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Was in Kontaktanzeigen steht, ist mit Vorsicht zu geniessen. Gewisse Partnervermittlungen schreiben persönlich gefärbte Inseratetexte einfach ab.
Partnervermittlung ist ein heikles Geschäft. Wer es seriös betreiben will, braucht Vertrauenswürdigkeit und viel Fingerspitzengefühl. Doch das ist in dieser Branche nicht jedem gegeben.
Deshalb hat sich Alberto Zesa (Name geändert) auf der Suche nach seiner Wunschpartnerin auch nie an eine Vermittlungsagentur gewandt. Er wollte unter keinen Umständen in die Fänge eines zweifelhaften Instituts geraten.
Im Herbst letzten Jahres griff Zesa zur Feder und verfasste eine Kontaktanzeige, die er unter Chiffre im «St. Galler Tagblatt» veröffentlichte. Die Kernpassage lautete wörtlich: «Lass uns die Vergangenheit vergessen, die Gegenwart geniessen und die Zukunft planen! Wann leben wir los?»
Wenig später erhielt Zesa Post - aber nicht von einer Interessentin, sondern vom «Internationalen Partnerwahl-Institut Contacta» mit Sitz in St. Margrethen SG und Bregenz (A). «Wir möchten Ihnen die Möglichkeit, über Contacta Ihrer Partnerin zu begegnen, nicht vorenthalten», schrieb die Agentur dem enttäuschten Zesa.
Erst recht ärgerte sich Zesa aber, als er Anfang Dezember 2002 in den «Wiler Nachrichten» auf ein von der Contacta unterzeichnetes Inserat stiess. Das Institut suchte damit für einen Banker, 44/199, eine Partnerin - und zwar mit den Worten: «Lass uns die Gegenwart geniessen und die Zukunft planen - wann le(g)ben wir los?»
Zesa ist empört: «Inserate Dritter einfach abzuschreiben - das ist nun wirklich allerschlechtester Stil.» Wenn das Schule machen sollte, könne man in solchen Anzeigen ja überhaupt nichts mehr glauben.
Bei Contacta reagiert man gelassen: «Das Inserat fand Gefallen bei unserer Texterin, somit hat sie eine Passage daraus - in abgeänderter Form - in ein Contacta-Inserat eingeflochten.» In Anzeigetexten würden immer wieder auch Zitate aus Büchern, Filmen oder Gedichten verwendet, teilt das Institut dem K-Tipp mit. Weitere Fragen mochte Contacta nicht mehr beantworten.
Noch weniger auskunftsfreudig zeigt sich das Vermittlungsinstitut Astro-Partner, wie Yvonne Keller aus Bassersdorf ZH erfahren musste. Keller hatte sich Mitte November 2002 bei Astro-Partner angemeldet und eine Einschreibegebühr von 100 Franken überwiesen. «Die Werbung richtete sich explizit an Frauen und Männer ab 40. Zudem gab das Institut an, bei der Partnervermittlung stark auf astrologische Kriterien zu bauen. Das hat mich angesprochen», so Keller.
Bloss: Einen konkreten Partnervorschlag hat Yvonne Keller nie erhalten. Dabei hatte Astro-Partner ihr nach der Anmeldung schriftlich zugesichert, «im Abstand von jeweils 30 bis 60 Tagen Herren vorzustellen, die Ihren Charakter bestmöglich ergänzen und auch in manchen Beziehungen Ihren geheimsten Wünschen entsprechen».
Seit Januar hat Keller nach eigenen Angaben mindestens zehnmal bei Astro-Partner angerufen - vergeblich.
Erst nach zahlreichen Versuchen des K-Tipp, mit dem Institut telefonisch oder schriftlich in Kontakt zu treten, gabs ein Lebenszeichen: Astro-Partner teilte mit, die Vermittlungsarbeit sei Ende 2002 «mangels Nachfrage» eingestellt worden; Yvonne Keller erhalte «in diesen Tagen» ihr Geld zurück.
12. März 2003 | Gery Schwager - gschwager@ktipp.ch
