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Artikel | K-Tipp 2/2003

Fondspolicen: Aspecta steht im Abseits

Die Policen der Aspecta werden nur über freie Makler verkauft. Das ruft auch zwielichtige Gestalten auf den Plan, denn die Aspecta zahlt gute Verkaufsprovisionen.

Der 28-jährige L. aus Zürich ist kein unbeschriebenes Blatt: Die Abteilung Wirtschaftsdelikte der Basler Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Verdachts auf Anlagebetrug. Er sass deswegen bereits mehrere Monate in Untersuchungshaft.
Gegenstand des Verfahrens sind auch zwei Darlehen über je 20000 Franken, die L. zwei Frauen aus dem Raum Bern abknöpfte; er versprach ihnen schriftlich, das Geld mit 7,25 Prozent zu verzinsen.

Policen mit falschen Angaben angedreht
Ob die Darlehensgeberinnen ihr Geld je wiedersehen werden, ist fraglich. Es besteht der Verdacht, dass L. das Geld für sein teures Hobby abgezweigt hat: Er fährt Autorennen in der italienischen Formel 3. L. bestreitet das zwar. Wo das Geld derzeit ist, wollte er dem K-Tipp jedoch nichtsagen.
Trotzdem durfte L. für die Versicherungsgesellschaft Aspecta aus dem liechtensteinischen Vaduz Policen vermitteln. Dabei hinterliess er einen Scherbenhaufen:

  • 13 Kundinnen und Kunden, mit denen der K-Tipp gesprochen hat, beklagen sich fast einhellig, sie seien von L. mit falschen Angaben zur Unterschrift verleitet worden. Sie alle hatten schon einen Sparplan, zahlten also bereits regelmässig monatliche Beiträge bei einer Bank ein. Und sie alle sagen, L. habe sie zum Wechsel zur Aspecta überredet - mit dem Argument, das Angebot der Aspecta sei das Gleiche - und das ist falsch (siehe Kasten). L. bestreitet, Kunden getäuscht zu haben.
  • Etliche dieser 13 Kunden haben die Zahlungen bei der Aspecta inzwischen eingestellt, nachdem sie gemerkt hatten, dass sie nun eine Lebensversicherung hatten, die sie gar nie wollten. Sieben von ihnen haben so insgesamt 12600 Franken verloren.
  • Einer dieser Kunden versucht nun, das verlorene Geld über seine Rechtsschutzversicherung zurückzuholen. Die dortigen Juristen sind der Ansicht, der Vertrag sei nichtig, weil die Kunden nicht wissen konnten, wofür sie unterschrieben. Juristen nennen das einen Grundlagenirrtum. Bis anhin hat sich aber die Aspecta bei allen durch L. vermittelten Kunden geweigert, den Schaden zu ersetzen.

L. war während dieser Vorgänge Partner beziehungsweise Angestellter der X in Zürich. Die X und deren heutiger Hauptverantwortlicher Hans Peter Marti haben sich nie von L. distanziert. Ob die X weiterhin Lebensversicherungen der Aspecta vermitteln darf, war bis Redaktionsschluss unklar.
Aspecta-Geschäftsleiter Urs Keller betont aber, L. habe aufgrund des Strafregisterauszugs einen sauberen Leumund gehabt, als er einen Vermittlervertrag erhielt.

Aggressiver Verkauf unter Bekannten

Dass die Versicherungsgesellschaft Aspecta in Einzelfällen auch mit Maklern zusammenspannt, die nicht über alle Zweifel erhaben sind - das ist kein Zufall. Denn diese Versicherungsgesellschaft arbeitet in der Schweiz ausschliesslich mit freien Maklern und schneeballähnlich organisierten Strukturvertrieben zusammen.
Und die Aspecta zahlt hervorragende Verkaufsprovisionen. Das lockt auch dubiose Gestalten an.
Folge: Beim K-Tipp melden sich immer wieder Opfer, deren Verträge unter seltsamen Umständen zu Stande gekommen sind. Und kritische Medienberichte über die Machenschaften von Strukturvertrieben häufen sich in letzter Zeit.

  • Ein Mitarbeiter der Rhätischen Bahn wurde von einer Arbeitskollegin dazu überredet, eine Fondspolice der Aspecta abzuschliessen. Die Frau hatte leichtes Spiel mit ihm, weil er in sie verliebt war. Auf seinen Wunsch, ihm die bereits bezahlten 4500 Franken zurückzuerstatten, ist die Aspecta später nicht eingegangen.
  • Die Arbeitskollegin kam im Namen des WNB - und ihr Vorgehen ist typisch: Die Verkäufer dieses Strukturvertriebes (siehe Kasten rechts) verkaufen in erster Linie unter Freunden, Verwandten und Bekannten.
  • Die Aspecta akzeptiert auch Verträge des Strukturvertriebes ITE. Auch über diese aggressive Makler-organisation liegen dem K-Tipp mehrere Reklamationen vor. Die Versicherungsgesellschaft Skandia hat sich von der ITE getrennt, weil sie die Beratungsqualität als mangelhaft empfand. Die ITE betont ihrerseits, ihre Kunden seien mit dem Service der Skandia nicht mehr zufrieden gewesen.
  • In Nummer 18/01 berichtete der K-Tipp über den rechtskräftig verurteilten ehemaligen Schneeballaktivisten Boris Jaeggi, der vom Abzockersystem Mega Star Business zum Verkauf von Aspecta-Produkten gewechselt hatte.
  • Im Mai 2002 kritisierte die «Neue Luzerner Zeitung», dass Mitarbeiter des Strukturvertriebes First sogar geistig behinderten Menschen Versicherungen angedreht hatten. Es waren Policen der Aspecta.
  • In diesem Fall hat allerdings die Aspecta das Geld anstandslos zurückgezahlt. Das macht sie gemäss Geschäftsleiter Keller immer, wenn Kunden in soziale Not geraten.


Fondspolice? Nein danke!

Sparen mit der fondsgebundenen Lebensversicherung ist tückisch.
Verkäufer preisen eine fondsgebundene Lebensversicherung (Fondspolicen) oft als reines Sparprodukt an. Doch das ist falsch: Eine Fondspolice ist eine Lebensversicherung. Das sind die Details:

  • Bei herkömmlichen Lebensversicherungen (auch Sparversicherungen genannt) wird das Sparkapital zu einem garantierten festen Satz verzinst. Bei einer Fondspolice geht der Sparanteil in Anlagefonds und ist damit dem Auf und Ab der Börsen ausgesetzt.
  • Der Kunde lässt sich auf einen langjährigen Vertrag mit Zahlungsverpflichtung ein. Wer vorher aussteigt, verliert Geld. In den ersten Jahren haben Fondspolicen in der Regel überhaupt keinen Rückkaufswert. Das heisst: Wer innerhalb von rund drei Jahren nach Vertragsabschluss nicht mehr einzahlt, verliert das einbezahlte Geld.
  • Fondspolicen enthalten in der Regel ein Todesfall-kapital: Stirbt die versicherte Person, erhalten Erben oder andere begünstigte Personen Geld bar auf den Tisch. Vor allem für junge Leute ohne familiäre Verpflichtung ist eine solche Versicherung überflüssig, weil es nicht nötig ist, dass jemand Geld erhält, wenn sie sterben.
  • Einziger Vorteil: Solche Sparversicherungen enthalten in der Regel die so genannte Prämienbefreiung bei Invalidität: Sollte der Kunde erwerbsunfähig werden, zahlt die Gesellschaft die Prämie weiter. Allerdings ist dieser Vorteil bei etlichen Aspecta-Policen nicht eingeschlossen.
  • Fondspolicen werden wegen der hohen Verkaufsprovisionen gerne von Mitarbeitern schneeballähnlich organisierter Strukturvertriebe verkauft. Diese Mitarbeiter sind in der Regel nicht oder ungenügend ausgebildet, bieten oft keine Beratung und haben nur ein einziges Produkt im Angebot. Und sie verkaufen vor allem im Freundes- und Bekanntenkreis. Zudem versuchen sie aus Eigennutz, ihre Opfer ebenfalls zum Verkaufen zu animieren, indem sie unrealistische Verdienstchancen in Aussicht stellen.
  • Die bekanntesten Strukturvertriebe mit schlechtem Ruf sind WNB, First und ITE. Sie verkaufen zum Teil auch Fondspolicen der Pax. Aspecta-Geschäfts-leiter Urs Keller sagt, diese Strukturvertriebe hätten ihre Beratungsqualität stark verbessert.
  • Wer regelmässig Geld auf die Seite legen und auch von allfälligen Kursverbesserungen an der Börse profitieren möchte, sollte bei einer Bank einen Fonds-Sparplan abschliessen. Einen ausführlichen Vergleich sowie viele Tipps finden Sie im K-Tipp-Ratgeber «Sparen mit Fonds». Alles Wichtige über Sinn und Unsinn von Lebensversicherungen und Fondspolicen steht im K-Tipp-Ratgeber «So sind Sie richtig versichert».

29. Januar 2003 | Ernst Meierhofer, Redaktion K-Tipp


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