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Die Versandhäuser Diamant und Friedrich Müller überfluten ihre Kunden erneut mit Post. Neu aber ist: Im Kleingedruckten geben sie den Schwindel zu.
Sehr geehrte Frau Bleiker: Kürzlich war die grosse Gewinnvergabe, und Sie konnten leider nicht berücksichtigt werden, weil Sie nicht geantwortet haben», schreibt der Diamant Versand aus Büsingen (D) einer Kundin. An ihrer Stelle habe nun Christine Hügli aus Dierikon LU den Preis, einen Audi A 4, erhalten. Hügli wendet sich sogar selbst an Marie Bleiker: «Bei der Gewinnübergabe habe ich erfahren, dass zuerst Sie als mögliche Gewinnerin informiert worden sind, aber nicht geantwortet haben. Daraufhin habe ich ein ganz schlechtes Gewissen bekommen. Möglicherweise habe ich Ihnen ja diesen Riesengewinn einfach weggeschnappt.»
100 Franken für «optimale Organisationskosten»
Doch nun habe sie eine gute Nachricht: Das Versandhaus sei bereit, Marie Bleiker noch eine Chance zu geben, 42 000 Franken zu gewinnen. Die Bedingung: «Es würde uns freuen, von Ihnen eine Testbestellung über zirka 80 Franken zu erhalten.» Ohne Bestellung sei «der beigelegte Rückantwortumschlag leider ungültig».
Marie Bleiker nutzte ihre Chance nicht - zu Recht. Denn dass man den Ankündigungen des Versandhauses keinen Glauben schenken kann, beweist Diamant im Kleingedruckten gleich selber: «Die Audi-A4-Vergabe ist frei erfunden.» So wie Christine Hügli auch.
Ein Herz für Kunden zeigt die Firma IVH, hinter der das Wiener Versandhaus Friedrich Müller steht. Der jüngste Versand kündigt an, die IVH wolle ihren Gewinnüberschuss mit den treusten Kunden in Form von Geschenken teilen. Wie hoch dieser Überschuss ist, will die IVH nicht verraten. Klar ist nur: Wer profitieren will, muss 100 Franken für «optimale Organisationskosten» berappen.
Mit dieser Masche hatte der Friedrich-Müller-Versand schon mehrmals gelockt. Wer zahlte, gewann immerhin eine Billigbusreise in eine europäische Stadt. Die Freude der Teilnehmer währte aber nicht lang: Der Veranstalter Express-Tours mit Sitz in Malta forderte happige Saisonzuschläge sowie Aufpreise für Verpflegung und Ausflüge. Einige Reisen im Frühling und Sommer dieses Jahres wurden gar abgesagt, weil Express-Tours in Zahlungsschwierigkeiten geraten war.
Versprochene Gewinne mit Erfolg eingeklagt
Das Versandhaus hat sich laut eigener Aussage inzwischen von Express-Tours getrennt. Am bewährten System hält die Firma aber fest: «Wir haben einen eigenen Veranstalter namens I.R.U. Reiseunternehmen GmbH gegründet, der bereits aktiv ist.»
Übrigens: Das Handelsgericht Wien hat kürzlich die Firma EDV Direktverkauf AG, zu der Friedrich Müller und IVH gehören, zur Zahlung eines «Gewinns» von gut 13 000 Franken an eine ältere Frau verurteilt. Erfolgreich klagte diesen Sommer auch eine Gewinnerin aus Deutschland. Das Oberlandesgericht Frankfurt verurteilte die schweizerische GMS Trading AG aus Freiburg zur Zahlung von 25 000 Franken.
Mirjam Fonti
06. November 2002
