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Lilo Henkel, Personalberaterin im Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum Aarau, beantwortet an der Kassensturz-Hotline Fragen zur Arbeitslosigkeit.
Kassensturz: Ein Käsermeister bekam nach nur neunmonatiger Anstellung die Kündigung. Hat er Anspruch auf Arbeitslosengeld?
Lilo Henkel: Wenn der Käsermeister zum ersten Mal arbeitslos ist, bekommt er nur dann Arbeitslosengeld, wenn er innerhalb der letzten zwei Jahre mindestens sechs Monate als Arbeitnehmer angestellt war.
Bekommen Hochschulabsolventen oder Mütter nach ein paar Jahren Babypause Arbeitslosengeld, auch wenn sie in den letzten Jahren nie gearbeitet haben?
Ja, unter Umständen. Es lohnt sich in jedem Fall, beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) nachzufragen.
Wie viel Arbeitslosengeld bekommt ein Manager, der 13 000 Franken im Monat verdient hat?
Arbeitslose mit Kindern haben Anspruch auf 80 Prozent des letzten Lohnes, maximal aber 7120 Franken. Ohne Unterhaltspflichten bekommt der Manager 70 Prozent seines Lohnes, maximal 6230 Franken.
Seit einem Monat ist ein Bauarbeiter arbeitslos und möchte in die Ferien. Darf er das?
Nein, er darf erst nach sechzig ausbezahlten Taggeldern fünf Tage in die Ferien, also nach knapp drei Monaten Arbeitslosigkeit.
Wie lange bekommen Arbeitslose Taggelder?
Arbeitslose haben Anspruch auf maximal 520 Taggelder, also zwei Jahre Unterstützung.
Eine Frau mit einer KV-Ausbildung hat sich bis zur Managerin hochgearbeitet. Muss sie bei Verlust der Arbeit wieder als KV-Angestellte im Büro arbeiten?
Ja, sie muss grundsätzlich jede Arbeit unverzüglich annehmen. So steht es im Gesetz. Das Amt kann sie zwingen, auch eine Arbeit zu akzeptieren, die unter ihrer Qualifikation liegt. Allerdings muss die Arbeit branchenüblich bezahlt sein. Dumping-Preise muss sich niemand gefallen lassen.
Ein Pianist muss also auf dem Bau arbeiten, ein Top-Banker Taxi fahren?
Nein, der Pianist muss nicht auf dem Bau arbeiten, denn damit macht er seine Hände kaputt, und seine Chancen, wieder in seinem Beruf arbeiten zu können, werden dadurch zerstört. Doch dem Top-Banker kann nach längerer Arbeitslosigkeit auch zugemutet werden, Taxi zu fahren.
Ein arbeitsloser Grafiker wohnt in Luzern. Sein RAV-Berater hat ihn auf eine offene Stelle in Bern hingewiesen. Muss er diese Stelle annehmen?
Ja, Arbeitswege von täglich insgesamt vier Stunden sind zumutbar.
Ein Versicherungsangestellter bekam vor drei Tagen die Kündigung. Was muss er tun?
Wichtig ist, dass er sich schon während der Kündigungsfrist um einen neuen Job bemüht und das auch nachweisen kann. Wenn er das versäumt, wird ihm das Taggeld gekürzt.
Wolfgang Wettstein
Darüber wird abgestimmt
Die Revision der Arbeitslosenversicherung kommt am 24. November zur Abstimmung. Die wichtigsten Änderungen:
- Arbeitslose erhalten statt maximal 520 nur noch 400 Taggelder.
- Die ALV-Beiträge werden von 3 auf 2 Prozent des Lohnes reduziert.
- Arbeitslose können Taggelder erst dann beziehen, wenn sie in den letzten zwei Jahren zwölf Monate ALV-Beiträge bezahlt haben, bisher waren es sechs Monate.
- Der Solidaritätsbeitrag von 2 Prozent der Einkommen zwischen 107 000 Franken und 267 000 Franken wird gestrichen. Er soll erst wieder bei einem Defizit der Arbeitslosenkasse von 5 Milliarden Franken eingeführt werden.
So reduzieren Sie das Risiko
Das rät Lilo Henkel:
- Bilden Sie sich ständig weiter, und erwerben Sie anerkannte Abschlüsse. Die Berufsverbände sagen Ihnen, welche Kurse sinnvoll sind. Geben Sie Ihre Zertifikate der Personalabteilung. So weiss Ihr Arbeitgeber, was Sie können.
- Springen Sie bei Ferienabwesenheiten in die Bresche Ihrer Kollegen. Zeigen Sie Bereitschaft, auch einen Teil ihrer Arbeiten zu übernehmen. Scheuen Sie sich nicht, Überstunden zu machen.
- Viele Frauen zieren sich, über ihre beruflichen Erfolge zu reden. Das ist falsch. Verkaufen Sie sich. Werden Sie Mitglied bei Parteien, Verbänden oder Gewerkschaften.
- Fordern Sie in Qualifikationsgesprächen nicht immer einen höheren Lohn, sondern beantragen Sie auch eine Weiterbildung.
- Verlangen Sie alle fünf Jahre ein Zwischenzeugnis, vor allem dann, wenn Ihr Vorgesetzter wechselt.
- Machen Sie alle zehn Jahre eine Standortbestimmung mit Rückblick auf Ihr Leben.
- Zeigen Sie Eigenverantwortung. Denn Arbeitnehmer, die sich immer in der Opferrolle sehen, stehen als Erste auf der Strasse.
06. November 2002
