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Sie zittern um das Weihnachtsgeschäft: Unternehmen, die Konsumgüter wie Schmuck und Spielwaren verkaufen. Schon seit Anfang Jahr laufen ihre Geschäfte schlecht. Für die Anleger bietet die Detailhandelsbranche hohe Risiken - aber auch grosse Chancen.
Werden die amerikanischen Konsumenten in den Tagen vor Weihnachten ihre Kauflust wieder entdecken? Davon hängen weltweit Millionen von Jobs ab, denn ohne Kauflust wird die amerikanische Wirtschaft nicht in Schwung kommen. Und dann wird auch die Flaute der Weltwirtschaft anhalten. Europa und die Schwellenländer Asiens und Lateinamerikas hoffen, dass die US-Wirtschaft die Lokomotive sein wird, die den Konjunkturzug wieder in Fahrt bringt.
Ob die Chancen für einen Wirtschaftsaufschwung weltweit steigen, wird man vor Weihnachten im Schmuckladen Tiffanys, im Spielzeugparadies Toys'R'us und beim Unterhaltungselektronik-Riesen Best Buy in New York und anderen US-Städten beobachten können. Im Detailhandel lässt sich der Puls der Wirtschaft fühlen.
Tatsache ist, dass das Vertrauen der US-Konsumenten im Oktober zum fünften Mal in Folge gesunken und inzwischen so tief ist wie seit November 1993 nicht mehr. Gründe dafür sind die gestiegenen Arbeitslosenzahlen, die Gefahr eines Krieges mit dem Irak und die miese Stimmung an den Börsen.
Wenn das Weihnachtsgeschäft in den USA bachab ginge, wäre das für die Weltwirtschaft ein schlechtes Zeichen, hält Rolf Biland, der Anlagestratege des VZ Vermögenszentrums, fest. Doch Biland hält eine positive Überraschung für möglich.
Zyklischer Detailhandel: Auf und ab mit der Konjunktur
Der Detailhandel ist eine Schlüsselbranche für jede Volkswirtschaft - und ganz besonders für die amerikanische. Deshalb ist die Branche auch für Anleger interessant, ist Biland überzeugt. Die grössten Chancen, aber auch entsprechende Risiken sieht der Anlagestratege derzeit bei Geschäften, deren Güter nicht zum täglichen Bedarf gehören. Das sind zum Beispiel Kleider, Schmuck und elektronische Geräte. Dieser Teil des Detailhandels entwickelt sich ausgesprochen zyklisch.
Solchen Unternehmen gehts glänzend, wenn die Wirtschaft wächst und den Konsumenten das Geld locker in der Tasche sitzt. Denn die Aktien steigen vor und während eines Aufschwungs überdurchschnittlich stark. Die Kehrseite der Medaille sind aber ebenso dramatische Kursrückschläge vor und während einer Rezession.
Investitionen in den zyklischen Detailhandel sind deshalb nur für Optimisten ratsam, die überzeugt sind, dass die Wirtschaft sich in naher Zukunft erholen wird.
Alternative für Pessimisten: Der nichtzyklische Detailhandel
Pessimistische Anleger setzen besser auf Unternehmen, die Güter des täglichen Bedarfs verkaufen: Lebensmittel, Getränke und Haushaltartikel sind weniger krisenanfällig. Aktien dieses Sektors gelten deshalb als defensiv: Das Verlustrisiko ist deutlich kleiner, dafür ist auch das Potenzial für Kursgewinne beschränkt.
In welchem Teil des Detailhandels die Chancen für die Anleger am grössten sind, hängt vollständig von der Konjunkturentwicklung ab.
Kommt der Aufschwung oder droht eine erneute Rezession?
Die Pessimisten unter den Experten befürchten, dass die amerikanische Wirtschaft und in der Folge auch die Weltwirtschaft in eine Rezession zurückfallen könnten. Die Credit Suisse First Boston (CSFB) schätzt die Wahrscheinlichkeit für einen so genannten «Double Dip» auf rund 40 Prozent.
Auch Rolf Biland räumt ein, dass die Risiken noch immer sehr hoch sind. «Obwohl die Kapazitäten in den USA reduziert worden sind, ist die Auslastung sehr tief.» Würde dieses Szenario eintreten, würden alle zyklischen Aktien schlecht abschneiden. CSFB-Chefstratege Andrew Garthwaite empfiehlt für diesen Fall defensive, weniger risikoreiche Titel.
Die Angst vor der Verschuldung der amerikanischen Haushalte
Befürchtungen für die Wirtschaftsentwicklung gehen von der hohen Verschuldung der amerikanischen Haushalte aus. Im Unterschied zu früheren Rezessionen haben sie die Schulden nicht abgebaut, sondern kräftig erhöht. Allerdings ist der Schuldendienst in Prozent des Einkommens relativ stabil geblieben.
Positiv ist überdies, dass die real verfügbaren Einkommen der amerikanischen Konsumenten mit einer Jahresrate von 3 bis 4 Prozent zunehmen. Solange die Einkommen in diesem Tempo steigen, wird die Situation der Konsumenten komfortabel bleiben.
US-Wirtschaft wächst - ein Zeichen für den Aufschwung
Allerdings gibt es auch eine Reihe von Argumenten, die dafür sprechen, dass eine zweite Rezession ausbleibt und die amerikanische Wirtschaft sich erholt. Im dritten Quartal 2002 konnten die USA ein Wirtschaftswachstum von 3,1 Prozent erzielen - ein Wert, von dem Deutschland oder die Schweiz zurzeit bloss träumen kann. Allein der private Konsum ist im dritten Quartal um 4,1 Prozent gestiegen. Zudem konnte die amerikanische Wirtschaft auch ihre Produktivität markant steigern.
Saddam Hussein spielt mit
Ein Unsicherheitsfaktor bleiben die politischen Risiken. Ein Krieg im Irak könnte unter Umständen den Ölpreis kurzzeitig ansteigen lassen.
Höhere Energiekosten würden die Wirtschaft belasten und die Stimmung der Konsumenten abstürzen lassen.
Doch Rolf Biland vom Vermögenszentrum erwartet eher das Gegenteil. «Wenn der Irak-Konflikt beigelegt werden kann, wird der Ölpreis auf 20 Dollar oder weniger pro Barrel zurückgehen. Eine derartige Entwicklung hätte die Wirkung einer Konjunkturspritze. Das gäbe einen Impuls wie bei einem grossen Steuersenkungsprogramm.»
Biland glaubt, dass die Anleger in einem kommenden Aufschwung überrascht sein werden, wie sehr zyklische Branchen, zum Beispiel der zyklische Detailhandel, profitieren werden.
Blue Chips des Detailhandels
Der Detailhandel ist eine vielfältige Branche und in zwei grosse Segmente unterteilt.
Zu den zyklischen Titeln gehören jene Unternehmen, die sich vorwiegend auf Güter konzentrieren, die nicht zum täglichen Bedarf gezählt werden. Dazu zählen beispielsweise Kleider, Accessoires, Schmuck, aber auch Möbel und Einrichtungsgegenstände.
Zu den Blue Chips in diesem Bereich gehören die grössten Warenhäuser der Welt: Kohls und Sears, Roebuck in den USA, Marks & Spencer in Grossbritannien sowie Pinault-Printemps-La Redoute in Frankreich. In Europa gehören zu den wichtigsten Titeln Modekonzerne wie etwa die schwedische Hennes & Mauritz oder die spanische Inditex.
Defensive, nichtzyklische Unternehmen haben ihren Schwerpunkt bei Gütern des täglichen Bedarfs wie Lebensmittel, Getränke und Haushaltartikel.
Die Nummer 1 der Welt ist in diesem Segment der amerikanische Detailhandelsriese Wal-Mart. In Europa führend ist der französische Carrefour-Konzern.
Indexaktien für Investitionen in den Detailhandel
Indexaktien für den zyklischen Detailhandel
- Consumer Discretionary Select Sector SPDR Fund
- iShares Dow Jones US Consumer Cyclical Sector Index Fund
- StreetTRACKS ETF 51; streetTRACKS MSCI Europe Consumer Discretionary ETF
- UNICO i-tracker 51; MSCI Europe Consumer Discretionary
Indexaktien für den nichtzyklischen Detailhandel
- Consumer Staples Select Sector SPDR Fund
- iShares Dow Jones US Consumer Non-Cyclical Sector Index Fund
- StreetTRACKS ETF 51; streetTRACKS MSCI Europe Consumer Staples
- UNICO i-tracker 51; MSCI Europe Consumer Staples
01. Dezember 2002 | Meinrad Ballmer
