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Der Energiekonzern Axpo mischt im Fussballgeschäft mit. Die Millionenrechnung müssen die Strombezüger begleichen.
Werner Hasler findet es «zum Heulen». Der 68-jährige Fan des FC Aarau meint damit nicht die Leistungen seines Clubs auf dem Brügglifeld, sondern «all diesen neumodischen Mist», den sich «der Fussballverband einfallen lässt, um an Sponsorengelder zu kommen».
Axpo Super League - so nennt sich seit dieser Saison die oberste Spielklasse im Schweizer Fussball, die bisher schlicht Nationalliga A geheissen hatte. Auf allen Spielerleibchen prangt der Schriftzug der Axpo - die Nummer eins im heimischen Strommarkt versorgt dafür die Kassen der zehn besten Mannschaften jährlich mit über drei Millionen Franken an finanzieller Energie.
Der Stromgigant befindet sich in bester Gesellschaft. Die Credit Suisse vermarktet mit vier Co-Sponsoren die Fussball-Nationalmannschaft unter dem Label «Swiss Soccer». Etwa 11 Millionen Franken lässt sich die Grossbank das vierjährige Engagement kosten. Und schon bald spielt auch die Swisscom mit auf dem grünen Rasen. Der frühere Monopolbetrieb erwarb für vier Jahre die Namensrechte am Schweizer Fussballcup - für rund eine Million Franken jährlich.
Konzerne erkaufen mit Sponsoring einen guten Namen
Sponsoring ist ein gigantisches Geschäft. Die Liechtensteiner Firma Fritz Kaiser Group Sports Consulting schätzt, dass im letzten Jahr allein in der Schweiz 366 Millionen Franken an Sponsorengeldern flossen. Grosskonzerne nehmen viel Geld in die Hand, um sich einen guten Namen zu machen und sich von der Konkurrenz abzuheben.
Strombezüger zum Zwangssponsoring verdonnert
Die Axpo indes hat keinen Konkurrenzdruck: Das Unternehmen befindet sich zu 100 Prozent in öffentlicher Hand. Und nach dem letztjährigen Nein des Volks zum Energiemarktgesetz ist das Thema Liberalisierung vorderhand vom Tisch. Konkret: Die Konsumenten haben gar keine Wahl, bei welchem Anbieter sie den Strom kaufen wollen.
Für die Axpo-Strombezüger heisst das: Sie finanzieren das Millionenengagement eines Staatsbetriebs - ein klassischer Fall von Zwangssponsoring. Hermann Stocker, Präsident des Verbands Aargauischer Stromkonsumenten, nahm dieses Fussballabenteuer jedenfalls «zähneknirschend zur Kenntnis». Stocker: «Ein solches Marketing macht wenig Sinn.»
«Stimmt nicht», kontert der Aargauer SVP-Nationalrat Christian Speck, der im Verwaltungsrat der Axpo sitzt. Der politische Fahrplan sehe eine Öffnung des Strommarkts im Jahr 2007 vor - «und wir wollen gewappnet sein». Kritik am Fussballsponsoring findet Speck zudem kleinlich: «Bei den Milliardenumsätzen der Axpo machen diese paar Millionen nicht viel aus.»
Sein Parteikollege Ulrich Siegrist sieht das freilich anders: «Klar ist diese Summe nicht Match entscheidend, aber es geht ums Prinzip», sagt der SVP-Querdenker im Nationalrat. «Die Axpo spielt hier mit öffentlichen Geldern, dabei muss sie sich auf dem Markt gar nicht behaupten - das ist sehr heikel.» Und noch etwas stösst dem Aargauer Ex-Regierungsrat sauer auf: «Die Elektrizitätswirtschaft klagt dauernd über zu hohe Abgaben - aber für Fussball macht sie dann plötzlich Geld locker.»
Auch die Stiftung für Konsumentenschutz wirft dem Energiekonzern vor, er spiele sich bei seinen Kunden mit dieser «frechen Praxis» ins Abseits. Geschäftsführerin Jacqueline Bachmann: «Wir erwarten, dass das Sponsoring auf den Stromrechnungen deklariert wird.»
Medien machen der Axpo einen Strich durch die Rechnung
Marketingmassnahmen als Eigentor? Ganz wohl scheint es inzwischen der Axpo-Spitze nicht mehr zu sein. Gegen-über der «Aargauer Zeitung» klagte Axpo-Chef Heinz Karrer, dass er sich vom Sponsoring mehr versprochen habe. Grund: Die Medien berichten fast ausnahmslos von der Super League. Auf den Zusatz «Axpo» verzichten sie grosszügig.
27. August 2003 | Thomas Roth
