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Artikel | K-Tipp 6/2003

Schutzengel mit harter Schale

Was dem Autofahrer die Knautschzone, ist dem Roller- und Töffpiloten der Helm. Ohne ihn gäbe es deutlich mehr Unfalltote. Doch welcher Helm passt auf welchen Kopf? Der K-Tipp sagt, worauf man achten muss.

Während seiner Karriere als Rennfahrer hat sich Jacques Cornu manchen Knochen gebrochen. Dass es dabei blieb, verdankt der Träger mehrerer Meistertitel seinem Schutzengel, richtiger Töffbekleidung mit Protektoren (siehe K-Tipp 6/02) und natürlich einem guten Schutz für den «weichsten Teil» am Töfffahrer - den Kopf.

Auch privat fährt der Routinier deshalb nie ohne gute Ausrüstung und empfiehlt das auch allen, die seine Fahrkurse besuchen. «Bei einem Unfall, auch bei niedrigem Tempo, bewahren nur gute Kleider, Handschuhe und ein Helm Roller- oder Töfffahrer vor unnötig schweren Verletzungen», begründet Jacques Cornu.

Laut Unfallstatistik sind es aber ausgerechnet die gefährdetsten Fahrer, die Jugendlichen, die bei der Ausrüstung häufig sparen. Im Sommer brettern sie oft in Jeans und T-Shirt durch die Gegend und der Helm ist - trotz Obligatorium - für einige kaum mehr als ein lästiges Teil. Aus Bequemlichkeit unterlassen sie es, den Kinnriemen zu schliessen oder schieben gar, um die gestylte Haartracht zu schonen, den Helm lässig die Stirn hoch.

Sie vergessen dabei: Derart falsch getragene Helme reisst es im Ernstfall beim ersten Bodenkontakt vom Kopf - beim zweiten folgt die Kopfhaut.

«Bei fast jedem Unfall schlägt der Kopf auf der Strasse oder auf der Karosserie eines beteiligten Autos auf», weiss Christian Widmer, der beim international tätigen Töffkleider-Hersteller IXS mit Sitz in Sursee LU für Entwicklung und Einkauf von Helmen zuständig ist. Widmer stützt sich bei dieser Aussage auf die Ergebnisse von Crash-Tests, welche die Winterthur-Versicherung durchgeführt hat.

«Bei einem Unfall wirkt der Helm wie eine Knautschzone», erklärt Widmer. Er nimmt die Wucht des Aufpralls auf und verteilt sie möglichst gleichmässig über den ganzen Kopf. Das vermindert das Risiko schwerer Schädelverletzungen.


Integral-Helme schützen am besten

Grundsätzlich werden drei Helmtypen unterschieden:

- Jet-Helme: Sie sind vorne offen. Das An- und Ausziehen ist bequem, besonders für Brillenträger. Gravierende Nachteile: Gesicht und Kinn sind bei einem Unfall nicht geschützt. Zudem haben viele Jet-Helme kein Visier. Die Augen müssen deshalb zusätzlich mit Sonnen- oder Töffbrillen vor Insekten und durch Pneus hochgeschleudertem Schmutz geschützt werden. Billigmodelle kosten um die 100 Franken, komfortable Jet-Helme zwischen 200 und 300 Franken.

- Integral-Helme: Sie sind dank Kieferbügel rundum geschlossen, haben ein eingebautes Visier und bieten nachweislich den besten Unfallschutz. Die Preise beginnen bei rund 150 Franken, handgefertigte Spitzenmodelle kosten über 1000 Franken. Guten Schutz kombiniert mit Tragekomfort gibts ab 300 Franken.

- Klapp-Helme: Sie vereinen die Vorteile eines Jet-Helms mit jenen des Integral-Helms. Der Kieferbügel lässt sich samt Visier hochklappen. So wird mit einem Handgriff aus einem geschlossenen ein offener Helm. Nachteil: Sie sind relativ teuer und zeichnen sich häufig durch laute Windgeräusche aus, die die akustische Wahrnehmung des Verkehrs beeinträchtigen. Einsteigermodelle sind ab 400 Franken erhältlich.

Einen Helm kauft man übrigens nicht fürs ganze Leben. Nach einem Unfall muss er ersetzt werden, auch wenn scheinbar nur der Lack ab ist. Unsichtbare Materialschäden sind ein Sicherheitsrisiko.

Und ein Helm, der gegen zehn Jahre alt ist, ist auch nicht mehr überzeugend. Grund: Das Material wird mit fortschreitendem Alter spröde. «Ein solcher Helm», erklärt IXS-Mann Christian Widmer, «schützt bei einem Crash vielleicht noch ein wenig besser als eine dicke Wollmütze.»



So sitzt der neue Helm richtig

Der beste Helm nützt nichts, wenn er nicht richtig passt. Kaufen Sie also keinen Helm, den Sie nicht anprobiert haben.

Bei der Anprobe sollte man auf Folgendes achten:

- Verschiedene Modelle und Grössen testen.

- Setzen Sie den Helm auf und schütteln Sie kräftig den Kopf. Schlackert der Helm, ist er zu gross.

- Den Helm, der in Frage kommt, mindestens zehn Minuten lang tragen. So merken Sie, ob er irgendwo drückt. Ein guter Helm sitzt eng am Kopf, verursacht aber keine schmerzhaften Druckstellen. Faustregel: Man muss einen Kaugummi noch knapp kauen können.

- Achten Sie beim Tragtest auch auf das Gewicht.

- Ihr Gesichtsfeld darf seitlich nicht eingeschränkt sein.

- Der Helm darf nicht von hinten nach vorne über das Gesicht rutschen.

- Das Visier muss sich per Handschuh leicht öffnen und schliessen lassen.

- Machen Sie wenn möglich einen Fahrtest. Nur so können Sie Windgeräusche und Stromlinienform richtig beurteilen.

- Kaufen Sie einen Helm in auffälliger Farbe und/oder mit Reflektoren.

26. März 2003 | Markus Kellenberger - mkellenberger@ktipp.ch


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