SternSternSternStern (0)Kommentare lesen  Tags  Drucken  Beitrag weiterempfehlen

Artikel | K-Geld 3/2003

Autofahrer: Anschnallen zum Prämiensparen

Per Mitte Jahr droht vielen Autofahrern eine höhere Versicherungsprämie. Und Ende Jahr ist mit weiteren Tarifsteigerungen zu rechnen. Schlaue halten nach Alternativen Ausschau.

Die Versicherer nennen es «Prämiendruck», und es bestehe «Handlungsbedarf». Was sie damit meinen: Die einkassierten Prämien reichen nicht aus, um die Versicherungsschäden zu decken. Also müssen die Versicherten mehr zahlen.

Betroffen ist in erster Linie die obligatorische Autohaftpflicht-Versicherung. Sie zahlt, wenn der Lenker mit dem versicherten Fahrzeug Sachschäden anrichtet (etwa an einem fremdem Auto) oder Personen verletzt.

Gerade Personenschäden sind in den letzten Jahren teurer geworden - unter anderem deshalb, weil die Kosten im Gesundheitswesen laufend steigen. «Die Heilungskosten sind in unserem Lande buchstäblich explodiert», schrieb die Generali letztes Jahr ihren Kunden.

«Explosion» ist vielleicht etwas übertrieben, aber der Trend ist ungebrochen. Ein Brancheninsider schätzt, dass die Prämien der Haftpflichtversicherung auf Anfang 2004 um weitere 10 bis 20 Prozent steigen.

Prämienbewusste Auto-fahrer schauen sich deshalb um. Denn nach wie vor gilt: Die praktisch gleiche Leistung ist bei der Konkurrenz oft viel billiger zu haben. Der Prämienvergleich zeigt es.

Um die Tabelle auf den Seiten 32/33 richtig zu lesen, müssen Sie Folgendes wissen:

- In der Autoversicherung ist die Prämie auf jeden einzelnen Kunden persönlich zugeschnitten. Die wichtigsten möglichen Kriterien sind Alter, Fahrpraxis nach der Prüfung, Geschlecht, Beruf, Nationalität, Wohnort, Fahrkilometer pro Jahr und Autotyp. Je höher das statistische Unfallrisiko, desto teurer wird die Prämie.

- Dies bedeutet, dass die Prämienangaben in der Tabelle nur für den konkret beschriebenen Fahrertyp und sein jeweiliges Auto passen. Schon kleinste Abweichungen im Fahrerprofil oder beim Auto können eine andere Prämie ergeben - unter anderem auch deshalb, weil jeder Versicherer die erwähnten Kriterien unterschiedlich gewichtet.


Nicht überall müssen Junge bei 100% einsteigen

- Die für Sie massgeschneiderte Prämie erfahren Sie demnach nur, wenn Sie konkrete Offerten einholen.

- Entscheidend für den genauen Prämienbetrag ist auch die offerierte Bonusstufe. Viele ältere Lenker sind auf der tiefsten Bonusstufe, erhalten also einen grosszügigen Rabatt für unfallfreies Fahren. Junge hingegen müssen meistens - aber nicht immer, wie die Tabelle zeigt - auf der Bonusstufe 100 Prozent einsteigen. Der Bonus spielt vor allem bei Haftpflicht und Vollkasko eine Rolle, seltener bei Teilkasko.

- Die Tabelle zeigt Nettoprämien für Einjahresverträge für Neukunden mit einem Neuwagen. Die gesetzlichen Abgaben sind inbegriffen.

- Bei Auto-TCS kommen noch die Mitgliedsgebühren dazu.

- Der Bonusschutz ist bei den gezeigten Prämien in der Regel inbegriffen - sowohl bei Haftpflicht als auch bei Vollkasko. Wer einen Bonusschutz versichert hat, muss nach einem oder allenfalls auch nach mehreren Unfällen mit keiner oder nur einer geringen Prämienerhöhung rechnen.

Umgekehrt heisst das: Wer eine tiefe Prämie zahlt, nach einem Unfall aber wegen des fehlenden Bonusschutzes hinaufgestuft wird, zahlt im Folgejahr markant mehr - und das kann den Vorteil der günstigen Prämie gleich wieder wegfressen.

In der Regel ist der Bonusschutz nur erhältlich, wenn der Fahrer auf der für ihn günstigsten Bonusstufe angelangt ist. Das ist der Grund, wehalb der Bonusschutz beim Junglenker bei keiner Offerte dabei ist. Aus diesem Grund erhält auch der Familienvater bei der Basler keinen Bonusschutz, denn er ist erst auf Stufe 35 Prozent angelangt, er müsste dazu aber Stufe 30 haben.

Noch zwei Ausnahmen: Die Coop Versicherung kennt gar keinen Bonusschutz, und Züritel offeriert ihn in der Vollkasko-Versicherung nur denjenigen Kundinnen und Kunden, die über einen Gruppenvertrag versichert sind (zum Beispiel VCS). Die Coop Versicherung sagt dazu, die Prämienerhöhung falle nach einem Unfall «sehr moderat» aus, wenn der Kunde auf der besten Bonusstufe war.

- Hat ein Autofahrer einen Unfall grobfahrlässig verursacht, kann die Gesellschaft ihre Zahlung je nach Schwere des Verschuldens kürzen.

Genauer: Die Geschädigten erhalten zwar alles, was sie zur Deckung ihres Schadens zugut haben, aber die Versicherung kann auf ihren Versicherten Rückgriff (Regress) nehmen und bei ihm einen Teil des ausbezahlten Geldes eintreiben.

Bei einigen Gesellschaften ist es möglich, diese angedrohte Kürzung wegen Grob-fahrlässigkeit gegen Mehrprämie auszuschliessen. In den Prämien der Tabelle ist dieser Verzicht nur bei Vaudoise, La Suisse, Mobiliar und Winterthur inbegriffen. Doch Vorsicht: Sind Alkohol oder Drogen im Spiel, müssen Fahrer immer mit Regress-Forderungen rechnen.

- Die offerierten Selbstbehalte der Haftpflicht entsprechen weitgehend der Branchenusanz: 1000 Franken für Junglenker bis 25, 500 Franken für Neulenker mit weniger als zwei Jahren Fahrpraxis, kein Selbstbehalt für die übrigen Lenker.


Prämien-unterschiede bis 60 Prozent

Aufpassen müssen aber Eltern, wenn sie das Familienauto ab und zu einem ihrer erwachsenen Kinder überlassen. Wenn solche Autohalter an sich keinen Selbstbehalt haben, kann es trotzdem teuer werden, falls der Junglenker einen Unfall baut. Die Alpina verlangt dann einen Selbstbehalt von 1000 Franken (bei Haftpflicht und bei Kasko). Bei der Winterthur schlägt das mit 500 Franken in der Vollkaskoversicherung zu Buche. Diese Selbstbehalte wegzubedingen verteuert die Prämie um 5 bis 10 Prozent.

Andere Gesellschaften strafen die Eltern nicht, wenn der Sprössling mal Pech hat. Das sind ein paar wichtige Details, die Sie beim Abschluss beachten sollten.

- Holen Sie bei mehreren Gesellschaften Offerten ein. Prämienunterschiede bis 60 Prozent sind keine Seltenheit, wie die Vergleiche zeigen. Achten Sie darauf, ob in den offerierten Prämien die gesetzlichen Gebühren inbegriffen sind (Stempel, Unfallverhütungsbeitrag und Garantiefonds).

- Es kann sich lohnen, Haftpflicht und Kasko nicht bei der gleichen Gesellschaft zu versichern. Gewiefte Prämiensparer suchen für beide Kategorien je das beste An-gebot. Falls Sie jedoch alles beim gleichen Anbieter platzieren möchten, sollten Sie jeweils das gleiche Paket vergleichen, also Haftpflicht und Kasko zusammenzählen. Wer schummelt, stellt sich selber ein Bein

- Verschweigen Sie beim Ausfüllen des Versicherungsantrages keine früheren Schäden. Wichtig ist auch, dass die Angabe zum häufigsten Lenker korrekt ist. Männer dürfen also zum Prämiensparen nicht die Ehefrau oder Konkubinatspartnerin vorschieben, wenn sie selber den Wagen am meisten benutzen. Wenn die Versicherung im Schadenfall eine solche Falschangabe entdeckt, müssen Schwindler mit einer massiven Kürzung oder gar Verweigerung der Leistung rechnen.

Es kommt immer wieder vor, dass Versicherungsagenten den Ratschlag geben, das Auto von erwachsenen Kindern über den Vater laufen zu lassen, was wegen der guten Bonusstufe günstiger ist. Auch das ist eine Falschdeklaration, die im Schadenfall teuer zu stehen kommt.

- Junglenker sollten sich nach speziellen Angeboten erkundigen; das lohnt sich insbesondere beim TCS.

Bei der Winterthur erhalten Junglenker für Haftpflicht und Vollkasko eine günstigere Bonusstufe, falls sie einen Verkehrssicherheitskurs besuchen.

- Schliessen Sie keinen Vertrag mit Gesellschaften ab, die auf eine längere Vertragsdauer pochen und deshalb für Einjahresverträge einen Zuschlag verlangen.

- Bedenken Sie, dass der Deckungsumfang der Kaskoversicherung nicht vom Gesetz vorgeschrieben ist, sondern sich einzig aus dem Kleingedruckten ergibt. Bei vielen Gesellschaften können Sie zudem die Kaskoversicherung modulartig im Bausteinsystem Ihren konkreten Bedürfnissen anpassen (zum Beispiel das Marderrisiko ausschliessen, falls Ihr Auto immer in der Garage steht).

- Eine Vollkasko-Deckung ist vor allem für neuere Autos sinnvoll (in der Regel zwei bis vier Jahre lang) sowie allenfalls für ungeübte Fahrer. Der Grund liegt darin, dass der selbst verschuldete Totalschaden - oder eine grosse Reparatur - eines neuen Autos ein grosses finanzielles Risiko darstellt.

Wenn Sie allerdings in der Vollkasko-Versicherung auf der untersten Bonusstufe angelangt sind, kann sich die Weiterführung der Vollkasko auch noch länger lohnen, da jetzt die Prämie schon fast auf Teilkasko-Niveau heruntergekommen ist.


BessereEntschädigung mit Zeitwertzusatz

- Schliessen Sie Teil- und Vollkasko-Versicherung nur mit Zeitwertzusatz ab. Der Prämienaufschlag zur Variante «Nur Zeitwert» ist in der Regel gering. Alle Prämien in der Tabelle sind inklusive Zeitwertzusatz gerechnet.

Der Grund: Der Wert eines neuen Autos sinkt rapide. Schon im ersten Betriebsjahr kann der so genannte Zeit- oder Marktwert 20 bis 30 Prozent vom ursprünglichen Kaufpreis abweichen - besonders wenn Sie viel fahren.

Diese übermässige Abschreibung kann man mit dem Zeitwertzusatz versichern. Er garantiert bei Diebstahl oder Totalschaden eine bessere Entschädigung als nach dem Zeitwert.

Beispiel: Während der Zeitwert eines Autos gemäss Eurotax nach dem ersten

Betriebsjahr schon auf 75 Prozent des Neuwerts sinken kann, beträgt die Entschädigung gemäss Zeitwertzusatz in der Regel immer noch 90 bis 95 Prozent des Neuwerts.



Verhandeln Sie über den Bonus

- Halten Sie sich beim Ausfüllen des Antrages genau an die Wahrheit.

- Betrachten Sie die offerierte Bonusstufe als Verhandlungssache. Vielleicht kommt Ihnen die Gesellschaft entgegen.

- Sie müssen Haftpflicht und Kasko nicht bei der gleichen Gesellschaft versichern.

- Schliessen Sie wenn möglich nur Einjahresverträge ab.

- Grössere Firmen und Vereine haben Kollektivverträge mit Versicherern. Mitarbeiter oder Vereinsmitglieder profitieren so von besseren Konditionen. Erkundigen Sie sich.

28. Mai 2003 | Ernst Meierhofer


Beitrag als PDF
Autofahrer: Anschnallen zum Prämiensparen
Download PDF 819.01 KB
SternSternSternStern Artikel bewerten Stichwort hinzufügen
Artikel weiterempfehlen Artikel drucken

Kommentare (0)

 
Urheberrechte
Smartphones und Tablet-Computer sollen teurer werden. Grund ist eine neue Gebühr für Urheberrechte. Was halten Sie davon?
...zum Artikel
Das ist Unsinn. Beim Kauf von leeren CDs und DVDs ist die Gebühr schon enthalten.
Richtig so. Damit werden Künstler unterstützt.
Alle Umfragen

Verwandtes Buch
Das eigene Auto: So fahren Sie am günstigsten
Das eigene Auto: So fahren Sie am günstigsten
Vom Kauf bis zu Sicherheit und Unterhalt

Detail-Infos
Buchshop
 
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Jetzt unterzeichnen: Volksinitiative
Die Bundesbetriebe sollen nicht Gewinn erwirtschaften, sondern den Bürgern einen guten und bezahlbaren Service bieten.
Verwandte Artikel
Zu wenig Profil – Ausweis weg Aufgespiesst: In der Schweiz billiger Karte für Kilometerfresser und Benzinsäufer
Testsieger für Android-Handys
Testsieger für Android-Handys
Hunderte von Tests in der Hosen­tasche: Die neue App «Testsieger» machts möglich. (beide Apps haben den gleichen Inhalt)
Aktueller Ratgeber
Aktueller Ratgeber
Die Steuerabzüge für Angestellte und Selbstständige (16. Auflage 2012)
Aktuelle Beratungstexte
Hat mein Bruder einen Pflichtteil zugut? Muss ich den Vermieter für die Umtriebe entschädigen? Darf mein Chef Beiträge an AHV, IV und EO abziehen? Alle Beratungs-Artikel
Aktuelle Tests
Elektro-Rasenmäher IPL-Enthaarungsgerät Pommes frites Alle Test-Artikel
Aktuelle Diskussionen
24.05.2012, 13:37 | 4 AntwortenWoher kommen die Albträume? 24.05.2012, 13:28 | 7 AntwortenWas hilft gegen Cluster-Kopfweh? 24.05.2012, 13:27 | 3 AntwortenMyom: Welche Operation ist empfehlenswert? 24.05.2012, 13:26 | 4 AntwortenWie bringe ich den Zungenbelag weg?
Benutzer-Favoriten