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Wer Ersparnisse mit gutem Gewissen anlegen will, muss nicht länger nur auf Aktien setzen. Die noch wenigen gemischten Fonds in diesem Segment investieren einen Teil in ökologisch und sozial «saubere» Obligationen.
Kaum ein Kapitalmarkt-Segment erzielte in den vergangenen Jahren derart hohe Zuwachsraten wie die so genannten nachhaltigen Anlagen. In der Schweiz ist das entsprechende Anlagevolumen seit 1997 von schätzungsweise 0,5 auf rund 5 Milliarden gestiegen. Der Anteil an den gesamten Vermögen, die in der Schweiz verwaltet werden, beträgt zwar noch immer weniger als 1 Prozent. Doch die Entwicklung ist eindrücklich.
Nachhaltiges oder ethisch-ökologisches Investieren liegt also im Trend - nicht nur bei den privaten, sondern auch bei institutionellen Investoren, darunter die AHV und viele Pensionskassen.
Mit dem Abwärtstrend an den Aktienmärkten mussten allerdings auch die Nachhaltigkeits- oder Sustainability-Fonds, die Öko- und die Ethik-Fonds erhebliche Kursverluste hinnehmen. Dennoch halten viele engagierte Anleger am Konzept des verantwortungsbewussten Investierens fest und halten Ausschau nach Alternativen zu den meist reinen Aktienfonds in dieser Nische.
Die zurzeit fünf auf dem Schweizer Markt angebotenen gemischten Nachhaltigkeitsfonds bieten sich hierfür an. In Franken angelegt sind
- der OekoSar der Bank Sarasin, den es bereits seit 1994 gibt
- der von der Bank Julius Bär verwaltete und von der Migrosbank vertriebene MI-Fonds Eco
- der von der Ethos-Stiftung aufgelegte Ethos Fund
- der Kantonalbanken-Fonds Swissca Green Invest.
Als einziger mit Fondswährung Euro ist der Prime Value Mix der Vermögensverwalterin Gertrud Höller auf dem Markt, übrigens seit 1995.
Tipp: Als so genannte Strategiefonds eignen sich diese Produkte besonders für Anlegerinnen und Anleger, die mit einem vergleichsweise geringen Vermögenseinsatz am möglichen Wertzuwachs von Aktien profitieren wollen, gleichzeitig aber das Risiko durch einen gewissen Anteil an festverzinslichen Papieren begrenzen möchten. Zu empfehlen ist hier der Prime Value Mix, der
im Renditevergleich mit herkömmlichen Strategiefonds immer auf einem der vordersten Ränge platziert ist. Auch bei der Risiko-Rendite-Analyse schnitt dieses Produkt am besten ab.
Strenge Kriterien gelten auch für Obli-Schuldner
Gemeinsam ist dieser Fondskategorie, dass nur ein Teil des Fondsvermögens in Beteiligungspapiere ökologisch und sozial korrekter Firmen angelegt wird. Die Anteile schwanken zwischen 30 und knapp 50 Prozent, wobei
bei einigen Fonds minimale oder maximale Anteile festgelegt sind.
Der Rest des jeweiligen Anlagevermögens geht in Obligationen sowie, zumeist kurzfristig, in Geldmarktanlagen oder Liquidität. Mit diesem Ansatz konnten sich die Fonds dieses Segments in den vergangenen zwei Jahren deutlich besser halten als
vergleichbare Produkte ohne Obligationenanteil. Im Unterschied zu reinen Obligationenfonds mussten aber auch sie in diesem Zeitraum einen Wertverlust ausweisen.
Bei der Auswahl der Obligationenschuldner versuchen die Fondsmanager - analog zur Auswahl der Aktien - die gleich hohen Anforderungen anzuwenden. In Frage kommen in erster Linie die gleichen Firmen wie bei der Aktienanalyse. Daneben aber auch öffentliche Schuldner, also Länder, Regionen, Städte sowie Staatsunternehmen und internationale Finanzierungsgesellschaften.
Viele international tätige Grossunternehmen haben in den letzten Jahren ihre Aktivitäten punkto Umwelt- und Sozialverhalten - auch auf Druck der Nachhaltigkeitsfonds - massiv ausgebaut. Und eine Reihe spezialisierter Firmen und Institute hat die Forschung in diesem Bereich vorangetrieben. Es ist aber immer noch schwierig, staatliche Institutionen auf Nachhaltigkeit zu prüfen.
Pionierrolle für die Zürcher Kantonalbank
Pionierarbeit hat die Zürcher Kantonalbank geleistet: Die Abteilung Umwelt und Research berücksichtigt bei der Bewertung von Ländern Kriterien wie Massnahmen zur Vermeidung des Treibhauseffekts, die Beachtung von Menschenrechten, den Stand des Bildungssystems und viele weitere Umwelt- und Sozialthemen.
Sowohl bei der Aktienauswahl wie auch bei der Analyse der Obli-Schuldner kommen jeweils positive und negative Kriterien zur Anwendung. Alle hier vorgestellten Produkte kennen Negativ-Kriterien, mit denen gewisse Unternehmen oder Schuldner ausgeschlossen werden (so genannte Ausschlusskriterien, siehe Kasten). Positiv-Kriterien bedeuten, dass die in Frage kommenden Unternehmen und Institutionen gewisse Mindeststandards in Bezug auf ethisches Verhalten oder Aspekte der Nachhaltigkeit erfüllen. Zudem müssen sie bereit sein, darüber Auskunft zu geben.
Trotz grosser Gemeinsamkeiten bei der Selektion der Wertpapiere gibt es bei den einzelnen Fondsprodukten Unterschiede. Darunter fallen etwa der Auswahlprozess und damit das Spektrum
der zur Verfügung stehenden Wertpapiere, aber auch Gebühren wie die jährlich dem Fondsvermögen abgezogene Verwaltungsgebühr.
Wer sich für einen gemischten, nachhaltigen Fonds entscheidet, hat die Qual der Wahl. Kein Anbieter geizt in seinen Prospekten mit schönen Worten. Ausschlaggebend sind für Anleger aber letztlich die persönlichen Vorlieben sowie die Fakten.
Die fünf auf dem Schweizer Markt angebotenen Nachhaltigkeitsfonds
Fonds-Rendite per 31. 12. 2002 - 1 Jahr - 3 Jahre (p. a.) - 5 Jahre (p. a.)
Prime Value Mix (Euro) - -5,88 % - -3,32 % - +3,79 %
JB Multicoop.-MI-Fonds Eco B - -9,36 % - -5,91 %
Swissca Portfolio Fund Green Invest Balanced - -12,29 %
Sarasin Invest-OekoSar dist. - -12,79 % - -3,49 % - +1,12 %
Ethos Fund dist. - -12,89 %
Nachhaltige Strategiefonds: Begrenztes Risiko
Die fünf Produkte eignen sich als so genannte Strategiefonds besonders für Anleger, die mit einem vergleichsweise geringen Vermögenseinsatz am möglichen Wertzuwachs von Aktien profitieren und gleichzeitig das Risiko durch einen Anteil an festverzinslichen Papieren begrenzen wollen.
Prime Value Mix
Fondsmanager: Höller, Zürich/Wien
Fondswährung: Euro
Valorennummer: 433 023
Lancierung: Dezember 1995
Fondsvermögen: ca. 60 Millionen Franken
Verwaltungsgebühr: 1,1 Prozent pro Jahr
Aktienanteil: ca. 30 Prozent (max. 35 %)
Titelauswahl: Finanzielle und ethische Beurteilung, Massstab ist die Berücksichtigung aller Interessengruppen («Stakeholder-Ansatz»). Zusätzliche Kriterien: ethisches Problem- und Verantwortungsbewusstsein, Innovationskraft, Erzielen von Fortschritten.
Ausschlusskriterien: Unternehmen, die Menschenrechte missachten, in Drogengeschäfte, Prostitution und Menschenhandel involviert sind, Kinderarbeit zulassen, militärische Güter, Nukleartechnologie, gefährliche Produkte und Technologien herstellen, einsetzen oder vertreiben.
MI-Fonds Eco B
Fondsmanager: Bank Julius Bär, Vertrieb durch Migrosbank
Fondswährung: Franken
Valorennummer: 746 431
Lancierung: Juni 1999
Fondsvermögen: ca. 30 Millionen Franken
Verwaltungsgebühr: 1,3 Prozent pro Jahr
Aktienanteil: 41 Prozent
Titelauswahl: Vorauswahl je Branche unter Berücksichtigung sozialer, ethischer und Umweltkriterien und Ausschlusskriterien, daraus Selektion der jeweils besten Unternehmen und Schuldner («Best in Class»), zusätzlich geringer Anteil von so genannten Innovatoren. Separater Katalog für Obligationenschuldner, total 130 Einzelkriterien. Schwergewicht Frankenanlagen.
Ausschlusskriterien (Auswahl): Förderung und Verkauf fossiler Energieträger, Atomenergie, Auto- und Flugzeugindustrie, Airlines, Herstellung von ozonabbauenden Substanzen, Forstwirtschaft und Fischfang ohne Gütesiegel, Gentechnik, Rüstungs- und Tabakindustrie.
Swissca Green Invest Balanced
Fondsmanager: Swissca, Gemeinschaftsunternehmen der Kantonalbanken
Fondswährung: Franken
Valorennummer: 1 289 514
Lancierung: November 2001
Fondsvermögen: ca.30 Millionen Franken
Verwaltungsgebühr: 1,2 Prozent pro Jahr
Aktienanteil: ca. 42 Prozent
Titelauswahl: Jeweils ökologisch und ökonomisch beste Unternehmen und Schuldner ihrer Branche («Best in Class»), zusätzlich kleiner Anteil in Umwelttechnologie- und Pionierfirmen. Vierstufiger Prozess: Umweltprüfung mit Ausschluss- und Positivkriterien, Finanzanalyse, Prüfung, ob Unternehmen soziale Verantwortung wahrnimmt.
Ausschlusskriterien (Auswahl): Förderung fossiler Energieträger und Kraftwerke, Automobil-, Luftfahrt- und Atomindustrie. Pestizidhersteller, Forstwirtschaft ohne FSC-Gütesiegel, Freisetzung von gentechnisch veränderten Organismen, Rüstungsindustrie, Tabakindustrie.
Sarasin Invest-OekoSar dist.
Fondsmanager: Bank Sarasin, Basel
Fondswährung: Franken
Valorennummer: 174 851
Lancierung: Februar 1994
Fondsvermögen: ca. 280 Millionen Franken
Verwaltungsgebühr: 1,75 Prozent pro Jahr
Aktienanteil: ca. 47 Prozent
Titelauswahl Aktien: Umweltbewertung (Berücksichtigung von Umweltaspekten auf allen Produktions-, Lieferanten- und Managementebenen), Sozialbewertung («Stakeholder-Ansatz»).
Titelauswahl Obligationen: Länderbewertung, das heisst: Effizienz und absolute Beanspruchung von Umwelt und Sozialressourcen. Institutionenbewertung: Zweck, Mittelherkunft, Erfolg.
Ausschlusskriterien (Auswahl): Atom-, Automobil-, Rüstungs-, Tabak-, Chlor-/Agrochemie-, Gentechnologie-Industrie, Pornografie, Kinderarbeit.
Ethos Fund dist.
Fondsmanager: Ethos Stiftung, Genf; Lombard Odier Darier Hentsch & Cie
Fondswährung: Franken
Valorennummer: 1 029 564
Lancierung: Februar 2000
Fondsvermögen: ca. 40 Millionen Franken
Verwaltungsgebühr: 1,5 Prozent pro Jahr
Aktienanteil: ca. 41 Prozent (maximal 66 %)
Titelauswahl: Finanzanalyse der möglichen Titel unter Berücksichtigung der Ausschlusskriterien. Analyse und Gewichtung der Unternehmen und Schuldner nach Kriterien der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit.
Ausschlusskriterien (Auswahl): Unternehmen der Tabak-, Atom-, Rüstungs- oder Glücksspielindustrie (5 % und mehr des Umsatzes). Mindestens 2/3 des Vermögens müssen nachhaltig angelegt werden.
Quellen: K-Geld, VZ Vermögenszentrum,
Bevag Better Value AG
31. Januar 2003 | David Strohm
