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Artikel | K-Tipp 6/2003

Pro Elektrovelo 2000 Franken vom Staat


Wie wild rührt die öffentliche Hand die Werbetrommel für Elektrovelos. Pro Velo kostet das 2000 Franken. Der Erfolg ist höchst bescheiden.

Die Verantwortlichen von Newride, dem Förderprogramm für Elektrovelos, präsentierten letzten Freitag den Medien stolz ihre «Erfolgsbilanz»: Dank Newride seien in zwei Jahren rund 700 Velos zusätzlich verkauft worden. Das entspreche einer CO2-Reduktion von 485 Tonnen und einer Benzineinsparung von 196 000 Litern.

Doch bei genauem Hinsehen zeigt sich, dass die Bilanz gar nicht so erfreulich ist. Die Anzahl verkaufter Elektrovelos ging letztes Jahr von 1500 auf 1200 zurück. Und: Das Ziel von Newride - der Verkauf von zusätzlichen 4000 Elektrovelos bis Ende 2004 - ist unrealistisch. Denn bei Halbzeit sind erst 17,5 Prozent davon verkauft.

Die 485 Tonnen CO2 und die 196 000 Liter Benzin beziehen sich zudem laut Hochrechnung auf die gesamte Lebensdauer der verkauften Elektrovelos. Die Hochrechnung ihrerseits basiert auf einer wenig aussagekräftigen Umfrage unter nur 53 Elektrovelo-Fahrern im Jahr 1996. Diese sagten damals, 41 Prozent ihrer Fahrten mit dem Elektrovelo ersetzten Fahrten mit Auto oder Töff.

Dabei hat die öffentliche Hand mit der grossen Kelle angerichtet: Der Bund zahlt pro Jahr 400 000 Franken an Newride, die Kantone weitere 100 000 Franken. Gelder kommen auch von den beteiligten Gemeinden. Damit werden Stände an Ausstellungen, Quartierfesten und Velobörsen mitfinanziert - aber auch der Aufbau eines Verkaufsnetzes und die Schulung von Händlern.

Zudem verbilligt das Elektrizitätswerk der Stadt Zürich Elektrovelos mit Geldern aus dem Stromsparfonds mit 20 Prozent. Basel-Stadt zahlt aus der Strompreis-Förderabgabe 10 Prozent.

So dürften letztes Jahr insgesamt etwa 800 000 Franken in die Verkaufsförderung geflossen sein. Die Rechnung ist schnell gemacht: Bisher hat die öffentliche Hand gegen 2000 Franken pro Elektrovelo in die Verkaufsförderung gesteckt. Zum Vergleich: Ein Elektrovelo kostet zwischen 2000 und 10 000 Franken.

Ruedi Meier, Programmleiter von Newride, kontert: «Newride ist eine Anfangsinvestition zur Markteinführung der Elektrovelos.» Er ist überzeugt, dass die Verkaufszahlen steigen werden.

Und er erinnert auch an die finanziellen Schwierigkeiten der Schweizer Hersteller im Jahr 2001. «Ohne Newride wäre die Markteinführung gefährdet gewesen. Von privater Seite wäre kaum mehr etwas initiiert worden.»

Jürg Tschopp vom VCS fährt selber Elektrovelo - und dennoch sagt er: «Wenn tatsächlich jedem Elektrovelo zwei Tausender nachgeworfen werden, dann stimmt etwas nicht.»

Er fragt sich auch, ob kostspielige Kampagnen etwas bringen. «Zürich und Genf haben schon teure Velokampagnen durchgeführt; mit mässigem Erfolg», sagt er. In Basel oder Winterthur gebe es viel mehr Velofahrer - ohne Kampagnen. «Denn diese Städte sind velofreundlich», betont er.



Vom Mofa zum Leichtmofa

Ab 1. April gelten Elektrovelos mit Tretunterstützung bis 25 Stundenkilometer und einer Höchstleistung von 0,25 Kilowatt als Leicht-Motorfahrräder: Fahrzeugausweis und Kontrollschilder sind nicht nötig. Eine Velovignette reicht. Den Führerausweis brauchen nur 14- bis 16-Jährige.

Stärkere Elektrovelos gelten weiterhin als Mofas. Der Fahrer muss im Gegensatz zum Mofafahrer aber keinen Helm tragen.

26. März 2003 | Marco Diener - mdiener@ktipp.ch


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