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2003 wird ein Last-Minute-Sommer, die Charterflüge sind längst nicht ausgebucht. Wo aber findet man wirklich günstige, verlässliche Sonderangebote?
Eines vorweg: Die Last-Minute-Formel «Je länger man wartet, desto billiger die Preise» ist nicht immer richtig. Seit einigen Jahren kennen Schweizer Reiseveranstalter auch Frühbucher-Rabatte. Wer bis Ende März Sommerferien gebucht hat, konnte bis zu 300 Franken pro Person sparen. Hinzu kommt, dass vermehrt auch Zuschläge für «letzte Plätze» verrechnet werden.
Kurzfristige Schnäppchen gibt es aber weiterhin. Denn: Viele Flugzeugsitze und Hotelbetten sind am Abflugtag noch nicht gebucht. Und die gilt es kurzfristig zu verkaufen - meist zu Tiefpreisen. Wer in der Destinationswahl flexibel ist, für den lohnt es sich zu warten.
Als attraktivster Kanal für Last-Minute-Angebote hat sich in den letzten Jahren das Internet entwickelt. Websites lassen sich mit den Reservationssystemen verknüpfen. Damit werden in der Regel nur verfügbare Angebote aufgelistet, die sich zudem auch online buchen lassen. Ein weiteres Plus ist die Darstellung. Die Arrangements sind zumindest auf den gepflegteren Websites umfangreich beschrieben und bebildert.
Schliesslich kostet der Flug mehr als doppelt so viel
Ein grundsätzliches Problem im Internet ist jedoch, dass die meisten Websites nur Angebote eines einzelnen Veranstalters anbieten. So gilt es vorerst, die einzelnen Sites abzuklappern (siehe Kasten).
Das Suchprozedere ist meist ähnlich aufgebaut. Die Angebote lassen sich wahlweise nach gewünschter Destination, nach Abflugdatum oder Preis abrufen. Doch es gilt, ein paar Dinge zu beachten.
Der Klick auf helvetictours.ch Anfang Juni zeigt: Für Abflüge innerhalb der nächsten vier Wochen finden sich für nahezu alle im Katalog aufgelisteten Destinationen kurzfristige Aktionen. Auf der Suche nach preisgünstigen Flügen stechen die Angebote «99 Franken nach Barcelona» und «249 Franken nach Kos» ins Auge. Entscheidet man sich für das Angebot und klickt sich durch das Buchungsprozedere, entdeckt man aber happige Zuschläge, die den ausgeschriebenen Tiefpreis eher als Lockvogeltarif enttarnen.
Beim Barcelona-Flug verlangt Helvetic Tours auf den Basispreis von 99 Franken für Sicherheits- und Flughafentaxen 37 Franken, weitere 25 Franken für eine Annullationsversicherung und 40 Franken als so genannte Auftragspauschale. Macht total 201 Franken - mehr als das Doppelte.
Die freiwillige Versicherung ist automatisch angekreuzt
Im Beispiel Kos ebenso: Hier kommen zu den 249 Franken Flughafen- und Sicherheitstaxen von 82 Franken hinzu, eine Annullationsversicherung von 25 Franken und 40 Franken für die Auftragspauschale. Und wer zudem beim Ausfüllen der Angaben nicht aufpasst, dem werden weitere 28 Franken in Rechnung gestellt. Denn kurz vor dem Totalpreis ist eine freiwillige Assistance-Versicherung angefügt und mit einem Häkchen versehen. Wer diese Versicherung nicht will, muss das Häkchen wegklicken. Statt 249 zahlt man unverhofft 424 Franken. Das erhoffte Schnäppchen entpuppt sich als normaler Tarif.
Ganz ähnlich präsentiert Hotelplan seine Last-Minute-Angebote. Auch hier öffnet erst der Klick auf «Preisdetails» weitere Zuschläge. Immerhin jubelt Hotelplan seinen Onlinekunden nicht versteckt noch eine Versicherung unter. Wer eine Assistance-Versicherung will, muss das Kästchen eigens ankreuzen. Der Kos-Flug kostet bei Hotelplan mit allen Zuschlägen 564 statt der 399 Franken, die beim ersten Blick ersichtlich sind.
Transparenter präsentiert Imholz die Last-Minute-Angebote. Die aufgelisteten Preise sind Endpreise, alle Zuschläge sind bereits integriert. Auf eine Auftragspauschale, wie sie Helvetic Tours und Hotelplan verlangen, verzichtet Imholz. Der billigste Kos-Flug: 398 Franken.
Ausschliesslich Last-Minute-Angebote findet man beim Spezialisten L'Tur. Wie Imholz listet L'Tur nur Endpreise auf. Dazu gehören vielfach auch Angebote ab deutschen Flughäfen. Hierzu bietet L'Tur ab der Schweizer Grenze ein Bahnticket für 43 Franken an - ob nach Stuttgart oder Hamburg. Der billigste Kos-Flug bei L'Tur: 331 Franken.
Wer nicht stundenlang die Websites durchforsten mag, dem empfiehlt sich, die Newsletters der Anbieter zu abonnieren. So erhält man regelmässig die aktuellen kurzfristigen Angebote per Mail.
Neben Websites von Reiseveranstaltern und von spezialisierten Plattformen wie travel.ch, ltur.ch, ebookers.ch und planetholiday. ch warten auch die Airlines mit kurzfristigen Aktionen auf. Ob unter swiss.ch, lufthansa.ch oder klm.ch - Aktionen für Kurzentschlossene finden sich auch hier. Bei der Swiss lassen sich unter Europe Savers Flugtarife wie zum Beispiel für 79 Franken nach Paris oder 99 Franken nach Barcelona finden. Diese Tarife gilt es indes 28 Tage vor Abflug zu buchen, danach steigen die Preise. Ärgerlich auch hier: Erst während des Buchungsvorgangs stellt man fest, dass der Paris-Flug nicht 79 Franken, sondern samt Flughafentaxen 138 Franken kostet.
Dürftige Angebote im Teletext und in Reisebüros
Weiterhin eine stark frequentierte Plattform für die Suche nach Last-Minute-Reiseangeboten ist der Teletext. Ab Seite 400 sind nach Veranstaltern sortiert eine Vielzahl kurzfristiger Reiseangebote via TV-Bildschirm abrufbar. Zu jedem Angebot finden sich aber bloss einige Worte. Und wie bei den Websites ist auch hier kaum ein Hinweis über die zahlreichen Zuschläge auszumachen.
Natürlich erhält man auch in den Reisebüros viele Last-Minute-Angebote. In vielen Reisebüros sind Last-Minute-Kunden aber unbeliebt. Sie werden mit einem Ordner abgespiesen, den es selber durchzublättern gilt. Hier finden sich aktuelle Faxlisten der Veranstalter. Ob die aufgelisteten Angebote aber noch verfügbar sind, muss vom Schalterangestellten via Reservationssystem abgeklärt werden.
INTERNET-ADRESSEN
Die besten Websites für Last-Minute-Angebote
www.helvetictours.ch
www.hotelplan.ch
www.imholz.ch
www.ltur.ch
www.travel.ch
www.planetholiday.ch
www.esco.ch
www.sta.ch
www.ebookers.ch
www.rbm.ch
Fünf Fallen auf dem Weg zum Last-Minute-Angebot
- Endpreise erst auf den zweiten Blick: Ob im Internet, im Teletext oder im Reisebüro - zu den angepriesenen Angeboten (ausser bei L'Tur und Imholz) kommen in der Regel noch happige Zuschläge, die den Preis um 30 bis 70 Prozent verteuern.
- Versteckte Zuschläge: Wer online bucht, sollte jede Zeile lesen, um nicht eine unerwünschte Versicherungsleistung zu kaufen.
- Die Plätze sind schon weg: Die Websites listen meistens nur jene Angebote auf, die wirklich verfügbar sind. Bei Angeboten im Teletext oder im Reisebüro ist diese Gewissheit nicht vorhanden.
- Last-Minute ist gar nicht billiger: «Last-Minute» wird oft als Marketing-Instrument eingesetzt, um den Kunden glauben zu lassen, es handle sich um ein verbilligtes Angebot. Ein Vergleich mit dem Katalogpreis verdeutlicht, ob das gefundene Arrangement wirklich günstiger ist.
- 100 Prozent Annullationskosten: Wegen der Kurzfristigkeit können Last-Minute-Angebote nur in den wenigsten Fällen storniert oder umgebucht werden. Unbedingt den eigenen Versicherungsschutz abklären, falls man wegen eines Krankheitsfalls doch nicht reisen kann, oder gleich eine Annullationsversicherung abschliessen.
24. Juni 2003 | Gregor Waser
