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Artikel | K-Tipp 11/2003

Königlicher Reinfall

Die Aussichten auf hohe Gewinne vernebeln vielen Anlegern den Blick. Meist folgt denn auch der totale Absturz.

Kenner der Sagengestalten denken beim Namen Midas an den König von Phrygien: Alles, was er berührte, verwandelte sich in Gold.

Hansjakob Hasler hingegen kriegt Bauchweh, wenn er auf Midas angesprochen wird. Er hat einer deutschen Firma mit diesem Namen 15000 Franken anvertraut - und höchstwahrscheinlich alles verloren.

Die fatale Investition geht aufs Jahr 1999 zurück. Damals kam Hasler (Name geändert) mit der Firma Midas Real Properties Limited in Kontakt. Sie ist aus Steuergründen auf Malta beheimatet und gehört einem gewissen Hans-Jochem Becker in Heidelberg.

Becker versprach einen «garantierten Ertrag» von 5 Prozent auf die investierte Summe mit dem Kauf und Verkauf von amerikanischen Bundesschatzbriefen. Hasler liess sich überzeugen. Auch sein Sohn und sein Schwiegersohn investierten 20000 bzw. 10000 Franken.


Statt Rendite gibt es nur Vertröstungen

Im April 2002 wäre die Geldanlage zur Rückzahlung fällig gewesen. Doch Becker liefert nur Vertröstungen. Zuletzt forderte er die verzweifelten Anleger am 7. Mai dieses Jahres auf, ihre Kontoverbindung erneut anzugeben, die Auszahlung könne «in den nächsten 14 Tagen stattfinden». Doch es passierte nichts. «Vertröstungen sind typisch für Anlageschwindler», weiss Bankenombudsman Hanspeter Häni.

Es wäre ein Wunder, wenn die Betroffenen ihr Geld wiedersähen. Denn in der Zwischenzeit kaufte Becker nach eigenen Angaben mit dem Geld seiner rund 50 Schweizer Anleger hochspekulative Aktien der amerikanischen Technologiefirma Tensiodyne, deren Handel aber derzeit ausgesetzt sei.

Als angebliche Sicherheit verweist er auf ein Grundstück in der Nähe der US-Mormonenstadt Salt Lake City. Es ist fraglich, ob sich diese zwei exotischen Anlagen je zu genug Geld verflüssigen lassen.

Beckers Vermittler in der Schweiz war Pius Weber aus Jens BE; er hat Hasler 1999 diese Geldanlage empfohlen.

Aufgrund seiner Qualifikationen hätte Weber eigentlich die Beckerschen Luftschlösser durchschauen müssen: Weber ist Finanzplaner mit eidgenössischem Fachausweis und Mitglied beim Finanzplaner-Verband. Dessen Mitglieder bezeichnen sich gerne als «Hausarzt für die Finanzen des Kunden».


Finanzen-«Hausarzt» hat versagt

Heute würde «Hausarzt» Weber Midas nicht mehr empfehlen. «Für mich ist es eine Belastung geworden», sagt er - zumal er selber auch Geld investiert habe. Er kann sich damit trösten, dass er eine Provision erhalten hätte, falls die Anlage einen Gewinn abgeworfen hätte.

Der Verband der Finanzplaner wollte das Geschäftsgebaren seines Mitglieds Weber nicht kommentieren. Opfer Hansjakob Hasler hingegen spricht Klartext. «Weber hat seinen Finanzplaner-Titel missbraucht.» Ein böses Erwachen könnte es auch für Investoren geben, die ihr Geld der in Baar ZG domizilierten Firma United Investment Partners (UIP) anvertrauen. Ab einem Kapital von 250000 Franken garantiert die UIP mit Goldhandel eine jährliche Rendite von 10 Prozent - und das erst noch mit einer 100-prozentigen «Kapital- und Zinsgarantie». Ab einer Investition von 100000 Franken winken immer noch garantierte 7 Prozent.


Hohe Zinsgarantien sind unseriös

Für Bankenombudsman Häni ein klarer Fall: «Angebote, die heute auf Anlagen in Schweizer Franken oder Euro einen Zins zwischen 7 und 10 Prozent garantieren und dazu erst noch eine Kapitalgarantie versprechen, können nur unseriös sein.»

Vertriebsleiter der Anlage ist Ruedi Schüpfer aus Oberrieden ZH, einziger Verwaltungsrat der UIP ist Peter Küng aus Baar ZG.

Die Tipps, die sich daraus ergeben:

- Investieren Sie nie, wenn Sie das Anlagekonstrukt nicht verstehen.

- Lassen Sie sich nicht blenden von hohen Renditen und angeblichen Sicherheiten, mit welchen die Anlage scheinbar ausgestattet ist.

Die UIP schreibt zum Beispiel in den Unterlagen, ihre Zins- und Kapitalgarantie sei durch Goldzertifikate und eine Versicherung «zusätzlich abgedeckt». Bei der Versicherung handelt es sich um die Marine and General Underwriting Ltd. mit Sitz in Zypern. Dort Forderungen zu stellen dürfte für Schweizer nicht ganz einfach sein.

- Seien Sie vorsichtig bei freischaffenden Vermittlern von Finanzprodukten. Sie arbeiten in der Regel auf Provisionsbasis, was einen Teil des Investments gleich wegfrisst.

- Tätigen Sie keine Geldanlagen, die man Ihnen am Telefon verkaufen will.

04. Juni 2003 | Ernst Meierhofer - emeierhofer@ktipp.ch


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