio Mazzoni, Chef der Portfolio-Consulting-Abteilung der Bank Leu. Sein Team setzt den Fragebogen seit gut drei Monaten konsequent bei praktisch allen Kundenkon-takten ein.


Vorteil für Kunden: Vorbereitung aufs Beratungsgespräch

Das Gespräch mit dem Kundenberater lässt sich dadurch aber nicht ersetzen. Denn bevor die Anlagestrategie endgültig festgelegt werden kann, müssen weitere Fak-toren wie Steuer- und Versicherungsfragen abgeklärt werden. «Aber mit dem Fragebogen kann sich der Kunde besser auf das Gespräch vorbereiten», schätzt Mazzoni.

Als weiteren Vorteil sieht er zudem, dass man relativ einfach erkennt, was man an der eigenen Situation ändern müsste, um zu einem anderen Resultat zu gelangen. So kann nur schon ein deutlich längerer Anlagehorizont dazu führen, dass der empfohlene Aktienanteil steigt.



Der komplette Fragebogen samt Analyse ist abrufbar unter: www.leu.com/index/index.cfm? page=about_au_analyse&lang=di

10. September 2003 | Martin Müller


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