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Indexfonds und -aktien sind die Mauerblümchen unter den Anlageinstrumenten. Das ist ein Fehler, denn sie sind deutlich günstiger als herkömmliche Fonds und rentieren meist besser.
Eigentlich verrückt: Die grosse Mehrheit der Anleger leistet sich ein teures Fondsmanagement und zahlt dafür Jahr für Jahr kräftig Gebühren. Im Durchschnitt 1,3 Prozent für einen Aktienfonds. Das geht ganz schön ins Geld. Wer während zehn Jahren 50 000 Franken in einen Fonds investiert, zahlt der Fondsgesellschaft so 6894 Franken Gebühren.
Und was erhält man dafür? Einen Fonds, der sich in 80 bis 94 Prozent der Fälle schlechter entwickelt als der Index, an dem er sich misst. Zu diesem Schluss kommen Brancheninsider wie Standard & Poor's, aber auch unabhängige Spezialisten wie das deutsche Konsumentenmagazin «Finanztest» und die bankenkritische US-Website The Motley Fool (www.fool.com). Der amerikanische Komiker Woody Allen witzelt deshalb zu Recht: «Ein Fondsmanager legt so lange Geld an, bis nichts mehr davon übrig ist.»
Gegen teure Fondsmanager gibt es aber ein gutes Rezept: Indexfonds und Indexaktien. Ihre Strategie beschränkt sich darauf, einen bestimmten Index möglichst genau abzubilden. Das Management wählt die Titel also nicht aktiv aus, weshalb es auf eine teure Analyseabteilung verzichten kann. Man nennt Indexfonds deshalb auch passive Fonds im Gegensatz zu den herkömmlichen, aktiv gemanagten Fonds.
Indexanlagen sind vor allem wegen ihrer tiefen Kosten attraktiv. Doch trotz Discountpreis sind sie Qualitätsprodukte: Ihre Performance ist so gut oder je nach Börsenentwicklung halt so schlecht wie der Index, in den man investieren will - und damit meist besser als aktiv gemanagte Fonds.
Bei den herkömmlichen Fonds zahlen die Anleger der Fondsgesellschaft neben der Jahresgebühr für das Führen des Fonds auch sämtliche Kosten für Transaktionen. Da kommt ganz schön was zusammen, werden die Fonds doch pro Jahr durchschnittlich zu 90 Prozent umgeschichtet. Passive Fonds dagegen nur zu 9 Prozent (wegen notwendiger Anpassungen an den Index). Häufiges Hin und Her - das gehört zum Einmaleins des Anlegens - macht aber die Kasse leer.
Auf die Wahl des richtigen Indexes kommts an
Mit einem Indexprodukt lässt sich zudem ein kniffliges Problem elegant umschiffen: die Fondswahl. Die kann nämlich ins Auge gehen, wie der letzte K-Geld-Test über Aktienfonds Schweiz (K-Geld 3/03) belegt. Der schwächste Fonds (AIT Swiss Equity) erzielte 13,7 Prozent weniger Rendite pro Jahr als der Siegerfonds (Leu Swiss Equities). Aber auch mit dem Leu-Fonds zählt man nicht zwingend zu den Gewinnern: Seine Performance in den vergangenen vier Monaten war dürftig.
Es gibt jedoch auch zwischen den Indexprodukten Unterschiede - vor allem punkto Rendite. Das hat aber nichts mit den Gebühren zu tun, sondern mit dem Index, den sie abbilden. Ein Beispiel verdeutlicht das: Der Swiss Performance Index (SPI) legte zwischen 1. März und 19. August 2003 satte 2,34 Prozent mehr zu als der Swiss Market Index (SMI). SPI-Indexprodukte wie der Synchrony Swiss Stocks rentierten im Jahresvergleich deshalb deutlich besser als SMI-Indexprodukte.
Welchen Indexprodukte-Typ man wählt, hängt aber nicht von solchen Performance-Fragen ab. Entscheidend ist, was für ein Typ Anleger man ist: Für Sparer, die regelmässig kleinere Beträge anlegen wollen, sind Indexfonds erste Wahl, für grössere Sparbeträge Indexaktien. Indexzertifikate waren vor allem während des New-Economy-Booms im Trend - sie sind heute unter anderem wegen mangelnder Transparenz bei den Anlegern nicht mehr sehr beliebt.
Das Nachsehen haben die Fondsgesellschaften
Trotz ihrer unbestreitbaren Vorteile sind Indexaktien und -fonds für Rolf Biland, Chefstratege des VZ Vermögenszentrums in Zürich, nicht der Weisheit letzter Schluss: «Sie sind letztlich immer nur die zweitbeste unter vielen Lösungen.» Denn wer beim Aussuchen eines aktiv gemanagten Fonds den richtigen Riecher hat und jenes Produkt erwischt, das den Index schlägt, erzielt natürlich eine bessere Rendite. Doch dafür benötigt man genaue Kenntnisse der Materie und auch das nötige Glück.
Wer darauf nicht vertrauen will, geht mit einem Indexprodukt auf Nummer sicher. Und geht bei der Wahl wie folgt vor: Erst sucht man die passende Anlageregion (Schweiz, Euroland etc.), dann ermittelt man den günstigsten Anbieter (tiefe Ausgabekommission, keine Depotgebühren), schliesslich den billigsten Verkaufskanal (meist das Internet). Nach getaner Vergleichsarbeit ist man dabei: so gut wie die Profis, aber ein Quäntchen günstiger. Pech haben nur die Fondsgesellschaften. Sie müssen ihre teuren Analyseabteilungen anders finanzieren.
Für grössere Sparbeträge: Indexaktien (ETF)
Indexaktien funktionieren wie traditionelle Aktien und werden an der Börse gehandelt. Der Kurs dieser Exchange Traded Funds (ETF) berechnet sich nach einem einfachen Schema: Der ETF kostet immer einen bestimmten Bruchteil (meist ein Hundertstel) des entsprechenden Indexes. Steht der SMI bei 5000 Punkten, kostet der entsprechende ETF 50 Franken.
Vorteile: ETF eignen sich wie Aktien zum Anlegen grösserer Beträge. Denn man bezahlt dafür nur eine Courtage und die Spanne zwischen Geld- und Briefkurs. ETF verursachen zudem weniger Verwaltungskosten als Indexfonds. Der Kurs wird laufend gestellt.
Nachteile: Wegen der bei jedem Kauf fälligen Mindestcourtage eignen sie sich nicht für das regelmässige Anlegen kleinerer Beträge, sondern nur für Investitionen ab rund 5000 Franken.
Für kleinere Beträge: Indexfonds
Indexfonds sind wie traditionelle Fonds organisiert, verursachen aber höchstens halb so viele Spesen. Weil sie auf eine aktive Aktienauswahl verzichten, ersparen sich Anleger die Kosten für eine teure Analyseabteilung.
Vorteile: Sie sind das ideale Anlageinstrument für Sparer, die in regelmässigen Abständen kleinere Beträge investieren wollen. Im Gegensatz zu Indexaktien entfällt beim Kauf eine Mindestcourtage. Und die Auswahl ist gross. Mit Indexfonds kann man heute in jeden beliebigen Markt investieren.
Nachteile: Sie verlangen beim Kauf meist eine Ausgabekommission. Und man kann weniger rasch auf Entwicklungen an der Börse reagieren. Kaufen und verkaufen kann man in der Regel nur zum Mittelkurs des folgenden Börsentags.
Auslaufmodell: Indexzertifikate
Indexzertifikate sind ihrer Rechtsform nach Schuldverschreibungen. Das heisst: Der Anleger leiht jemandem wie mit einer Obligation für einen bestimmten Zeitraum Geld, der dieses in einen bestimmten Aktienmarkt investiert. Nach Meinung von Experten sind sie überholt.
Vorteil: Sie sind - zumindest vordergründig - die günstigsten Indexprodukte, da sie zumeist gebührenfrei arbeiten.
Nachteile: Dividenden werden oft nicht weitergegeben, sondern fliessen in die Kasse des Emittenten. Die Kostenstruktur ist oft nicht durchschaubar. Viele Zertifikate verfügen zudem nur über eine beschränkte Laufzeit von ein bis fünf Jahren, taugen deshalb nicht als Langzeitanlagen. Ausserdem sind sie wenig liquid, dadurch ist die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskursen grösser, und die zahlt letztlich der Anleger. Die Bonität des Herausgebers stellt ein zusätzliches Risiko dar. Und: Das Angebot ist vergleichsweise begrenzt.
27. August 2003 | Martin Metterli
