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Artikel | K-Tipp 9/2003

Die Post - im Dienste von Abzockern

Seriöse Firmen lassen sich von zwielichtigen Geschäftemachern einspannen. Anders als die Post gehen UBS, Raiffeisenbanken und Appenzeller Kantonalbank jetzt auf Distanz.

Der Brief von Rechtsanwalt Jürgen Maul tönt verheissungsvoll: «Ich habe den Auftrag, Ihnen mitzuteilen, dass Sie anlässlich des Europäischen Gewinn-Kongresses in Wien einen der Preise 1 bis 4 gewonnen haben», schreibt er in einem Brief, den unzählige K-Tipp-Leser erhalten haben. Auftraggeber ist das berüchtigte österreichische Versandhaus Friedrich Müller, das neuerdings auch unter den Namen V.H.U. respektive U.S.G. auftritt.

Die frohe Botschaft ist auch Monica Wachter ins Haus geflattert. Doch die Frau aus Degersheim SG ärgert sich: «Diese Ankündigung ist perfid, weil die Gewinner zuerst einen "fakultativen Organisationsbeitrag" von 100 Franken einzahlen sollen. Das ist doch Bschiss.»

Der Bschiss erfolgt mit freundlicher Unterstützung der schweizerischen Post. Denn dort hat der Friedrich-Müller-Versand ein Konto. Und auf dieses Konto fliessen die «Organisationsbeiträge», die naive Empfänger des Gewinnversprechens einzahlen - in der Hoffnung, damit ihre Gewinnchancen zu erhöhen.


«Unproblematische Geschäftsbeziehung»

Die Post denkt nicht daran, das Konto zu schliessen. «Die Geschäftsbeziehung mit dem Friedrich-Müller-Versand ist unproblematisch», wiegelt Postfinance-Sprecher Alex Josty ab. Zwar heisse die Post das Geschäftsgebaren des Versandhauses «in keiner Weise» gut. Aber: «Die Aufhebung einer Kundenbeziehung muss sich gegenüber dem Kunden rechtfertigen lassen, sonst müsste sich die Post Willkür vorwerfen lassen.»

Mit anderen Worten: Solange eine Abzockerfirma ihre Verpflichtungen gegenüber der Post einhält, hat sie von Seiten des gelben Riesen nichts zu befürchten.

Auch dass das Untersuchungsamt St. Gallen gegen die verantwortlichen Personen des Versandhauses ein Strafverfahren eröffnet und das fragliche Konto gesperrt hat, beeindruckt Josty nicht: «Wir wollen nicht Richter spielen. Es ist möglich, dass der Richter die Sperrung wieder aufhebt.»

Weniger locker sehen das die Raiffeisenbanken, bei denen das Versandhaus Friedrich Müller ebenfalls ein Konto hatte. «Wir haben die Geschäftsbeziehung Anfang Februar zum Schutz des guten Namens von Raiffeisen abgebrochen», sagt Mediensprecher Franz Würth.

Die Post setzt derweil auch in einem anderen Fall ihren seriösen Ruf aufs Spiel. Zu ihren Kunden gehört nämlich auch der zweifelhafte Time-Sharing-Vermittler Club Touristik GmbH in Olten. K-Tipp-Leser wissen: Diese Firma setzt Konsumenten in mehrstündigen Verkaufsgesprächen massiv unter Druck, um ihnen überteuerte Nutzungsrechte für Ferienwohnungen im Ausland anzudrehen.

Übertölpelte Kunden müssen vor Ort einen Zahlungsauftrag unterschreiben, der ihre Bank anweist, eine Vermittlungsgebühr von 2000 Franken zu überweisen - und zwar auf das Postkonto der Club Touristik. Mediensprecher Josty nimmt auch dies gelassen: «Der Zahlungsverkehr der Firma unterliegt der normalen Überwachung. Ein sofortiger Abbruch der Kundenbeziehung ist nicht opportun.»

Sensibler reagierte die Appenzeller Kantonalbank. Geschäftsleiter Bruno Dörig bestätigt, dass die Bank per Ende Mai ein Konto des deutschen Treuhänders Peter Landisch schliessen wird. Landisch verwahrt im Auftrag der beiden Time-Sharing-Firmen Club Touristik und Viva Tours die Gelder, die neue Kunden für ihr Nutzungsrecht einzahlen.


Inkassohelfer für Reiseorganisatoren

Landischs Geschäfte waren auch der UBS nicht ganz geheuer. Die Bank kündigte ihm das Konto vor gut einem Jahr. Landisch nahm gegenüber dem K-Tipp innert nützlicher Frist nicht Stellung.

Unklar ist, ob der deutsche Treuhänder nach wie vor zu den Kunden der St. Gallischen Creditanstalt und der Verwaltungs- und Privat-Bank in Vaduz (FL) zählt. Beide Institute berufen sich aufs Bankgeheimnis.

Doch nicht nur als Zahlungskanal lassen sich seriöse Firmen von luschen Geschäftemachern einspannen, sondern auch als Inkassohelfer. So hat die Aarauer Firma Schatzmann Inkasso und Treuhand AG seit Anfang Jahr rund 3000 Mahnungen für das Reisebüro Express Tours verschickt. Dieses auf der Insel Malta domizilierte Büro organisierte in den letzten Jahren Reisen für «Gewinner» des Friedrich-Müller-Versands. Die Reisen fielen oft nicht nur durch mangelnde Qualität auf, sondern auch durch andere Ungereimtheiten (siehe auch Kasten).


Schlechte Erfahrungen von Reisegewinnern

So war auf dem «Reisegutschein für zwei Personen» plötzlich von einem Saisonzuschlag die Rede, der dann auch noch für jeden Teilnehmer einzeln verrechnet wurde. Von der Buchungsgebühr von 40 Franken erfuhren die Gewinner erst beim Erhalt der Rechnung. Und wer annullieren wollte, kam per Telefon oder Fax meist nicht durch. Solche Erfahrungen meldeten 14 Betroffene dem K-Tipp.

Express-Tours-Chef Albert Sigl räumt ein, «dass wir zu Spitzenzeiten schlecht zu erreichen sind». Es sei jedoch in der Reisebranche üblich, dass Zuschläge pro Person verrechnet würden. Mit dem Friedrich-Müller-Versand arbeite sein Büro seit Mitte 2002 nicht mehr zusammen.

Sigl ist im letzten Januar via Internet auf das Inkassobüro Schatzmann gestossen. Dessen Inhaber Christian Schatzmann räumt am Telefon ein, der Bezug zum Friedrich-Müller-Versand sei ihm «unsympathisch» gewesen und die Reklamationsquote aufgrund der Mahnungen liege «deutlich über der Norm».

Später verbietet Schatzmann dem K-Tipp, diese mündlichen Zitate zu verwenden; sie seien «ungenau und teilweise falsch». Den Vorwurf, er lasse sich für wenig seriöse Zwecke einspannen, weist Schatzmann zurück. Und überhaupt: «Nachdem sich keine der Reklamationen auf unsere Firma bezieht, gibt es keinen Grund, mich zu rechtfertigen.»



Express Tours täuscht Reisewillige

Das maltesische Reisebüro wiegt Schweizer Kunden in falscher Sicherheit.

Franz Estermann aus St. Gallen hatte bei Express Tours eine Busreise nach Monaco gebucht. Auf der Rechnung hiess es: «Die Reise wird von der italienischen Firma Timber Class durchgeführt. Timber Class ist bei der Helvetia Assicurazioni gemäss den gesetzlichen Bestimmungen versichert.»

Wer nun denkt, es handle sich um eine Reisegarantie für den Fall eines Konkurses, irrt. «Helvetia Assicurazioni Italien betreibt die Reisegarantie-Versicherung nicht und hat sie nie betrieben», schreibt die hiesige Helvetia Patria dem K-Tipp. Und weiter: «Die deutschen Verbraucherzentralen warnen davor, bei Express Tours zu buchen und Vorauszahlungen zu leisten.»

Express-Tours-Chef Albert Sigl gibt den schwarzen Peter an Timber Class weiter: «Sollte Timber Class nicht alle gesetzlichen Vorschriften zum Insolvenzschutz eingehalten haben, wäre dies eine Verletzung des mit uns abgeschlossenen Vertrages.»

07. Mai 2003 | Thomas Müller - tmueller@ktipp.ch


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Kommentare (1)

 
  • sandra87 | 12.12.2007, 15:34

    Gewinnvergabe aus Wien (Friedrich Mueller)

    Hallo, habe vor einem Monat gerade auch so einen Brief erhalten von
    Friedrich Müller aus Wien. Jetzt ist es so das man innerhalb von
    48 Std. die Nummer 0901/57 85 19 für sfr. 4.99 / Min. anrufen
    soll und dann sofort weiss was man gewonnen hat. Die Preise sind
    einmalig 50.000,20.000,10.000,5.000 oder einen von mehreren
    Reisegutscheinen im Wert von 500 Euro für zwei Personen an die
    Türkische Riviera, allerdings muss man 50 Euro für
    Flughafenzuschläge und Gebühren zahlen. Insgesamt sollen es
    2.000.000. Euro sein die ausgeschüttet werden aber wenn man die
    einmaligen Gewinne zusammenzählt kommt man nur auf 85.000 Euro.
    So es fehlen also noch 1.915.000 Euro die dann wohl in 3830
    Reisegutscheinen verlost werden!?! Ha das ist die pure Verarschung
    hoch 10!!! Also lasst die Finger vom Mehrwerttelefon ihr gewinnt da
    ehe nichts bzw. habt Unkosten vom Telefonat wie gesagt sfr. 4.99/ Min.
    !!!Ach ja man kann ja auch per Brief anworten und sein Gewinn geltend
    machen bloss innerhalb von 48 Std. das ich auch schon gemacht habe.
    Und habe heut wieder ein schreiben von Friedrich Mueller erhalten. Ich
    soll mich doch unter der extra eingerichteten Telefonnummer 0901/ 57
    85 19 (sfr. 4.99)
    Melden, den es wäre ja schade wenn ich die 150.000 sfr. auf den
    1. Februar pünktlich ausbezahlten Betrag nicht möchte. Also
    ich kann nur jedem abraten dort anzurufen!!!
    So das war’s erstmals von mir wenn jemand in den letzten Tagen auch so
    etwas bekommen hat dann schreibt doch mal hier rein würde mich
    intressieren
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